SPD-Unterbezirk Kassel-Land reagiert mit bundesweit einmaligem Führungsmodell auf Querelen der Bundes-SPD

Doppelspitze mit Siebert und Engler soll es richten

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Andreas Siebert, Erster Kreisbeigeordneter, und die Baunataler Bürgermeisterin Silke Engler bilden künftig die Doppelspitze im SPD-Unterbezirk Kassel-Land.

Sie wurden von den 113 Delegierten in der Mehrzweckhalle in Dörnberg mit überwältigender Mehrheit gewählt, Siebert mit einer Zustimmungsquote von 99,12 Prozent (eine Nein-Stimme) und Engler mit 95,6 Prozent (fünf Nein-Stimmen). Ein besseres Ergebnis erzielte nur Schatzmeister Karl Hellmich (Kaufungen), der alle Stimmen auf sich vereinte.

Während in Berlin die SPD sowohl beim Führungspersonal als auch bei den Sachthemen um Orientierung ringt, demonstrierten die Genossen im Landkreis Kassel Geschlossenheit und Aufbruchstimmung, trotz der auch im Kreis weiter zurückgehenden Mitgliederzahlen und der Stimmenverluste bei der Europawahl. 

Das neue Führungsduo, das den bisherigen Unterbezirksvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Timon Gremmels ablöst, der vor vier Wochen zum Bezirkschef der SPD gewählt worden war, gab für die Kommunalwahl in 2021 seiner Partei ein ehrgeiziges Ziel aus: „50 Prozent plus X“ wolle man erringen, sagte Siebert. Er ist formal der neue Unterbezirksvorsitzende. Engler als seine Stellvertreterin ist ihm aber gleichgestellt. 

Das ist das Resultat eines satzungsmäßigen „Kniffs“, den die Partei anwendete, um die Doppelspitze überhaupt möglich zu machen. Denn bisher ist diese Möglichkeit noch nicht in den Statuten der Bundespartei verankert. Der Unterbezirk forderte den Bundesvorstand auf, möglichst schnell dafür eine allgemeine Rechtsgrundlage zu schaffen.

Engler und Siebert wollen den Zusammenhalt der SPD in der Region stärken und mit einigen ausgewählten „Kernbotschaften“ – wie es Engler formulierte – das Profil der Partei schärfen. „Wir wollen wieder mehr diskutieren und die Herzen ansprechen“, kündigte sie an. Dafür werde der neue Vorstand, in den unter anderem Burkhard Finke (Wolfhagen) und Sarah Humburg (Hofgeismar) als weitere stellvertretende Vorsitzende gewählt wurden, auch „in die Fläche“ gehen. Engler wie Siebert machten deutlich, dass sie nicht für verschiedene Lager der Kreis-SPD stehen. „Wir beide ticken sehr ähnlich.“

Der Bezirksvorsitzende Gremmels zog eine positive Bilanz der letzten vier Jahre. Die nordhessische SPD habe den Generationswechsel auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene gemeistert. Mit ihrer Strategie einer Doppelspitze sende sie eine klare Botschaft an die Bundes-SPD. Als SPD-Hochburg werde man für mehr Einfluss auf die SPD-Politik im Bund kämpfen.

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