Rechtsstreit wegen unangekündigter Fotos

Tantra-Seminar: Kläger scheitert

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Ein Masseur in einem Massagesalon demonstriert an einer Kollegin eine Tantra-Massage.

Kassel / Habichtswald. Die Hälfte der Teilnahmegebühr muss eine in Habichtswald ansässige Tantraschule an einen Mann aus dem Münsterland zurückzahlen, der bei einem Gruppenseminar im April 2014 ohne Vorankündigung fotografiert worden war. Das entschied das Amtsgericht Kassel.

Die Bilder machte der Seminarleiter, als die Partnerin des Mannes nur mit Dessous bekleidet am Boden lag und ihr Lebensgefährte ihr mit Federn über den nackten Rücken streichelte. Als er plötzlich in eine Kameralinse schaute, habe er einen „seelischen Schock“ erlitten, begründete der Westfale vor Gericht seine Klage.

Die wurde vom Amtsgericht jedoch weitestgehend abgewiesen. Die Kosten des Rechtsstreits muss der Kläger zu 79 Prozent tragen. Den Rest die Tantraschule. Auch die Kosten für das Seminarhotel erhält er nicht zurück. Denn das spirituelle Selbstfindungsseminar sei nicht als untrennbare Einheit mit der Hotelbuchung verbunden gewesen oder als Paket gebucht worden.

Auch die geforderte Rückerstattung der vollen Gebühr in Höhe von 395 Euro für das fünftägige Seminar steht dem Kläger nicht zu, heißt es im Urteil. Bis zu den Fotoaufnahmen, die der Mann nach eigenem Bekunden als „seelischen Missbrauch“ erlebt hatte, sei das Seminar für ihn sehr gut gewesen. Das hatte der Kläger selbst berichtet.

Das Gericht urteilte deshalb, er könne von dem bis dahin vermittelten Wissen profitieren. Das Seminar „Tantra Highlights: Erweckung der Sinne - tantrische Massage -Energieaktivierung“ wurde als Gruppenseminar von einer Diplom-Psychologin geleitet, die auch in einer Kasseler Gemeinschaftspraxis praktiziert.

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In der hierzulande verbreiteten Form der im Hinduismus beheimateten Form der Esoterik geht es oft um eine Steigerung der Orgasmusfähigkeit und ein Streben nach sexuell-spiritueller Wellness. Deshalb erkannte das Gericht auch ein besonderes Vertrauensverhältnis als notwendig zwischen den Vertragspartnern an. Die fristlose Kündigung des Klägers sei berechtigt gewesen, weil es sich um einen „Dienst höherer Art“ handele, der laut Gesetz eben ein solches Vertrauensverhältnis voraussetzt.

Ob das Recht am eigenen Bild durch die Aufnahmen des Seminarleiters verletzt wurde, ist laut Urteil des Amtsgerichts nicht erwiesen. Zudem bestehe keine Wiederholungsgefahr und deshalb kein materieller Anspruch des Klägers. Der Seminarleiter habe im Beisein einer Zeugin noch am selben Tag zugesagt, alle Fotos vollständig zu löschen. (and)

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