Medizintechnik-Unternehmen auf Wachstumskurs

TapMed will Lagerplatz verdreifachen

Die Intensivstationen sind voll mit Covid-Patienten: Für deren Lagerung auf dem Bauch hat TapMed zusammen mit dem Hersteller ein Polsterset entwickelt. Marketingexpertin Kathrin Langmann (links) und Geschäftsführerin Monika Rinne sind stolz auf das Produkt, das von Kunden stark nachgefragt wird.
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Die Intensivstationen sind voll mit Covid-Patienten: Für deren Lagerung auf dem Bauch hat TapMed zusammen mit dem Hersteller ein Polsterset entwickelt. Marketingexpertin Kathrin Langmann (links) und Geschäftsführerin Monika Rinne sind stolz auf das Produkt, das von Kunden stark nachgefragt wird.

Corona hat die letzten beiden Geschäftsjahre der TapMed Medizintechnik Handels GmbH in Ehlen stark beeinflusst.

Ehlen - Der Markt ist für die Firma, die sich auf den Vertrieb innovativer Produkte in den Bereichen Plastische Chirurgie, Rekonstruktive Chirurgie und Handchirurgie, Patientenversorgung, Patientenhygiene sowie Tiergesundheit spezialisiert hat, ein anderer geworden. Umsatzeinbrüche, die bedingt sind durch eine verminderte Anzahl chirurgischer Eingriffe in deutschen Kliniken, werden kompensiert durch Produkte, die für die Behandlung von Covid-Patienten auf Intensivstationen wichtig sind.

So hat der Mittelständler zusammen mit einem Hersteller ein spezielles Polsterset entwickelt, auf dem Covid-Patienten mit akuter Atemnot gut gelagert werden können. Die Betroffenen, die beatmet werden und an lebenserhaltende Maschinen angeschlossen sind, werden für einige Stunden auf den Bauch gedreht, weil das die Lunge entlastet, sagt Monika Rinne. Sie ist Inhaberin und Geschäftsführerin der Firma, die Anfang 2016 von Schauenburg-Hoof nach Ehlen zog. Das Polstersystem, mit dem TapMed bereits 165 Kunden versorgt hat, soll Druckstellen bei der Lagerung verhindern.

Doch Corona lässt auch an anderen Stellen die Muskeln spielen. Internationale Kongresse, auf denen sich das Unternehmen über neue Produkte informiert, fanden kaum statt. Dabei seien diese doch gerade die Quellen für medizinisch-technische Neuheiten, die sich auf dem internationalen Markt zu etablieren beginnen, die aber in Deutschland noch nicht verbreitet sind und die TapMed in sein Portfolio aufnehmen will, sagt Monika Rinne. Dennoch sei es gelungen, das Sortiment um weitere Artikel zu bereichern. Zwar sei der Umsatz von 10,2 Millionen Euro im Jahr 2019 auf elf Mio. im vergangenen Jahr gewachsen. Gleichzeitig habe das Unternehmen beim Einkauf der Produkte und beim Personal höhere Kosten verkraften müssen. Hinzu kämen Lieferengpässe, so Rinne. Für dieses Jahr werde ein Umsatz von zwölf Mio. Euro erwartet.

Zu den neuen Produkten gehören Plasmafilter eines irischen Herstellers, die nach Angaben der Firmenchefin zuverlässig Krankheitserreger in der Luft, wie Viren und Bakterien, abtöten. Verantwortlich sei dafür eine Technologie, die Zellwände, Proteine und DNA der Mikroorganismen angreift. Der osmotische Druck werde erhöht, sodass Zellen platzen. Von dem Produkt ist die 56-Jährige so sehr überzeugt, dass sie die Büros damit ausgestattet hat. Aktuell verfügt TapMed über ein Sortiment von 2500 Produkten, mit denen es 22 000 Kunden beliefert. Für jeden Artikel, den das Lager verlässt, hat die Firma Exklusivverträge ausgehandelt. Das heißt, der Händler ist in Deutschland der einzige Anbieter.

Doch der Platz in Ehlen ist längst zu knapp. Zum 500 Quadratmeter großen Lager mussten weitere Kapazitäten gemietet werden. Aus Schulungsräumen wurden Schreibtisch-Arbeitsplätze. Schulungen und Team-Besprechungen finden aktuell im gleichen Raum statt, in dem nun noch ein weiterer PC-Arbeitsplatz eingerichtet wurde. „Nicht jeder hat seinen eigenen Arbeitsplatz“, sagt Rinne, für die das ein unhaltbarer Zustand ist. Um so glücklicher ist sie, dass ein Teil der Beschäftigten die Möglichkeit des Homeoffice nutzt. Schon als sie sich vor fünf Jahren im Gewerbegebiet in Habichtswald niederließ, habe sie gegenüber dem damaligen Bürgermeister klar gemacht, dass sie Erweiterungsoptionen benötige und dabei auf die Wiese vorm Firmengebäude gezeigt. Seit dem Umzug ist die Zahl der Beschäftigten – etwa 80 Prozent sind Frauen – von 21 auf 52 gestiegen. „Und das Lager platzt aus allen Nähten.“

Mit der Erweiterung des Gewerbegebietes befasst sich das Parlament bereits seit einiger Zeit. Eigentlich habe sie die Fläche Ende 2020 kaufen wollen, sagt Rinne. Doch noch immer habe sie keinen Kaufvertrag abgeschlossen, Baurecht gäbe es auch keins. Sie stellt sich darauf ein, noch einige Zeit mit den beengten Verhältnissen leben zu müssen. Auf dem benachbarten Grundstück sollen ein 1000 Quadratmeter großes Lager und weitere Büros entstehen. (Antje Thon)

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