Festival wegen Waldbrandgefahr an den Erlegrill verlagert

Tönefest in Ehlen: Weniger Romantik nach Ortswechsel

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Überzeugten mit mehrstimmigem Gesang, virtuoser Gitarre und akzentuiertem Cello: die Musiker der Band Makke.  

Ehlen. Wenn einmal im Jahr leise Töne auf Habichtswald hinab rieseln, verwandelt sich im Normalfall das Höllchen oberhalb Dörnbergs zum kuscheligen Open-Air-Wohnzimmer.

Seit über drei Jahrzehnten ist das so, am Wochenende allerdings hat der Jahrhundertsommer mit Dürre und anhaltend tropischer Temperaturen dem lauschigen Melodienzauber unter freiem Himmel einen Strich durch die Rechnung gemacht, zumindest am vertrauten Ort. „Wir wollten unser Tönefest auf keinen Fall ausfallen lassen, die Waldbrandgefahr ließ uns keine andere Wahl, wir mussten umziehen“, sagt Bürgermeister Thomas Raue.

Auf den Erlegrill in Ehlen fiel die Wahl. Nicht annähernd so romantisch wie das Dörnberger Höllchen, immerhin aber umgeben von Bäumen und ausgestattet mit herrlich weitem Blick. Der lädt zum Träumen ein, wenn Songpoeten wie Robert Carl Blank, Bill Sauer oder Markus Zosel ihre Musik gen Abendhimmel schicken und damit beinahe vergessen lassen, dass man nicht im Dörnberger Wald, sondern zwischen Freibad und Sportplatz in Ehlen sitzt.

Fast so lauschig-schön wie am Höllchen: Wegen Waldbrandgefahr musste das Tönefest in diesem Jahr am Ehlener Grillplatz stattfinden.

Das Lagerfeuer, das sonst für eine Extraportion Gemütlichkeit sorgt, fehlt auch hier, ansonsten aber ist alles, wie es die Fans des Festivals kennen und lieben: Bühne und Zuschauerzelt sind angeordnet wie immer, und natürlich fehlen auch die Strohballen nicht, die Stühle und Bänke überflüssig machen. Den Rest macht die Musik, die Erinnerungen weckt an frühere Tönefest-Jahre, viel Neues nämlich gibt es nicht. „Ich war jetzt glaube ich schon vier, fünf oder sechs mal hier“, stellt etwa Singer/Songwriter Mathew James White fest, als er am Samstagabend die Bühne betritt, um mit seinen von Acousticgitarre begleiteten Songgeschichten wie immer zu begeistern.

Immer wieder gern gesehen und gehört beim Tönefest: Singer/Songwriter Mathew James White.

Mit Wasteland Green aus Berlin verhält es sich ähnlich, auch sie haben aufgehört, ihre Besuche in Habichtswald zu zählen. „Es ist schön, immer wieder hierher zurückzukommen“, sagt Frontfrau Susanne Werth, die mit ihrer ausdrucksstarken Stimme und dem feinen Gespür für zauberhafte Melodien maßgeblich dazu beiträgt, dass die Habichtswalder dem Charme der sympathischen Kombo immer wieder erliegen. Auch diesmal schafft sie es, den mehreren hundert gebannt lauschenden Zuhörern mit Songperlen irgendwo zwischen Pop, Jazz und Folk ein zufriedenes Lächeln in die Gesichter zu zaubern.

Augen zu und ab in die musikalische Traumwelt, aus der sich die Musikfans zumindest von den Lokalmatadoren Doug & Harry gern wieder herausholen lassen, die mit solide gespieltem Pop-Rock seit Jahren aus der regionalen Musikszene nicht mehr wegzudenken sind. Ob mit rotzigen Blueseinflüssen, poppig-eingängigen Harmonien oder Gänsehaut bringenden Träumereien, Douglas Arlt und Harald Fuchs treffen immer den richtig Ton, auch zum musikalischen Abschluss des diesjährigen Festivals. Auch wenn alle das Höllchen vermisst haben, bleibt am Ende die Gewissheit: Selbst am Erlegrill kann es lauschig und kuschelig sein, es müssen halt nur die richtigen Töne erklingen, und die natürlich ganz leise.

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