Immer wieder brenzlige Situationen

Trotz Verbot: Lastwagenfahrer fahren weiter durch Ehlen

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Verbotsschild wird von vielen Lkw-Fahrern ignoriert: Täglich rauschen Brummis auf der Breitenbacher Straße durch Ehlen, obwohl für sie die Passage seit Mitte Mai gesperrt ist. Darüber ärgern sich die Anwohner Horst Schotte (links) und Jürgen Kleinlein.

Die neuen Schilder stehen seit Mitte Mai an der Fahrbahn, geändert hat sich aber nichts. Nach wie vor brettern Lastwagen über die Breitenbacher Straße durch Ehlen.

Dabei ist die für Fahrzeuge, die schwerer als 7,5 Tonnen sind, zwischen dem Habichtswalder Ortsteil und Breitenbach gesperrt.

„Daran hält sich aber keiner“, sagt Horst Schotte, Anwohner der Breitenbacher Straße. Insbesondere, wenn sich der Verkehr wegen Unfällen oder Baustellen auf der A44 staut, weicht der Schwerverkehr über das Nadelöhr zwischen Breitenbach und Ehlen aus – oder in die entgegengesetzte Richtung, je nachdem, wo sich das Hindernis befindet. Ist die Straße in Ehlen verstopft, geht es auf Wirtschafts- und Feldwege. „Die Fahrer halten die Hupe gedrückt und zischen volles Programm durch. Da wird gerast, dass Steine und Staub hochfliegen“, sagt Jürgen Kleinlein, der genau wie sein Nachbar Horst Schotte, die Situation unerträglich findet.

Am Abend des 1. August hat Schotte innerhalb von 25 Minuten 14 Lkw fotografiert, die vor seinem Grundstück entlang rauschten. Die Fotos schickte er an den Ordnungsbehördenbezirk Habichtswald. Mehrfach habe er sich dort und auch bei der Polizei über den Zustand beklagt und Kontrollen gefordert. „Es passiert nichts“, sagt der 61-Jährige.

Beim Ordnungsamt in Dörnberg hat man Verständnis für den Ärger Horst Schottes und den seiner Nachbarn. Den Vorwurf, untätig zu sein, weist die Behörde allerdings entschieden zurück. „Wir versuchen, einmal pro Woche zu kontrollieren“, sagt Thore Bubenhagen. In den vergangenen vier Wochen habe es vier bis fünf Überprüfungen gegeben, bei denen Fahrzeuge erfasst wurden, die das Verbot ignorierten. Die Personaldecke lasse aber weder ganztägige Kontrollen zu, noch solche, bei denen die Lkw gestoppt und die Fahrer auf ihr Vergehen angesprochen werden. Hier sei man auf die Unterstützung der Polizei angewiesen.

Hinweise und Fotos ausgewertet

Die Hinweise und Fotos, die der Ordnungsbehördenbezirk von Zeugen und Anwohnern erhielte, werteten die Mitarbeiter aus. Auf Grundlage der Kennzeichen würden Verfahren gegen die Fahrzeugführer eingeleitet. „Seit die Schilder stehen, haben die Verfahren deutlich zugenommen“, sagt Bubenhagen.

Immer wieder komme es zu brenzligen Situationen, weil Lkw-Fahrer ihre Zeiten nicht im Stau verbringen wollten und glaubten, die auf ihren Navis angezeigte Alternativroute über Breitenbach und Ehlen zur nächsten Anschlussstelle der A44 habe für sie Vorteile, sagt Schotte, der selbst viele Jahre lang Lastwagen lenkte. Viele nutzten Navis für Pkw, denn jene für Lkw seien an die technischen Parameter des Fahrzeugs gekoppelt. „Und die würden den Fahrern dann sagen, dass bestimmte Strecken für sie tabu sind.“

Habichtswalds Bürgermeister Thomas Raue beschäftigt sich seit einiger Zeit mit dem Problem. Er hatte sich für eine Sperrung der Straße für Lkw ab 7,5 Tonnen eingesetzt. „Ich hatte auf eine spürbare Entlastung gehofft.“ Er kündigt nun an, die Kontrollen intensivieren zu wollen. Er wolle in der Angelegenheit mit der Polizei, aber auch mit der Nachbargemeinde Schauenburg reden. Die Polizei selbst sagt, dass Streifen ebenfalls den Bereich überprüften, erst Anfang der Woche hätten Beamte einen Lkw-Fahrer aus Tschechien zur Kasse geben, so eine Sprecherin der Wolfhager Polizei.

Für Schotte und Kleinlein ist es nur eine Frage der Zeit, bis Schlimmeres passiert. Erst am Morgen des 5. August hat es im Kreuzungsbereich von Breitenbacher Straße und Mühlenweg einen Unfall gegeben, bei dem eine Frau mit ihrem Auto unter einen Lastwagen geraten war, „ein Lkw, der da gar nicht fahren darf“, sagt Schotte.

Hintergrund: Schilder für neue Umleitung kommen frühestens Ende September

Im Falle von Staus gelten Bedarfsumleitungen. Auch wegen der Probleme auf der Landesstraße zwischen Ehlen und Breitenbach hat das RP Kassel Anfang des Jahres eine neue Umleitung angeordnet. Die soll nun nicht mehr über Ehlen, die B 251 und das Hohe Gras nach Kassel führen, sondern ab der Anschlussstelle Zierenberg über B 251, Istha, B 450, Martinhagen und Breitenbach in Richtung Kassel. „Die Anordnung ist bei uns im Haus“, sagt Carola Siebert von Hessen Mobil. Da bestimmte Vorgaben eingehalten werden müssen, mussten die Leistungen ausgeschrieben werden und konnten nicht von der Straßenmeisterei umgesetzt werden. Nun sei der Auftrag aber vergeben. Hessen Mobil rechnet mit einer Umsetzung der neuen Beschilderung für Ende September. Sobald die Schilder stehen, werde die Änderung der Bedarfsumleitung auch im Internet freigeschaltet.

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