Astronom Ralf Gerstheimer freut sich auf Treffen von Jupiter und Saturn

Weihnachtliches Himmelsspektakel im Fokus

Gut ausgestattet: Der Dörnberg Amateur-Astronom Ralf Gerstheimer in seiner privaten drehbaren Sternwarte, die er selbst in seinem Garten installiert hat.
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Gut ausgestattet: Der Dörnberg Amateur-Astronom Ralf Gerstheimer in seiner privaten drehbaren Sternwarte, die er selbst in seinem Garten installiert hat.

Am Montag stehen die beiden Planeten Jupiter und Saturn für kurze Zeit am Horizont ganz eng beieinander. Eine Konstellation, wie es sie auch um die Zeit von Jesu Geburt gab.

Dörnberg - Dieses Himmelsspektakel wird sich Ralf Gerstheimer nicht entgehen lassen. So oft kommen die beiden größten Planeten unseres Sonnensystems, Jupiter und Saturn, schließlich nicht in einer solchen Konstellation zusammen, dass es aussieht, als würden sie verschmelzen. Auffällig hell werden die beiden Gasriesen am Montag nach Einbruch der Dämmerung gemeinsam knapp über dem Horizont im Westen leuchten. Und mancher, der es sieht, wird dann so kurz vor Weihnachten an den Stern von Bethlehem denken, der, wie es der Evangelist Matthäus berichtet, bei Jesu Geburt den Weisen aus dem Morgenland den Weg zur Krippe gewiesen haben soll.

Erscheint jenes legendäre Gestirn ausgerechnet im Corona-Jahr wieder? Ralf Gerstheimer, der leidenschaftliche Amateur-Astronom aus Dörnberg, sieht die bevorstehende Planetenkonstellation mit wissenschaftlicher Nüchternheit. Sogenannten Konjunktionen von Planeten treten immer wieder auf, sagt er. Nachweislich sei das auch im Jahr 7 vor unserer Zeitrechnung der Fall gewesen. Damals kamen sich Jupiter und Saturn in kurzer Zeit gleich dreimal ganz nahe.

Für die Sternforscher oder besser Sterndeuter der damaligen Zeit war es sicher ein ganz außergewöhnliches Ereignis, das als Vorlage für die biblische Geschichte gedient haben könnte. „Die Astronomen damals waren schon gute Himmelsbeobachter“, sagt Gerstheimer, „die hatten die Planeten gut im Blick. Und wenn die sich nahe gekommen sind, dann hatte das in der Zeit, als Astronomie und Astrologie noch nicht getrennt waren, schon eine Bedeutung.“

Eigene Sternwarte

Als Sterndeuter sieht sich der 60-jährige Dörnberger nun gewiss nicht. Er ist ein begeisterter Fotograf himmlischer Motive. Und so möchte er auch das Ereignis am kommenden Montag ablichten. Nicht nur fürs Archiv oder für den „Datensarg“, wie er sagt, sondern vielleicht für seinen neuen Kalender mit selbstgeschossenen Bildern himmlischer Objekte.

Für solche Zwecke ist der gebürtige Schwabe bestens ausgerüstet. Im Garten des Eigenheims hat er sich eine eigene kleine, feine Sternwarte gebaut. Ausgestattet unter anderem mit zwei wuchtigen Teleskopen, die jeweils an eine Kamera angeschlossen sind. Die eine Optik hat eine Brennweite von 3,90 Meter, die andere, ein lichtstarkes Spiegelteleskop, eine Brennweite von einem Meter. Da kann man schon tief reinschauen in die unendlichen Weiten des Alls. Das Stelldichein der beiden Planeten am Montag, sagt der Mann, der von Haus aus eigentlich Diplom-Biologe und EDV-Fachmann ist, könne man aber auch ohne so großen technischen Aufwand betrachten. Selbst mit bloßem Auge.

Besser sei allerdings ein Fernglas, da könne man bereits die Jupitermonde sehen. Wer auch den Ring des Saturns erkennen möchte, müsse schon mit einem Glas mit 30-fachen Vergrößerung an den Start gehen.

Wenn es am Montag dämmert, wird es spannend. Das Planetenpaar wird gegen 17 Uhr im Westen etwas mehr als eine Handbreit über dem Horizont stehen und spätestens um 18.47 Uhr untergegangen sein. Ralf Gerstheimer wird seine elektrisch drehbare Sternwarte im Garten in Richtung Burghasunger Berg ausrichten.

Wetter muss stimmen

Von dort, dem einstigen Standort des Klosters Hasungen, oder vom Dörnberg wäre der Ausblick noch deutlich besser. Sofern das Wetter mitspielt. Mit klarem Himmel ist allerdings nicht zu rechnen, selbst die Hoffnung auf Wolkenlücken wird von den Wetterexperten nicht gerade befeuert. Aber wer weiß, sagt Gerstheimer, vielleicht reiße ja der Himmel doch im passenden Moment mal auf, sodass er sich mit der Kamera ein Bild als Trophäe sichern kann.

Rendezvous am Himmel: Die Konjunktion von Venus und Jupiter vor dem Zierenberger Bärenberg fotografierte Ralf Gerstheimer im Jahr 2015.

In der längsten Nacht des Jahres, nur drei Tage vor Heiligabend, ergäbe sich dann ein Blick auf eine Planetenkonstellation, wie sie sich auch um die Zeit von Jesu Geburt ereignet hat. Die scheinbare Verschmelzung von Jupiter und Saturn am Abendhimmel sei durchaus etwas Besonderes, erklärt der Dörnberger Amateur-Astronom. Mit Blick auf die Sterndeuter vergangener Jahrhunderte aber sagt er: „Geheimnisvoll ist das heute aber nicht mehr.“ Die beiden Planeten scheinen zwar zu verschmelzen, aber tatsächlich haben sie dabei einen Abstand von immer noch 717 Millionen Kilometern. Trotz aller wissenschaftlicher Erkenntnisse und Erklärungen haftet stellaren Ereignissen auch heute immer noch etwas Mystisches an. Das beobachtet auch Ralf Gerstheimer: „Wir hatten in diesem Jahr einen Kometen, Neowise, und bekamen prompt eine Pandemie.“ (Norbert Müller)

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