1. Startseite
  2. Lokales
  3. Wolfhagen
  4. Habichtswald

„Natürlich geht das Kindeswohl vor“: Zahme Krähe erhitzt Gemüter in Habichtswald

Erstellt:

Von: Bea Ricken

Kommentare

Freche Krähe: Rubin hat sich in die Herzen der Kinder eingeschlichen. Arne Winkler, der bereits einen Auswilderungsversuch mit dem Vogel unternommen hat, hofft, dass die Krähe selbstständig wird, wenn sie kein Futter mehr bekommt. Der Ehlener hat vor einiger Zeit erfolgreich einen Schwan trainiert, der beim Hundetraining aufdringlich wurde.
Freche Krähe: Rubin hat sich in die Herzen der Kinder eingeschlichen. Arne Winkler, der bereits einen Auswilderungsversuch mit dem Vogel unternommen hat, hofft, dass die Krähe selbstständig wird, wenn sie kein Futter mehr bekommt. Der Ehlener hat vor einiger Zeit erfolgreich einen Schwan trainiert, der beim Hundetraining aufdringlich wurde. © privat

Kinder lieben ihn, Erwachsene sind besorgt: Die zahme Krähe Rubin sorgt in Habichtswald für Wirbel. Die Kinder wollen dem Vogel helfen – die Gemeinde ergreift derweil Maßnahmen.

Habichtswald-Ehlen – Die einen lieben Rubin, die anderen halten ihn für eine Problem-Krähe: Der zahme Vogel lebt in Ehlen und zeigt wenig Scheu vor Menschen. Im Gegenteil, Rubin, wie ihn die Kinder der Gemeinde genannt haben, taucht an der Pizzeria auf, am Supermarkt, im Kindergarten und bettelt um Futter.

Weil Rufe laut wurden, den Vogel zu fangen oder gar zu schießen, haben die Kinder jetzt eine Petition zur Rettung von Rubin ins Leben gerufen. Michel, Anna und Sara haben diese zusammen mit anderen Kindern in der jüngsten Gemeindevertretersitzung abgegeben.

Zahme Krähe in Habichtswald: Rubin bettelt nach Futter

Krähe Rubin liebt Menschen, so viel ist sicher. Seit Tagen fliegt der Vogel in Ehlen die Supermärkte, Gaststätten, den Kindergarten, die Schule und private Gärten an, um dort Kontakt aufzunehmen. „Vermutlich ist er als Jungvogel von Menschen aufgepäppelt worden“, meint der Ehlener Hundetrainer Arne Winkler, der schon früher Kontakt mit Rubin aufnahm. Angefangen hatte die Geschichte nämlich vergangene Woche, als er einen Hilferuf aus Kassel-Harleshausen bekam.

Dort war Rubin aufgefallen, weil er aufdringlich um Futter gebettelt hatte. Kunden von Winkler baten ihn um Hilfe, weil dieser nicht nur gut mit Hunden kann, sondern auch schon Vögel trainiert hat.

Arne Winkler fuhr hin und entschloss sich, einen Auswilderungsversuch zu starten. Rubin ließ sich bereitwillig fangen. „Es war nicht klar, ob der Vogel wirklich fehlgeprägt ist“, so Winkler. Am Hohen Gras hatte er Krähenschwärme gesehen und entließ die Krähe dort in die Freiheit. In der Hoffnung, dass sie sich den anderen Vögeln anschließt.

Schwanflüsterer: Weil der Vogel das Training störte, hat Arne Winkler ihn ausgebildet.
Schwanflüsterer: Weil der Vogel das Training störte, hat Arne Winkler ihn ausgebildet. © privat

Habichtswald: Krähe Rubin bleibt lieber bei den Menschen

Dazu hatte Rubin aber offenbar keine Lust. Ausgerechnet in Ehlen tauchte er am nächsten Tag auf und blieb - bis heute. Aufregung gab es, als die Krähe auch auf dem Kindergarten-Spielplatz landete und die Kinder den Vogel fütterten. Dies erregte Unbill, weil er beim Schnappen nach Brot den Kinderhänden gefährlich nahekam.

Während die einen Rubin lieben, halten ihn die anderen seitdem für eine Problem-Krähe, und so wurden Rufe laut, das Tier zu erschießen oder zumindest einzusperren. Seitdem machen sich die Kinder große Sorgen um Rubin und haben in der jüngsten Habichtswalder Gemeindevertretersitzung eine Unterschriftenliste unter dem Motto „Freiheit für Rubin“ abgegeben.

Habichtswald: Zahme Krähe Rubin soll von der Kita ferngehalten werden

„Natürlich geht das Kindeswohl vor“, sagt der Habichtswalder Bürgermeister Dr. Daniel Faßhauer, aber dennoch will er die Kinder beruhigen: „Rubin wird keine Feder gekrümmt“. Man sei in engem Kontakt mit dem örtlichen Naturschutzbund und versuche jetzt mit verschiedenen Maßnahmen den Vogel auf Abstand zu halten. So dürfe er nicht mehr gefüttert werden und soll mit akustischen Signalen von der Kita ferngehalten werden.

Ob das gelingt, ist offen. Vielleicht lässt sich Krähe Rubin am Ende doch noch von Arne Winkler trainieren. Bei einem Schwan, der ebenso aufdringlich war und seinerzeit regelmäßig die Hundetrainings-Stunde in Ehlen störte, hat es jedenfalls geklappt. „Er wusste am Ende, dass er während der Übungsstunde auf dem Teich bleiben muss“, erinnert sich Winkler. Leider hatte diese Geschichte kein Happy End. Als der Teich im Winter zu fror, holte ihn der Fuchs. (Bea Ricken)

Weil Rufe laut wurden, den Vogel zu fangen oder gar zu schießen, haben die Kinder jetzt eine Petition zur Rettung von Rubin ins Leben gerufen. Michel, Anna und Sara, hier mit Raben-Handpuppe, haben diese zusammen mit anderen Kindern in der jüngsten Gemeindevertretersitzung abgegeben.
Weil Rufe laut wurden, den Vogel zu fangen oder gar zu schießen, haben die Kinder jetzt eine Petition zur Rettung von Rubin ins Leben gerufen. Michel, Anna und Sara, hier mit Raben-Handpuppe, haben diese zusammen mit anderen Kindern in der jüngsten Gemeindevertretersitzung abgegeben. © privat

Im vergangenen Jahr kam es in Habichtswald zu einem mysteriösen Vogelsterben. Krähen und eine Ringeltaube fielen damals tot von einem Dach.

Auch interessant

Kommentare