Bewohner versucht noch einige Habseligkeiten zu retten

„Zu glauben ist das nicht“: Nach dem Brand in Ehlen musste das Haus abgerissen werden

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War einsturzgefährdet: Nach den Löscharbeiten war das Fachwerkhaus an der Warmetalstraße nicht mehr zu retten.

Nach dem Brand in Ehlen musste das einsturzgefährdete Haus abgerissen werden. Der Hausbewohner hatte selbst noch vergeblich versucht, das im Dachboden ausgebrochene Feuer zu löschen.

Am Tag nach dem Brand steht Siegfried Heinrich im Habichtswalder Ortsteil Ehlen auf der anderen Straßenseite und muss zusehen, wie ein Bagger Stück für Stück das Haus abträgt, in dem er über 40 Jahre gewohnt hat. Verkohlte Balken, Zimmerpflanzen, sein Sofa und eine Puppe landen auf dem stetig wachsenden Schuttberg vor dem Haus. „Zu glauben ist das nicht“, sagt er.

Am Donnerstagmorgen hatte ein Nachbar Rauch bemerkt, die Feuerwehr alarmiert und Heinrich Bescheid gesagt, der daraufhin noch selbst versucht hatte, die Flammen in seiner Wohnung zu löschen – „vergeblich“, wie er sagt. Zu schnell habe sich das Feuer ausgebreitet, er aus dem Haus rausgemusst.

Haus in Ehlen nach Brand abgerissen - Statiker bescheinigt Einsturzgefahr

24 Stunden später muss das Fachwerkhaus an der Warmetalstraße bis auf den Sandsteinsockel abgetragen werden. Ein Statiker hatte zuvor festgestellt, dass das Gebäude einsturzgefährdet ist. „Es war alles durchweicht, da durfte keiner mehr rein“, sagt Arne Lengemann, Technischer Bauleiter bei der Firma Schnittger, die sich um den Abriss kümmert.

Einsatz mit der Drehleiter: Die Löscharbeiten dauerten mehrere Stunden.

Bereits seit dem Vortag ist ein Bagger der Firma im Einsatz. Nachdem festgestanden hatte, dass das Haus schon beim Löschen der Flammen nicht mehr betreten werden darf, musste mit dem Bagger zunächst das Dach abgetragen werden, um an den Brandherd zu gelangen. „Bis ein Uhr nachts haben wir das gemacht, erst danach konnte die Feuerwehr das Feuer endgültig löschen“, sagt Lengemann.

Abrissteam versuchte einige wichtige Unterlagen des Bewohners noch zu retten

Bis 5 Uhr morgens waren die Brandbekämpfer im Einsatz. Heinrich, den die Ehlener als einstigen Inhaber der Tankstelle an der Kasseler Straße kennen, hat bis kurz vor Mitternacht ausgeharrt und die Löscharbeiten beobachtet. Nun schaut er zu, wie die Bagger ihre Arbeit verrichten. Bauleiter Lengemann hat ihm gesagt, dass sie versuchen, an einige von Heinrichs Unterlagen aus einem Schrank im Wohnzimmer zu gelangen, wenn dies möglich ist.

Laut Polizei wurde der Brand durch einen technischen Defekt ausgelöst

Derweil haben Beamte des K11 der Kasseler Kriminalpolizei die Ermittlungen übernommen. Zwar dürfen auch sie das Haus nicht mehr betreten, die Polizei teilt aber mit, dass „nach bisherigen Ermittlungen Hinweise vorliegen, dass der Brand eine technische Ursache hatte“. Die Polizei schätzt den Schaden auf etwa 120 000 Euro.

Die Betroffenheit in Ehlen ist nach dem Brand groß

Immer wieder bleiben Anwohner stehen. Eine Frau hält sich schockiert die Hand vor den Mund, als sie zusieht, wie Balken um Balken abgetragen werden, vom etwa 100 Jahre alten Fachwerkgebäude immer weniger übrig bleibt. Einst hat hier der Bürgermeister gewohnt, viele Jahre hatte Heinrichs Frau im Erdgeschoss ihren Friseursalon. „Den hatte ich im ehemaligen Kuhstall selbst gebaut“, erinnert sich der Ehlener.

Für ihn geht es jetzt vor allem darum, noch einige Habseligkeiten zu retten. Darum steht er im Nieselregen bei vier Grad mit seiner Tochter und Freunden in den Trümmern, die der Bagger vorm Haus abgeladen hat und holt Fotos und Unterlagen aus den verkohlten und durchweichten Schränken und Schubladen. „Die Fotos und Videos sind das Wichtigste, sagt der Rentner, der bei seiner Tochter untergekommen ist. Auch seinen Reisepass braucht Heinrich, da er Ende November in den Urlaub fliegen will.

Feuer in Ehlen: Haus nicht mehr bewohnbar

Feuer in Ehlen
 © Antje Thon
Feuer in Ehlen
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Feuer in Ehlen
 © Theresa Lippe
Feuer in Ehlen
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Feuer in Ehlen
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Vier Verletzte und 300 000 Euro Schaden: Bilanz eines Feuers am Mittwochabend in einem Mehrfamilienhaus in der Northeimer Tschaikowskistraße.

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