Therapeutenmarkt ist leergefegt

Heilberufler sind am Limit: Patienten müssen ein dreiviertel Jahr auf Therapie warten

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In den Heilberufen Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie herrscht bundesweit massiver Therapeutenmangel. Dies zeigt sich auch im Wolfhager Land.

Während einer Studie des Bundesverbandes für Logopädie ist von 1000 befragten Therapeuten, die an der Erhebung teilnahmen, jeder vierte aus seinem Beruf ausgestiegen, fast die Hälfte denkt darüber nach. 

Für Patienten bedeutet die Situation lange Wartezeiten, die zum Teil dramatische Folgen haben können, weil sich Krankheitsbilder verschlechtern.

Auch im Wolfhager Land sind Wartezeiten von einem dreiviertel Jahr keine Seltenheit, sagt die Wolfhager Logopädin Iris Grabe.

Die Physiotherapeutin Simone Ise aus Wolfhagen arbeitet mittlerweile von morgens acht Uhr bis abends 20 Uhr, um den Patienten gerecht zu werden. „Ich suche händeringend Mitarbeiter“, sagte sie. Der Therapeutenmarkt sei komplett leer gefegt, weil der Beruf wegen schlechter Bezahlung und dem zu entrichtenden Schulgeld für junge Leute unattraktiv sei. Zwar gebe es durch die von Gesundheitsminister Jens Spahn initiierten Gesetzesnovelle inzwischen teilweise Schulgeldbefreiung, aber nicht überall. „Berufseinsteiger müssen bis zu 20 000 Euro aufbringen“, so Ise.

Schon im vergangenen Jahr verließ die Ergotherapeutin das Therapiezentrum Wolfhagen. Seitdem versuchen die Logopäden und Physiotherapeuten dort einen Kollegen aus diesem Bereich zu finden. Erfolglos.

Christine Donner, vom Bundesverband der Ergotherapeuten, sieht kurzfristig keine Änderung der Situation. Die politischen Verbesserungen liefen nur schleppend an. Zumindest seien zum 1. Juli die Preise für Heilmittelleistungen, die die Kassen zahlen, vereinheitlicht worden. „Dies ermöglicht im kommenden Jahr zumindest die Verhandlungen.“

Parallel steige die Zahl der Patienten durch den demografischen Wandel an.

Auch in der Stadt Kassel fehlt es an Therapeuten und Patienten müssen monatelang auf einen Termin warten.

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