Marktplatz: Heute noch große Handwerkskunst

Wenn Helmut Günter auf die Holzintarsienbilder zu sprechen kommt, die sein Haus in Bad Emstal schmücken, kommt er ins Schwärmen:

„Wenn es da heißt, dass die Kunst als menschliches Kulturprodukt das Ergebnis von kreativen Prozessen ist und sich dabei auf Wissen und Übung gründet, dann gehört die Tischlerei mit dieser Hochform der bildhaften Gestaltung mit Holz auch dazu!“

Über die Jahre hat der 72-Jährige Holzintarsienbilder gesammelt, die er auf Flohmärkten gefunden hat. Das erste Bild jedoch hat er von seinem Vater erhalten, der es in den 50er-Jahren in Tübingen erstanden hat. Der Zimmermann hat damals einen halben Monatslohn für das außergewöhnlich schöne Bild bezahlt.

Liebe zum Holz

Auch Helmut Günter ist gelernter Zimmermann, hat später Architektur studiert, bei der Stadtverwaltung Kassel gearbeitet und an der Berufsschule unterrichtet. Ihm ist die Liebe für das Material Holz und den fachgerechten Umgang damit deutlich anzumerken: „Es ist auch heute noch wirkliche Kunst, wenn das Auge des Künstlers mit der Vielfalt der Holzarten und deren Farben und Maserungen „spielt“ und somit ein Bild mit dem „Leben der Natur“ kreiert.“

Bildergalerie:

Marktplatz: Heute noch große Handwerkskunst

Die Techniken der optischen Veredelung von Böden und Wänden gab es schon bei alten Kulturen. Auch bei Möbeln, Gebrauchsgegenständen und später auch Bildern fand diese Art der Oberflächenveredelung ihre Anwendung. Wurde früher das Einlegematerial in Schichstärken um fünf Millimetern in das volle Holz eingepasst, so hat sich in den Jahrhunderten die eigentliche Furniertechnik entwickelt. Diese wird, aus dem Französischen kommend, „Marqueterie“ genannt. Ausschlaggebend waren nicht nur die fortschreitenden Handwerkstechniken des späten Mittelalters bis zu ihrer Hochblüte im Barock, sondern auch die Entwicklung der Werkzeug- und Maschinentechnik.

Die Art der Gestaltung sowie die Motivwahl entsprachen immer dem Zeitgeist, sodass die unterschiedlichsten Bilder entstanden sind. Helmut Günter hat seine Holzintarsienbilder thematisch sortiert. Während im Wohnzimmer zum Beispiel Landschaftsansichten hängen, schmücken Pflanzendarstellungen den Wintergarten, das letzte Abendmahl ist im Gästezimmer zu finden und Tiermotive sowie Akte entdeckt man in der Werkstatt. „Immer wenn ich in den Keller gehe, begebe ich mich auf eine Italienreise“, lacht der Sammler und zeigt die italienischen Motive, die das Treppenhaus schmücken.

Viele der Holzintarsienbilder waren in einem desolaten Zustand, als Helmut Günter sie gefunden hat. Der Fachmann hat sie vorsichtig restauriert, Furniere ausgetauscht, abgeschliffen und neu lackiert. „Wenn ich die einmal behandelt habe, sind sie top“, sagt der Rentner und ergänzt, dass die Bilder an sich keinen großen Pflegeaufwand benötigen.

Helmut Günter hofft, dass die Holzintarsienbilder in gute Hände kommen und einen wirklichen Liebhaber finden. „Die vom Hersteller und Meister eingehauchte „Seele“ sollte vom Betrachter Besitz ergreifen dürfen und damit seinen eigentlichen Wert vermitteln.“ Von Gitta Hoffmann

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