Auf historischen Spuren des Balhorner Brauhauses

Spuren der Geschichte: Harald Viereckt zeigt auf einem Balhorner Ortslageplan von 1890 das ehemalige Brauhaus (Nr. 77) mit späterer Erweiterung und rechts davon auf das einstige Spritzenhaus und die heute noch bestehende Gaststätte Reitze. Fotos:zih

Balhorn. Auch beim zweiten virtuellen Spaziergang durch das alte Balhorner Dorfbild mit dem Hobby-Heimatforscher Harald Viereckt drohte der Saal im DGH aus allen Nähten zu platzen.

Treffpunkt im Ort: Das um 1800 erbaute Gasthaus Reitze, als Hausnamen Zyll genannt.

Weit über 100 Besucher waren gekommen, um etwas über die Geschichte des ehemalige Brauhauses und das heute noch von Lothar Neumann geführte Gasthaus Reitze zu erfahren.

Balhorn erhielt im Jahr 1732 zusammen mit den Gemeinden Sand und Lohne vom Amt Gudensberg das Braurecht. Die Ersterwähnung eines Brauhauses im Besitz von Konrad Wingeler findet sich 1746. Der ließ 1803 eine neue Braustätte bauen, die 57 Jahre später von Konrad Fiedler erworben wurde. Er führte seit 1831 die benachbarte und heutige Gaststätte Reitze und braute in seinem neuen Domizil bis 1895 Balhorner Dunkelbier. 1895 kaufte Konrad Fiedler den Naumburger Weidelshof und verbrachte dort seinen Lebensabend.

In die Fiedlersche Gastronomenfamilie heiratete Cyriakus Albert aus Deute ein, abgeleitet vom Vornamen hat der Hausname Zylls heute noch Bestand. Alte Balhorner gehen jetzt zum Schoppen trinken nicht ins Gasthaus Reitze zu Lothar Neumann, sondern immer noch „zum Zyll“.

Nach dem frühen Tod von Cyriakus Albert heiratete seine Witwe 1905 einen Stephan Reitze.

In dem ehemaligen Brauhaus betrieb von 1946 bis 1968 die Bäckerei Karl Meyer ihr Handwerk, 1973 wurde das Gebäude und auch das direkt daneben liegende und 1862 erbaute Feuerwehr-Spritzenhaus abgerissen. Bestehen blieb dagegen das um 1800 erbaute Gasthaus Reitze, heute noch ein imposantes Fachwerkhaus. Das 1947 umgebaut und erweitert wurde.

Auf dem Grundstück stand früher schon ein Gebäude. Davon zeugen der noch heute erhaltene Keller mit einem Tonnengewölbe und aus dem Mittelalter stammende Fundamentsholzbalken.

Beim Spaziergang mit Viereckt waren die Besucher aber nicht nur Zuhörer, sondern wurden selbst ein Teil davon. Denn Harald Viereckt präsentierte jede Menge historische Fotoaufnahmen, die auch das gesellschaftliche Treiben im Gasthaus Reitze vor und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentierten.

Und da erkannten sich viele Besucher wieder, beziehungsweise fanden die Namen der Personen heraus, über die der Vortragende nicht verfügte. (zih)

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