Drei Erstwähler aus dem Wolfhager Land berichten

Erstwähler: "Hoffe, Politiker halten, was sie versprechen"

Wolfhager Land. Wenn am 6. März die Wähler zur Kommunalwahl ihre Stimme abgeben, stehen viele junge Menschen zum ersten Mal in ihrem Leben in der Wahlkabine. Darüber, wie man sich auf den Urnengang vorbereitet und ob junge Menschen wirklich politikverdrossen sind, haben wir mit drei Erstwählern gesprochen.

Dabei sind wir ganz unterschiedlichen Ansichten begegnet.

Der Zielstrebige

Überlegt noch: Daniel Bliferniz weiß noch nicht genau, wo er seine Kreuze auf dem Wahlzettel setzen wird. Er hat sich aber bereits über einige Parteien informiert. Fotos: Brück

Daniel Bliferniz aus Bad Emstal fühlt sich besonders von Themen angesprochen, die ihn emotional berühren. Derzeit beschäftigt ihn die Zukunft des Thermalbades in Sand. „Ich finde es wichtig zu partizipieren und seine Meinung zu vertreten“, sagt der 18-jährige Schüler.

Daher werde er am 6. März auf jeden Fall wählen gehen. Wie das Wahlrecht funktioniere habe er inzwischen auch gut verstanden. „Gerade in der Schule sind wir ausreichend auf die Wahl vorbereitet worden.“ Bliferniz hat sich aber auch über den Unterricht hinaus über die Politik in Bad Emstal informiert. Seine wichtigste Informationsquelle seien dabei die Flyer gewesen, die von den Parteien verteilt werden.

Dass Jugendliche besonders im Internet über Politik informiert werden, glaubt er nicht. „Da muss man aktiv nach Informationen suchen, die Flyer bekommt man in die Hand gedrückt.“ Über alle Parteien habe er sich aber nicht informiert. Stattdessen hat der zielstrebige Jungwähler nur die Parteien betrachtet, die er schon vorher interessant fand. „Wo ich meine Kreuze setze, weiß ich aber noch nicht genau.“

Der Neu-Interessierte

Viel gelesen: Valon Kadriv hat sich über alle Parteien auf dem Wahlzettel informiert.

Der 19-jährige Valon Kadriv aus Wolfhagen hat sich lange Zeit nur wenig über Politik informiert. „In der Schule haben wir zwar darüber geredet, aber in dem Alter hatte ich einfach andere Interessen“, sagt der Student. Das änderte sich aber vor ein paar Wochen: „Als der Wahlzettel kam, wurde mir bewusst, dass ich jetzt wählen darf und mich daher besser informieren sollte.“

Im Internet habe er die Wahlprogramme aller Parteien gelesen und wolle sich bis zur Wahl noch intensiver damit befassen. „Ich bin mir sicher, dass Politik weiter etwas erreichen kann und hoffe, dass sich die Politiker an ihre Versprechen halten.“

Den Wahlzettel habe er zunächst verwirrend gefunden, ihn aber dann doch verstanden. „Von den Kandidaten kenne ich aber niemanden, daher werde ich wohl einfach eine Partei ankreuzen“, sagt Kadriv. Die Kommunalwahlen hält er für wichtig, da sie die Bürger direkt betreffen. Im Freundeskreis werde aber selten über Politik gesprochen. „Ich habe mir auch vorgenommen, mehr Nachrichten zu lesen. Dann bin ich bei der nächsten Wahl besser vorbereitet.“

Der Kandidat

Will selbst gestalten: Daniel Rudenko kandidiert selbst bei den Kommunalwahlen, hält das aber für eine Seltenheit.

Daniel Rudenko aus Bad Emstal wird am 6. März nicht nur wählen gehen, sondern kandidiert selbst für den Kreistag und die Bürgerliste in seiner Heimatgemeinde. „Ich finde es wichtig sich zu engagieren und die Möglichkeit zu nutzen mitzugestalten“, sagt der 18-jährige Schüler. Seit zwei Jahren sei er daher bereits in einer Partei aktiv.

Aus seiner Sicht ist das eher eine Ausnahme: „Junge Menschen engagieren sich weniger in Parteien. Das heißt aber nicht, dass ihnen Politik egal ist.“ Das Interesse an Politik würde immer dann wachsen, wenn man selbst betroffen sei. Es sei daher gut, dass man in der Schule über Politik spreche, es müsste sich aber auch jeder noch darüber hinaus informieren.

Obwohl er selbst in diesem Alter politisch aktiv geworden ist, spricht sich Rudenko gegen ein Wahlrecht ab 16 Jahren aus. „Man ist aus meiner Sicht erst mit 18 Jahren wirklich erwachsen genug, um zu wählen.“ Für die anstehenden Kommunalwahlen rechnet Rudenko mit einer hohen Wahlbeteiligung unter den Erstwählern. Dabei glaubt er, dass auch Erstwähler in erster Linie über klassische Wege und nicht über das Internet erreicht werden. „Flyer verteilen ist einfach immer noch In“, sagt Rudenko.

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.