Mit Teamwork durch den Winter

Der Zierenberger Imker Joachim Dorr erklärt, wie Honigbienen überwintern

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Imker Joachim Dorr, Vorsitzender des Imkervereins Wolfhagen mit zwei seiner 17 Bienenstöcke, die in seinem Bienengarten in Zierenberg stehen.

Braun schwarz gestreift, 24 Kilometer pro Stunde schnell und knapp 13 Millimeter klein ist Deutschlands drittwichtigstes Nutztier: die Honigbiene.

Fehlende Nahrung und klirrende Kälte verlangen den pelzigen Insekten im Winter einiges ab.

„Die Bienen rücken eng zusammen und bilden eine sogenannte Wintertraube. Im Innersten sitzt die Königin, um sie herum ihr Volk aus 10 000 Winterbienen, allesamt weiblich“, erklärt Joachim Dorr, Vorsitzender des Imkervereins Wolfhagen. Im Teamwork halten die fleißigen Bienchen durch Muskelkontraktionen die Temperatur im Bienenstock auf 25 Grad. Dabei wechseln sich die Bienen aus dem warmen Inneren der Traube mit ihren Kolleginnen im kühlen Außenbereich ab.

Mit Teamwork kommen die Honigbienen durch die kalte Jahreszeit

Die einzige Funktion der Winterbienen, die bis zu sechs Monate alt werden können, bestehe darin, Königin und Larven durch den Winter zu bringen. Danach sterben sie und machen Platz für den Nachwuchs.

Zur Hochsaison umfasse so ein matriarchalischer Staat bis zu 50 000 Bienen. Das Leben der wenigen männlichen Bienen, den Drohnen, sei dabei gleichermaßen kurz und tragisch: „War der Hochzeitsflug erfolgreich, sterben sie direkt, haben sie keine Bienenkönigin gefunden, wird ihnen nach einer Weile die Rückkehr in den heimischen Bienenstock verwehrt und sie verhungern.“ Trotzdem haben alle nur eine Mission: Das Überleben von Volk und Nachkommen zu sichern.

Winterbienen im Bienenstock

Oxalsäurebehandlung gegen schädliche Milben

Auch der Imker trägt dazu bei, dass seine 17 Völker gut durch den Winter kommen: Zu Beginn der kalten Monate füttert Dörr seine Völker mit Zuckerrübensirup, das passiert in drei bis vier Etappen. Um gegen die schädliche Varroamilbe vorzugehen, die im Winter häufig zum Bienensterben führt, behandelt er seine Bienen im Dezember mit Oxalsäure. Dafür träufelt er die Flüssigkeit mit einer Spritze zwischen die Waben.

Die Honigbienen haben aber auch Feinde im Tierreich: „Spitzmäuse überwintern gerne in Bienenstöcken, denn dort ist es warm, und es gibt genügend Nahrung“, so Dorr. Dagegen schützt er seine Bienenkästen mit feinmaschigem Gitter. Auch Waschbären und Spechte bedienen sich gerne am Wintervorrat der Bienen. Joachim Dorr kontrolliert seine Bienenkästen mindestens jeden zweiten Tag. Dafür klopft er an und macht einen Hörtest: Reagieren die Bienen mit kurzem Summen, sei alles ok.

Auch im Winter gibt es für den Imker viel zu tun

„Auch im Winter gibt es einiges zu tun. Ich fülle meinen Honig ab, beschrifte die Gläser, repariere die Rähmchen und bringe neue Wachsmittelwände an.“ Seinen Honig verkauft der Rentner privat, aber zum Beispiel auch auf dem Wolfhager Adventsmarkt.

Nicht-Imker mit Garten können im Sommer bereits den Bienen Hilfestellung leisten, damit diese genügend Proviant für den Winter sammeln können: „Es gibt besondere Blühsamen-Mischungen, die man im Frühjahr sähen kann, auch Sonnenblumen und Astern sind zum Beispiel eine gute Nahrungsquelle für Bienen“, so Dorr.

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