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Anwohner sorgen sich und fürchten freilaufende Hunde - „Wir fühlen uns machtlos“

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Von: Monika Wüllner

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In Burghasungen hat der Besitzer einer Parzelle im Wald alte Autos zerlegt. Öl ist ausgelaufen und auf dem Gelände werden Huskies gehalten. Vor einem Jahr war das Gelände noch frei zugänglich, Bewohner befürchteten Gefahr in Verzug und schickten die
In Burghasungen hat der Besitzer einer Parzelle im Wald alte Autos zerlegt. Öl ist ausgelaufen und auf dem Gelände werden Huskies gehalten. © an Behörden weiter. Mittlerweile ist es eingezäunt. Fotos: privat

„Es reicht“, meinen Bürger in Burghasungen im Kreis Kassel. Vorgänge rund um eine Parzelle bereiten ihnen Sorgen. Die Behörden sind eingeschaltet.

Burghasungen – Drei Huskies und eine Parzelle im Wald sorgen in Burghasungen für Aufregung. Auf dem Grundstück nahe der Bergbühne werden offenbar Autos auseinandergebaut, Altöl sickert in den Boden, Unrat liegt herum. Drei Huskies gehören dem Parzellenbesitzer, der im Landkreis Kassel wohnt und die Hunde oft mehrere Tage alleine lässt. Einen Beißvorfall hat es bereits gegeben.

Die Hunde waren ausgebüxt und im Dorf herumgestreunert. Zuletzt wurden sie an der Kläranlage in Zierenberg in einem Zwinger untergebracht, wo sie von einem Freund des Parzellenbesitzers abgeholt wurden. Die Stadt Zierenberg hatte zuvor einen Hundeprofi eingeschaltet, um die Tiere einschätzen zu können.

Der angegriffene Hund in Burghasungen trug Bissverletzungen davon, die genäht werden mussten. „Es reicht. Wir haben auch schon Behörden eingeschaltet. Aber wir hören nichts weiter. Und uns macht das hier Angst. Wir können mit unseren eigenen Hunden nicht mehr vor die Tür. Und was dort auf dem Waldstück geschieht, hat sicher mit Umweltschutz nichts zu tun“, sagt ein besorgter Burghasunger. Durch das Herstellen der Öffentlichkeit hoffen die Bewohner nun, dass etwas geschieht.

Kreis Kassel: „Da kann man schon Angst bekommen“ - Anwohner in Burghasungen in Sorge

Die drei Hunde wurden offenbar schon als Welpen auf dem Waldstück gehalten. Manchmal seien die Tiere über längere Zeit sich selbst überlassen. Und wenn sie eine Möglichkeit fänden, würden sie aus ihrem Territorium, einem Zwinger, ausbrechen und durch den Ort streunern. „Da kann man schon Angst bekommen, wenn gleich drei so große Huskies auf einen zukommen, zumal sie oft sehr hungrig erscheinen“, so einer der Anwohner. Niemand möchte sich ausmalen, was noch passieren könnte.

Öl ist aus alten Autos gelaufen und im Waldboden versickert.
Öl ist aus alten Autos gelaufen und im Waldboden versickert. © Privat

Auf Nachfrage beim Landkreis Kassel heißt es: Es ist kein Tierschutzthema, aber es ist ein ordnungsbehördliches Thema. „Die Untere Naturschutzbehörde hält den Zustand auf der Waldparzelle für nicht genehmigungsfähig, weil eine Gefährdung für die Natur besteht“, so Kreissprecher Harald Kühlborn. Zum ersten Mal sei die Kreisverwaltung im März 2021 aktiv geworden. Was sich dort im Wald zeigte, sei alles illegal gewesen. Es gebe waldrechtliche und wasserrechtliche Bestimmungen, gegen die verstoßen worden seien. Doch der Eigentümer hatte seinen Wohnsitz gewechselt und war zunächst nicht erreichbar.

Erst im Mai kam ein Kontakt zustande. Bis Ende des Jahres 2021 wurde dem Pächter Zeit eingeräumt, das Gelände zu räumen. Im Januar 2022 zeigte sich, dass nichts geschehen war.

„Dann hätten wir eine kostenpflichtige Beseitigung angeordnet, wenn die Frist bis zum 15. April nicht eingehalten worden wäre. Wieder gab es eine neue Adresse, die Frist wurde bis zum 30. April verlängert. Dann habe sich der Pächter anwaltlich vertreten lassen. Gegen die Beseitigungsanordnung vom Kreis habe der Anwalt Widerspruch eingelegt.

Burghasungen im Kreis Kassel: Behörden sind eingeschaltet

„Wir haben alle rechtlichen Rahmenbedingungen genutzt“, so Kühlborn weiter. Der Vorfall werde beim Widerspruchsausschuss des Landkreises Kassel behandelt. Das werde aber vermutlich erst nach den Sommerferien sein. Danach habe der Pächter noch die Möglichkeit, gegen die Anordnung Klage einzureichen. Gegen einen Sofortvollzug könne er zudem eine einstweilige Verfügung erwirken. „Wir rechnen damit, dass es noch bis Herbst dauern könnte“, so Kühlborn. Natürlich sei das ein unbefriedigender Zustand. Dennoch seien rechtliche Wege einzuhalten. Und Konflikte zwischen Behörden und Privatpersonen mache der Kreis nicht automatisch öffentlich.

Auch ein Vertreter der Stadt Zierenberg erklärte, dass die Stadt direkt aktiv geworden und ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen sei. Die zuständigen Behörden seien eingeschaltet worden. Aber es seien die offiziellen Wege einzuhalten, auch wenn das zunächst für das Empfinden der Anwohner unbefriedigend sei. „Wir nehmen das ernst und haben den Vorfall an die Ordnungsbehörde und den Landkreis weitergegeben“, so der städtische Vertreter.

Die Waldparzelle dient offenbar als Abstellmöglichkeit. Auch eine Gasflasche wird dort neben alten Autos und anderen Gegenständen gelagert.
Die Waldparzelle dient offenbar als Abstellmöglichkeit. Auch eine Gasflasche wird dort neben alten Autos und anderen Gegenständen gelagert. © Privat

„Wir fühlen uns machtlos und machen uns einfach Sorgen“, sagen die Anwohner. Sie hoffen, dass die Tiere endlich gut unterkommen und versorgt werden und nicht noch größeren Schaden anrichten und, dass das Waldstück wieder das wird, was es einmal war: Ein Stück Natur auf einem Freizeitgrundstück direkt am Naturschutzgebiet in Burghasungen.

Der Besitzer der Parzelle hat auf Nachfrage der HNA ein emotionales Problem, die Hunde abzugeben. Einen Huskie möchte er gerne behalten, zwei möchte er abgeben. Aber die möchte er gut untergebracht wissen „ich hatte sie schon als Babys“, sagte der Besitzer, der die Tiere züchtet.

Kreis Kassel: Besitzer der Parzelle in Burghasungen äußert sich

Die Hunde seien während seines Urlaubs abgehauen, das stimme so. Sein Freund hatte die Versorgung übernommen und offenbar nicht gut genug aufgepasst, sodass die Tiere weglaufen konnten. Altöl sei nun nicht mehr auf dem Waldstück in abgestellten Autos vorhanden. Das sei vor eineinhalb Jahren gewesen, nun aber kein Thema mehr und es bestehe seiner Ansicht nach auch keine Gefahr mehr durch auslaufendes Öl.

Auch er sei daran interessiert, mit niemandem Stress zu haben und würde auch auf die Wünsche der Burghasunger eingehen wollen. Auch gegen einen Verkauf der Parzelle spreche nichts. Aber zunächst müsse er eine Lösung für die Hunde finden. Zudem seien die Autos zu schade, um sie „wegzuwerfen“, Garagen zu mieten sei zu teuer. Ohnehin sei es teuer, täglich nach Burghasungen zu fahren, um die Tiere zu versorgen. Doch drei Huskies könne er nicht in der Wohnung halten. Im Grunde nutze er das Grundstück provisorisch und wolle noch Pläne machen. Zeitnah wolle er ein Gespräch mit dem Zierenberger Bürgermeister suchen, versprach er am Telefon. (Monika Wüllner)

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