Kommunikation nur noch über Anwälte

Angst vor Lärm und Kot: Streit um Hundetrainingsplatz eskaliert

Befürchten Schlimmes, wenn die Hundeschule ihren vollen Betrieb aufnimmt: Britta Hoedt und Harald Hensel vor ihrem Haus und neben der Wiese, die als Trainingsplatz für die Hunde vorgesehen ist. Foto:  Norbert Müller

Istha. Der Isthaer Bauer Harald Hensel musste eine jahrzehntelang gepachtete Wiese abgeben - auf der jetzt eine Hundeschule einen Trainingsplatz einrichten will. Doch der Streit darum ist inzwischen eskaliert.

Freunde wird man wohl links und rechts der Schotterpiste am Turnplatz in Istha nicht mehr. Das Geschirr zwischen Nebenerwerbslandwirt Harald Hensel und der schräg gegenüber wohnenden Inhaberin einer Hundeschule ist zerschlagen, das Klima vergiftet. Man kommuniziert nur noch über Anwälte.

Dass es soweit kam, hat im Wesentlichen mit einer Wiese zu tun. Die 3133 Quadratmeter große Parzelle hatten die Hensels 43 Jahre in Pacht, sie grenzt auf der einen Seite an Hensels Wirtschaftsgebäude, auf der anderen Seite, nur durch einen Feldweg getrennt, an Hensels Eigenheim, das er im Jahr 2000 errichtete.

Vor gut einem Jahr wurde nun ein benachbartes Haus verkauft und mit ihm die dazugehörige Wiese. Damit nahm das Ungemach seinen Lauf. Denn bald erfuhren die Hensels, dass sie nicht nur auf die Grünfläche zu verzichten hatten, sondern dass die neue Bewohnerin des benachbarten Wohnhauses just auf der gerade verlorenen Fläche einen Trainingsplatz für ihre Hundeschule einzurichten plant.

Hensel und seine Lebensgefährtin Britta Hoedt befürchten Schlimmes, sobald die Schule, die noch auf die Genehmigung der Bauaufsicht des Landkreises Kassel wartet, ihren vollen Betrieb zwischen 10 und 19 Uhr aufnehmen wird: Lärmbelästigung vor allem durch die Vierbeiner – pro Kurs seien sechs Hundehalter mit ihren auszubildenden jungen Tieren zu erwarten – werde es geben, sagt Britta Hoedt, und das keine zehn Meter vom Haus entfernt. Dazu ein massiv erhöhtes Verkehrsaufkommen auf dem geschotterten Weg vor dem Haus, denn alle Kunden der Hundeschule reisten ja mit dem Auto an. Und: Probleme durch die abgestellten Fahrzeuge.

Schließlich sorge man sich massiv, weil die Hunde auch in die Feldgemarkung geführt würden und dort ihre Haufen machen würden. Die meisten Äcker dort gehören zu Hensels Hof, auf dem knapp 100 Schweine, zwei Pferde und zwei schottische Hochlandrinder gehalten werden. Die Rinderzucht sollte deutlich ausgebaut werden. Keime durch Hundekot im Futtermittel seinen zu befürchten. „Ich habe Angst, dass der Hof deswegen vor die Hunde geht“, sagt der 52-jährige Hensel.

Schon die ersten Kontakte zwischen den beiden Parteien führten zum Streit, der zunehmend eskalierte. Ein Rettungsversuch – Hensel bot zum Tausch eine, wie er sagt, rund 350 Meter entfernte, größere Grünfläche – sei ins Leere gegangen. Sieben Strafanzeigen seien inzwischen gegen die Nachbarn anhängig, sagt Hensels Lebensgefährtin, unter anderem wegen Beleidigung, Körperverletzung, Bedrohung.

Ob die Hundeschule nun tatsächlich wie befürchtet in Betrieb geht, hänge von der Entscheidung der Bauaufsicht des Landkreises ab. Die Signale von dort stehen auf Genehmigung. Landkreissprecher Harald Kühlborn bestätigte, dass durch die Inhaberin der Hundeschule von der Bauaufsicht geforderte Auflagen erfüllt worden seien. Nach einer Genehmigung habe Hensel die Möglichkeit zu einem sogenannten Drittwiderspruch. Der sei jedoch nur zulässig, wenn der Widersprechende „schwer und unerträglich betroffen ist“. Harald Hensel und Britta Hoedt erwarten genau das. Die Inhaberin der Hundeschule wollte sich öffentlich nicht äußern.

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