1. Startseite
  2. Lokales
  3. Wolfhagen

„Ich habe mich oft selbst vergessen“

Erstellt:

Von: Sascha Hoffmann

Kommentare

Um sich selbst und anderen zu helfen, hat Silke Schmidt eine Selbsthilfegruppe gegründet. Die Oberelsungerin hat seit vielen Jahren Depressionen. Eine ihrer wichtigsten Stützen ist neben der Familie ihr Hund Frieder.
Um sich selbst und anderen zu helfen, hat Silke Schmidt eine Selbsthilfegruppe gegründet. Die Oberelsungerin hat seit vielen Jahren Depressionen. Eine ihrer wichtigsten Stützen ist neben der Familie ihr Hund Frieder. © Sascha Hoffmann

Silke Schmidt aus Oberelsungen hat Depressionen und nun eine Selbsthilfegruppe gegründet.

Oberelsungen – In ihren schlimmsten Zeiten hat sie an Selbstmord gedacht. „Ich hatte das Fenster schon auf und wollte springen“, erinnert sich Silke Schmidt. Nur der Gedanke an ihre Familie habe sie abgehalten, der Mann, die zwei Kinder und die Mutter. „Ich habe mich gefragt, was ich ihnen damit antun würde, und das hat mich glücklicherweise auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.“

Die Oberelsungerin hat Depressionen, seit vielen Jahren schon, und das sei für sie so, als hätte sie „einen Fuß in der Depression, den anderen in der Realität“. Tiefschwarze Momente wie der am Fenster vergesse man so schnell nicht wieder, sagt die 56-Jährige und nutzt sie bis heute, um gar nicht erst wieder in eine akute Phase zu rutschen.

Mittlerweile habe sie ein feines Gespür dafür entwickelt und erkenne schnell, wenn die Depression wieder anklopft. Das könne in schwierigen Phasen sein, etwa wenn ein naher Angehöriger verstirbt oder andere einschneidende Ereignisse geschehen. „Ich kann unheimlich schlecht weinen“, sagt sie und vermutet hier eine der Ursachen für ihre Erkrankung. „Ich hatte immer das Gefühl, stark sein zu müssen, keine Schwäche zeigen zu dürfen, wer weiß, was das mit mir gemacht hat.“ Immer der Kummerkasten für andere, dabei sei sie selbst häufig auf der Strecke geblieben. „Ich habe mich oft selbst vergessen, genau das war mein Problem“, sagt die Oberelsungerin, die mittlerweile in diversen Therapiestunden gelernt hat, sich abzugrenzen und öfter „Nein“ zu sagen.

Tatsächlich wirkt Silke Schmidt heute ganz bei sich, wenn sie reflektiert und offen über ihre Erkrankung spricht. „Das ist mein großer Vorteil“, sagt sie und will genau das nutzen, um auch anderen Betroffenen zu helfen. Schmidt hat eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen und/oder Angsterkrankungen gegründet. „Immerhin verfüge ich über rund 15 Jahre Erfahrung, davon können doch auch andere profitieren“, sagt sie und hat kurzerhand einen Aufruf in den sozialen Netzwerken gestartet und den Gemeinderaum der Kirche für die wöchentlichen Treffen klargemacht.

„Zu meiner großen Freude ist die Gruppe schon gut angenommen worden, die ersten Betroffenen waren schon da“, sagt die Oberelsungerin, die in der Gruppe auch von all den Strategien berichten will, die sie in all den Jahren erarbeitet hat, um sich selbst aus den tiefsten Tiefen einer depressiven Phase herauszuholen kann. „Was mir geholfen hat, hilft vielleicht auch anderen“, sagt sie und macht keinen Hehl daraus, dass auch sie selbst von der Gruppe profitieren will. „Ich habe gemerkt, dass ich mit meinen Themen bei Nichtbetroffenen häufig auf Unverständnis stoße, weil sie einfach nicht verstehen können, was man in einer Depression durchmacht.“ So sei die Selbsthilfe auch für sie als kleiner Anker im Alltag gedacht, um sich „einfach mal sorglos austauschen zu können“.

Sie selbst habe schon gute Erfahrungen mit anderen Selbsthilfegruppen gemacht. „Unter Gleichgesinnten zu sein, tut einfach gut, da ist es nicht schlimm, den Allerwertesten nicht hochzubekommen, wenn das Leben mal wieder zur Last wird“, sagt sie und ist überzeugt: „In der Gemeinschaft fällt es leichter, die eigene Krankheit als Teil von sich selbst anzunehmen und zu akzeptieren.“ Eine wichtige Voraussetzung, damit im Idealfall künftig gar niemand erst an einen Sprung aus dem Fenster denken muss.

Info: Die Oberelsunger Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen und/oder Angsterkrankungen ist für alle offen. Die wöchentlichen Treffen finden immer montags um 19.30 Uhr im Gemeinderaum der evangelischen Kirche statt. Kontakt per Mail: silkefcb1234@gmail.com (Sascha Hoffmann)

Auch interessant

Kommentare