Katastrophale Zustände

Igelfund in Zierenberg: Arche ignorierte schon länger behördliches Verbot

Mehrfach gegen Auflagen verstoßen,l Igel unter schlimmen Bedingungen gehalten: Dies bewegt derzeit die gesamte Region.

Zierenberg. Die Zierenberger Igel-Arche steht seit Jahren in der Kritik. Nachdem der Betreiber mehrfach gegen Auflagen der Behörde verstoßen hatte, wurde ihm vom Veterinäramt des Landkreises Kassel im vergangenen Jahr verboten, Igel zu halten und zu betreuen.

Schon damals gab es zahlreiche Kritikpunkte: So konnte der Zierenberger keine Erlaubnis für seine Tätigkeit nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes vorweisen. Die tierärztliche Versorgung der Igel hielt das Veterinäramt für nicht gewährleistet, was sich nun bestätigt hat. Ein Dorn im Auge war dem Amt auch die dauerhafte Aufnahme von Igeln. Igel dürfen generell nur für die Dauer der Pflege aufgenommen werden. Danach gehörten sie, wie der Name Wildtier schon sage, wieder in die Natur, sagte eine Sprecherin seinerzeit.

Auch die vom Betreiber gewählte Zusatzbezeichnung „weltweite einzige Forschungsstation“ sei schlichtweg falsch. Es gebe für eine derartige Formulierung keinerlei wissenschaftliche Dissertationen. Vor der Schließung im Jahr 2016 hatten die Amtsärzte mehrfach Gespräche mit dem Mann, der seine Igel-Arche als Hospital und Forschungsstation bezeichnete. Seit fast zwanzig Jahren betrieb er das Projekt nach eigenen Angaben ehrenamtlich, finanziert durch Spenden.

Mit den Igeln besuchte der Igelflüsterer, wie er sich selbst nannte, Schulen in der Region oder lud zum Tag der offenen Tür in seinen Garten ein. Vor einigen Jahren nahm er am Maus-Türöffner-Tag der Sendung mit der Maus teil. Dabei konnten Besucher einen Blick hinter die Kulissen der Igel-Arche werfen. Rund 150 Igel lebten seinerzeit in der Arche, betreut von mehreren Helfern. Auch Patenschaften für einzelne Igel existierten.

Die vor ein paar Tagen beschlagnahmten Igel konnten zum Teil in der Natur ausgesetzt werden. Schwache, kranke und junge Tiere sind jetzt im Bad Arolser Tierheim Arche KaNaum untergebracht.

Kastatrophale Zustände.

Kommentar zur Igel-Arche 

Die ursprüngliche Motivation des Zierenberger Betreibers der Arche war sicherlich der Wunsch, Igeln zu helfen und sie zu schützen. Dieser Wunsch scheint außer Kontrolle geraten zu sein. Was die Mitarbeiter vom Veterinäramt jetzt in Zierenberg vorgefunden haben, hat mit Tierliebe nichts mehr zu tun: Hungernde, sterbende und vor sich hin vegetierende Igel, von denen die meisten nach draußen in die Natur statt ins Haus gehört hätten. 

Ein klassischer Fall von Animalhoarding also, dem Horten von Tieren, verwandt mit dem Messisyndrom, bei dem Gegenstände gesammelt werden. Damit einher geht in der Regel ein Realitätsverlust. Offenbar hat der Betreiber der Zierenberger Igel-Arche den katastrophalen Zustand seiner Tiere komplett ausgeblendet. 

Nun erwartet ihn zu Recht eine Anklage wegen Tierquälerei. Für Tierfreunde, die ihre Fund-Igel in der Vergangenheit in augenscheinlich professionelle Hände gegeben haben oder alle, die über Jahre die Igel-Arche finanziell unterstützt haben, eine bittere Nachricht.

Leider war die Igelarche in Zierenberg am Donnerstag und am heutigen Freitag bisher für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Informationen vom Veterinäramt und dem Tierheim, das die geretteten Igel übernommen hat, folgen noch heute.

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