Paar aus Zierenberg will in die Mongolei

Im umgebauten Camper geht es um die halbe Welt

Alles bereit für die große Reise: Wenn Claudia Metzger und Richard Schmidt in Rente sind, wollen sie mit ihrem selbst ausgebauten Transporter bis in die Mongolei fahren.
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Alles bereit für die große Reise: Wenn Claudia Metzger und Richard Schmidt in Rente sind, wollen sie mit ihrem selbst ausgebauten Transporter bis in die Mongolei fahren.

Zwei Menschen, ein Transporter, vier Monate und 8000 Kilometer: Das sind die Komponenten, die Claudia Metzger und Richard Schmidt aus Zierenberg schon seit Jahren im Kopf herumschwirren.

Die grobe Planung steht, und auch das Auto ist bereit. Jetzt wartet das Paar nur noch auf seine Rente, und dann soll sie losgehen, die große Reise. Das Ziel: die Mongolei.

Schon vor langer Zeit haben sich Metzger und Schmidt in den Kopf gesetzt, mal mit eigenem Wohnmobil die Welt zu bereisen. „Ich bin auf fliegende Weise schon auf der ganzen Welt gewesen“, sagt die ehemalige Flugbegleiterin, die ursprünglich aus Vellmar stammt und der Liebe wegen nach Zierenberg gezogen ist. Lange haben sie nach dem perfekten Gefährt gesucht, doch keins hat den Vorstellungen der beiden entsprochen – entweder war das Bett zu klein oder das Bad zu groß. Also hat sich das Paar kurzerhand entschlossen, das Wohnmobil ihrer Träume einfach selbst zu bauen.

Bei der Suche nach einem geeigneten Transporter war ein Detail besonders wichtig: der Allradantrieb. Denn der Weg in die Mongolei führe auch mal über Stock und Stein, so Metzger. Im Sommer 2019 hat das Paar dann in einem zehn Jahre alten weißen Mercedes-Sprinter, natürlich mit Allradantrieb, ihren Traum-Van gefunden. Für den Ausbau planten sie zwei Jahre ein, schließlich wollten sie alles selbst machen. Dann kam Corona, Metzger und Schmidt gerieten in Kurzarbeit und schwupps, war der Camper nach einem Jahr fertig.

Um ihre Vorstellungen in die Realität umzusetzen, hat die 57-Jährige zuerst ein Modell des Van aus Pappe angefertigt. Dann konnte es losgehen. Viele Materialien hatte das Paar auf ihrem großen Grundstück in Zierenberg noch rumliegen, Holz zum Beispiel. Daraus bauten sie dann Bett, Schränke und einen Tisch.

Manche Dinge mussten sie aber auch neu kaufen, wie die Solaranlage, die mit 5000 Euro das teuerste Teil an dem Camper ist, und die Kompost-Toilette für etwa 1000 Euro. Insgesamt hat das Paar rund 21 000 Euro in den Ausbau gesteckt – den gleichen Betrag, den sie auch für den Sprinter bezahlt haben. „Low budget“, also so günstig wie möglich, stand meistens im Vordergrund. Bei einigen, vor allem technischen Dingen, legte das Paar aber viel Wert auf Qualität, schließlich sollte der Van ja einiges aushalten auf seiner Reise um die Welt. Beim Design setzten sie auf Unauffälligkeit, um vor allem in der Natur nicht direkt sichtbar zu sein. „Wir wollten aussehen wie Handwerker, die niemandem etwas tun“, sagt Metzger.

Ursprünglich war die Idee, das Design im Stil eines Lieferdienstes aufzuziehen: „Metzgerei Schmidt“ als Zusammensetzung aus beiden Nachnamen. Da das aber in der Mongolei sowieso niemand verstehe, setzten sie stattdessen lieber auf Tarnung. „Die Baumfrösche“ heißt die fiktive Firma für Forst und Garten, die Telefonnummer stimmt jedoch. „Wenn mal jemand anruft und seine Apfelbäume geschnitten haben will, könnte Richard das auch machen“, sagt die 57-Jährige und lacht.

Kleinere Touren hat das Paar bereits hinter sich. Die seien wichtig, um alle Funktionen der Marke Eigenbau zu testen. Während der Bauphase waren Metzger und Schmidt zum Beispiel für ein langes Wochenende in Winterberg, um zu sehen, ob die Heizung funktioniert.

Geht doch mal etwas kaputt, sind beide handwerklich begabt, sodass sie das meiste selbst reparieren können. Schmidt ist außerdem gelernter Maschinenbau-Ingenieur und kann im Notfall auch den Keilriemen oder die Bremsen wechseln. „Es gab noch nie irgendein Problem, dass er nicht hätte reparieren können“, sagt die 57-Jährige. „Ohne so jemanden wäre der Traum wahrscheinlich in der Schublade der unerfüllten Abenteuerträume geblieben“, ergänzt sie.

Können sie sich einmal nicht selbst helfen, sind Metzger und Schmidt über die sozialen Netzwerke mit Gleichgesinnten auf der ganzen Welt verbunden. In der „Community der Van-Lifers“ helfe man sich untereinander, sagt Metzger. Auch Tipps für tolle Orte würden dort geteilt. Auf ihren Instagram-Account „sprinter4two“ können die Abenteuer des Paars verfolgt werden. (Lea-Sophie Mollus)

Genug Platz für zwei: Ihren Van hat sich das Paar genau nach seinen Wünschen gebaut.

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