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„Gefühlt wurden es immer mehr“: Immenhäuserin wird von Insekten angegriffen

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Von: Sascha Hoffmann

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Weil sie der Natur etwas Gutes tun wollte, erlebte eine Immenhäuserin einen echten Horror-Spaziergang. Sie wurde von einem Wespenschwarm zerstochen.

Immenhausen/Habichtswald – Die Gassirunde mit ihrem bretonischen Spaniel Vasco hatte sich Kerstin Dochow eigentlich anders vorgestellt. Wie so oft steuerte die 56-Jährige vergangene Woche das kleine Wäldchen oberhalb ihres Zuhauses in Immenhausen an. Doch anders als sonst, fand sie dort einen grünen Behälter für Gartenabfälle vor und ärgerte sich tierisch.

„Ich dachte, es hätte mal wieder jemand seinen Müll in der freien Natur entsorgt“, erinnert sich Dochow an den Moment, als sie mit einem beherzten Eingreifen eigentlich Gutes tun und den Sack zum Entsorgen mitnehmen wollte. Das wird sie noch lange bereuen, denn kaum hatte sie den vermeintlichen Abfall in der Hand, war sie auch schon von oben bis unten voller Wespen. „Ich konnte gar nicht so schnell reagieren, wie die Tiere sich auf mir ausgetobt haben, gefühlt wurden es immer mehr, sie haben von allen Seiten gestochen.“

Übersät mit Wespenstichen: Kerstin Dochow hat das „Massaker“ auf ihrem Rücken selbst
Übersät mit Wespenstichen: Kerstin Dochow hat das „Massaker“ auf ihrem Rücken selbst fotografiert. © Foto: Kerstin Dochow/Repro: zhf

Spaziergang wird zum Horror: Frau aus Immenhausen von Wespen zerstochen

Panik machte sich breit, Dochow fing an zu hyperventilieren und rettete sich zu nahe gelegenen Nachbarn, wo sie schließlich zusammenbrach. Mit dem herangeeilten Rettungswagen ging es ins Krankenhaus nach Hofgeismar. „Anfangs sah es gar nicht so schlimm aus, von ein paar Stichen an Hals, Dekolleté und Oberschenkeln war die Rede, die richtige Katastrophe habe ich erst zuhause entdeckt – ein regelrechtes Massaker auf dem Rücken und an den Seiten.“

Über 50 Stiche habe sie gezählt, um die Menge sei es ihr ab einem gewissen Punkt gar nicht mehr gegangen. „Es war einfach gruselig“, sagt die Immenhäuserin, die tagelang mit den Folgen zu kämpfen hatte, und das nur, weil irgendwer rücksichtslos ein Wespennest am Waldrand entsorgt hat.

Kerstin Dochow und Hund Vasco sind froh, dass sie die Wespenattacke überstanden haben. Besonders dankbar ist sie ihren Nachbarn Wolfgang und Margarete Thielmann, Herbert und Renate Schweinsberg sowie Petra Lybaert und Michael Köppe, die sich um sie gekümmert haben.
Kerstin Dochow und Hund Vasco sind froh, dass sie die Wespenattacke überstanden haben. Besonders dankbar ist sie ihren Nachbarn Wolfgang und Margarete Thielmann, Herbert und Renate Schweinsberg sowie Petra Lybaert und Michael Köppe, die sich um sie gekümmert haben. © Sascha Hoffmann

Immenhausen: Wespennester nicht einfach umsetzen – Entsorgung nur mit Lizenz

Dabei gibt es auch andere Mittel und Wege. Die Dörnbergerin Heidi Halberstadt hat auf ihrem Grundstück ebenfalls ein Nest entdeckt, das die Wespen im Dachgiebel ihrer Keltenhütte derart ungünstig gebaut hatten, dass dort anstehende Veranstaltungen zur Gefahr für sie selbst und die Teilnehmer ihrer Schafwoll-Kurse zu werden drohten. Halberstadt weiß, dass die Tiere unter Naturschutz stehen und ihre Nester keinesfalls eigenmächtig umgesetzt oder gar entsorgt werden dürfen.

Hierfür braucht es eine spezielle Lizenz, und die hat beispielsweise Klaus-Berndt Nickel vom Naumburger Hautflüglerzentrum Hummelwerkstatt. „Mit Wespennestern muss man sehr vorsichtig sein“, sagt Nickel, der im Garten von Heidi Halberstadt schnell Entwarnung gibt. Der filigrane Bau der Sächsischen Wespe, in dem geschätzte 200 Tiere gelebt haben, ist bereits am Absterben und mittlerweile so gut wie leer. Halberstadt habe mit ihren Untermietern Glück gehabt, die Sächsische Wespe nämlich sei eine der weniger aggressiven, ganz im Gegensatz zur Deutschen und Gemeinen Wespe.

Schild in Immenhausen warnt vor Wespennest

„Die haben wesentlich größere Nester, in denen weit über 1000 Wespen leben können“, so der Experte, der Nester grundsätzlich nur umsetzt, wenn eine Gefahr besteht und eine entsprechende Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde vorliegt.

Die Entsorgung im Wald, wie offenbar in Immenhausen geschehen, ist laut Nickel strafbar, was Kerstin Dochow allerdings auch nicht mehr weiterhilft. Immerhin habe ihr Horrorspaziergang dafür gesorgt, dass nun mit einem Schild vor der Gefahr gewarnt wird – auch sie und ihr bretonischer Spaniel Vasco werden die Stelle künftig meiden. (Sascha Hoffmann)

Wer es nur mit einzelnen Wespen zu tun hat, kann sich schnell weiterhelfen. Um die Plagegeister loszuwerden, gibt es einen Trick, der wirklich funktioniert – und den Tieren nicht schadet.

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