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Jedes vierte Fahrzeug fährt in Zierenberg innerorts zu schnell

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Von: Johannes Rützel

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Der Schnellste fuhr auf der Kasseler Straße mit 183 Kilometern pro Stunde nach Zierenberg hinein. Die Straße soll 2025 saniert werden, dann könnte eine Verkehrsberuhigung realisiert werden.
Der Schnellste fuhr auf der Kasseler Straße mit 183 Kilometern pro Stunde nach Zierenberg hinein. Die Straße soll 2025 saniert werden, dann könnte eine Verkehrsberuhigung realisiert werden. © Johannes Rützel

Die Stadt Zierenberg hat in Zierenberg, Burghasungen und Oberelsungen das Tempo von 1,2 Millionen Fahrzeugen gemessen. Die Stadt will aktiv werden.

Zierenberg – Die Akzeptanz von Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 50 und 30 Kilometer pro Stunde ist durchwachsen. Jedes Vierte von 1,2 Millionen gemessenen Fahrzeugen war innerhalb der Ortsteile Zierenbergs mehr als zehn Prozent zu schnell.

Von September 2021 bis August 2022 hatte die Stadt an den Ortseingängen von Zierenberg, Oberelsungen und Burghasungen Tempomessstationen aufgestellt. Auch vor Schulen, Kitas und Altenheimen wurden Fahrgeschwindigkeiten erhoben.

Trauriger Spitzenreiter: Ein Fahrzeug wurde mit 183 Kilometern pro Stunde gemessen, wo 50 erlaubt sind. Auch bei Tempo 30 wurde teilweise hemmungslos gerast: Vor der Grundschule in Zierenberg fuhr das schnellste Auto 92, vor der Kita in Oberelsungen 66 Kilometer pro Stunde.

Bürgermeister Zierenbergs will gegen Raser aktiv werden

„Vor der Grundschule, das geht gar nicht“, sagt Bürgermeister Rüdiger Germeroth zur Situation in der Neißer Straße. Dort prüft die Stadt bauliche Maßnahmen, um zum langsamen Fahren zu zwingen.

„Geschwindigkeitsüberschreitungen von etwa 25 Prozent der Autos in Tempo- 30-Zonen sind erwartbar, das ist schon Durchschnitt“, meint Alexander Ashauer, Leiter des Ordnungsamtsbezirks Habichtswald. Laut Polizeipräsidium ist überhöhte Geschwindigkeit eine der häufigsten Unfallursachen. Eine Polizeisprecherin erklärte, dass bei 65 Kilometern pro Stunde acht von zehn Fußgängern bei der Kollision mit einem Pkw sterben, während bei 50 Kilometern acht von zehn überleben. Deshalb kontrolliere die Polizei das Tempo vor allem an Fußgängerüberwegen, Bushaltestellen, Schulen, Kitas, Pflegeheimen und Kliniken, aber auch an Unfallschwerpunkten.

Das ist ganz im Sinne von Rüdiger Germeroth. Der Bürgermeister will kritische Punkte schützen und dort Blitzgeräte aufstellen lassen. „Man kriegt die Verkehrssünder über das Geld. Ich denke, das hält die Leute vom Rasen ab“, sagt er. Die Tempo-Messtafeln würden außerdem den Fahrern den Spiegel vorhalten und zur Verkehrserziehung beitragen.

Ordnungsamt: Blitzer bei Tempo 50 lösen erst ab 59 km/h aus

Bei Tempo 50, rechnet Alexander Ashauer vor, löst der Blitzer aber erst bei 59 Kilometern pro Stunde aus. Denn fünf Kilometer pro Stunde gelten als geringfügige Überschreitung, die nicht verfolgt wird, und drei Kilometer pro Stunde werden als Messtoleranz abgezogen. Bauliche Veränderungen an den Ortseingängen – zum Beispiel Verkehrsinseln, Verengungen oder Schikanen – stehen in Zierenberg laut dem Bürgermeister noch nicht zur Debatte. Allerdings soll die Kasseler Straße 2025 saniert werden. Dann gäbe es dort die Möglichkeit, den Verkehr durch Hindernisse zu verlangsamen.

Hessen Mobil, Polizei und Straßenverkehrsbehörde könnten zur Verkehrsschau in Zierenberg zusammenkommen

Die anstehende gemeinsame Planung wäre eine Gelegenheit, sich gemeinsam mit der Straßenverkehrsbehörde und der Polizei auch die Situation am Ortseingang anzusehen, erklärt Marco Lingemann von Hessen Mobil. Der Vorteil einer Verschwenkung mit Fahrbahnteiler sei, dass Fahrerinnen und Fahrer gezwungen seien, den Fuß vom Gas zu nehmen. Allerdings müsse die Fahrbahn mindestens 3,75 Meter breit bleiben und eventuell auch Grundstücke erworben werden, damit genug Platz ist.

Die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises sieht die Verantwortung zur Entscheidung derzeit bei Zierenberg. Den Bedarf für Verkehrsberuhigung müsse die Gemeinde beim Straßenbaulastträger – in dem Fall Hessen Mobil – anmelden, sagte Kreissprecherin Alia Shuhaiber. Die Gemeinde müsse dann aber auch die Kosten für ihre Wünsche tragen. (Johannes Rützel)

Auch woanders wird gerast und die Geschwindigkeit kontrolliert: Im Kasseler Steinweg wurden bei erlaubten 30 km/h im Jahr 2022 9000 Autofahrer geblitzt.

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