Neues Gesetz sorgt für Aufregung

Kassenbeleg-Pflicht ab Januar 2020: Bäcker fürchten Bon-Irrsinn

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Lauter Bons: Der Zentralverband des Bäckerhandwerks hat ausgerechnet, dass pro Jahr bis zu fünf Milliarden überflüssige Papierbons entstehen – symbolisch hier im Bild gezeigt von Susanne Becker.

Die Kassenbon-Pflicht ab kommendem Jahr sorgt für Unmut. Für jeden noch so kleinen Kauf müssen Einzelhändler künftig einen Beleg ausdrucken.

Vor allem kleine Läden ärgern sich über diese Regelung, die gegen Steuerbetrug helfen soll. Sie fürchten Berge von unnötigem Müll.

Auch die Bäckerei Oliev mit Sitz in Sand und mehreren Filialen in der Region ist verpflichtet, künftig alle Bons auszudrucken. Mitarbeiterin Madlen Reß hat eine klare Meinung: „Das ist einfach nur unnötiger Papiermüll. Es ist schade, dass uns noch nicht einmal die Wahl bleibt, den Kunden zu fragen, ob er einen Bon möchte oder nicht.“

Vor allem in Bäckereien ist die Aufregung groß, weil auch für ein einzelnes Brötchen ein Bon gedruckt werden muss. Die Kunden sind laut Finanzministerium aber nicht verpflichtet, den Kassenzettel mitzunehmen. Der Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks schätzt, dass pro Jahr bis zu fünf Milliarden überflüssige Bons zusammenkommen.

Sämtliche Bons ausdrucken zu müssen, bedeutet für die Geschäfte im Einzelhandel erhebliche Mehrkosten: Es müssen neue Kassensysteme angeschafft werden und jede Menge Papier auf Lager vorhanden sein. Für Tatjana Funk, Mitarbeiterin der Fleischerei Wassmuth aus Wolfhagen, ist die Bon-Pflicht nichts Neues, ärgerlich sei sie trotzdem. „Wir geben bereits bei jedem Verkauf einen Bon mit. Im Gegenzug versuchen wir, weniger Plastikmüll zu produzieren und bitten die Kunden, Stofftaschen mitzubringen.“ Für Margot Galuschka, Inhaberin von „Handarbeiten und Wolle“ aus Wolfhagen, hat das neue Gesetz zumindest keinen Nachteil: „Ich hatte sowieso geplant, eine neue Kasse zu kaufen. Nun ist es eben an eine Vorschrift gebunden.“ Dennoch hält Galuschka das Gesetz für unnötig. Vor allem, weil „meine Kunden meist gar keinen Bon haben wollen“.

Wenn sich Geschäfte nicht an die Belegpflicht halten, müssen sie zunächst nicht mit Strafen rechnen. Allerdings nehmen Steuerprüfer fehlende Belege eventuell als Indiz für einen Verstoß, heißt es auf der Internetseite des Bundesministeriums für Finanzen.

Bons gehören nicht ins Altpapier

Kassenbons werden meist auf Thermopapier gedruckt, das mit der Chemikalie Bisphenol A beschichtet ist. Deshalb sollten sie nicht im Altpapier, sondern im Restmüll entsorgt werden. Landen die Kassenzettel im Altpapier, kann der Stoff über recycelte Produkte in die Umwelt gelangen. Bisphenol A ist hormonell wirksam und kann laut Umweltamt die Fortpflanzungsfähigkeit von Lebewesen beeinträchtigen. Nach Kontakt mit Thermopapier sollte man sich daher die Hände waschen.

Von Cora Zinn

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