Kindern fehlt Impfschutz: Entwicklung in der Region macht Gesundheitsamt Sorgen

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Eine Ärztin impft eine Patientin.

In Hessen sind nach einer Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) nur noch 28,1 Prozent der Kleinkinder vollständig geimpft – so wenig wie in keinem anderen Bundesland.

Mehr als zwei Drittel der im Jahr 2016 geborenen Kinder haben bis zu ihrem zweiten Geburtstag nicht alle Impfungen erhalten, die die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt. 3,2 Prozent der Kinder sind gar nicht geimpft.

Ein besorgniserregender Trend, den das Gesundheitsamt Region Kassel für die Stadt und den Landkreis bestätigen kann. „Anhand der neusten Zahlen zeichnet sich seit dem Jahr 2016 eine deutlich zunehmende Impfmüdigkeit ab“, sagt Regine Bresler, Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendgesundheit. Grundlage ist die Auswertung der Impfbücher bei den Schuleingangsuntersuchungen. Erschreckend sei, dass es sich nicht nur um Masern oder Polio handele, sondern auch um die Basisimpfungen wie Diphtherie, Tetanus und Pertussis (DTP). Bei DTP sank die Impfquote in der Stadt von 93,4 Prozent in 2016 auf 87,2 Prozent im Jahr 2018. Im Landkreis rutschte die Quote in diesem Zeitraum von 95,5 auf 91,8 Prozent. Polio sank in der Stadt von 93,2 Prozent (95,0 Prozent Landkreis) in 2016 auf 86,7 Prozent im vergangenen Jahr (91,6 Prozent Landkreis).

Regine Bresler, Gesundheitsamt Region Kassel

Masern, Mumps und Röteln (MMR) war ohnehin schon auf einem niedrigen Niveau. Die Quote sank von 89,8 in der Stadt (94,6 Prozent Kreis) auf 87,7 Prozent (93,0 Prozent Landkreis).

Über die Ursachen kann Regine Bresler noch nichts sagen: „Das wäre reine Spekulation.“ Derzeit lägen nur die Rohdaten vor, die jetzt ausgewertet werden müssten. Dabei werde dann auf Wohnort, Geschlecht und Migrationshintergrund geschaut.

Wenn Impfungen fehlten, sei es nicht nur um den Eigenschutz, wie zum Beispiel bei Tetanus, schlecht bestellt, sondern es gehe auch um die Gemeinschaft. Gerade bei Masern sei der sogenannte Herdenschutz nötig, um nicht geimpfte Säuglinge zu schützen. Nach Auswertung der Daten müsse man gezielt neue Strategien gegen die Impfmüdigkeit entwickeln, sagt Bresler.

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