Kirche mit Festen und Konzerten: Bründerser setzen mutige Ideen bei der Sanierung um

+
Viel Platz ist in der Bründerser Kirche ohne Mobiliar. Auch nach der Sanierung soll diese Großzügigkeit durch verschiebbare Bänke erhalten bleiben. In den vergangenen Wochen wurden Fliesen verlegt.

Die Kirche kämpft gegen Mitgliederschwund, der Altersdurchschnitt der Gottesdienstbesucher steigt. In Bründersen wird man daher kreativ. Dort soll die Kirche künftig multifunktional genutzt werden.

Wie kann angesichts dieser Entwicklung Kirche der Zukunft aussehen und wieder näher zu den Menschen rücken? Wie muss sich der Kirchenraum verändern? Mit dieser Frage beschäftigten sich Pfarrer Wolfgang Hanske und der Bründerser Kirchenvorstand im Vorfeld der laufenden Kirchensanierung und trafen mutige Entscheidungen. So wird die Bründerser Kirche derzeit zu einem multifunktionalen Gebäude umgestaltet, in dem nicht nur Gottesdienste stattfinden sollen, sondern auch Feste, Konzerte und Begegnungen der Dorfbewohner. „Es war durch das starre Raumkonzept sehr eng und nicht barrieregerecht“, so Pfarrer Hanske. Deshalb gibt es künftig mobile Bänke, die nach Bedarf sogar komplett an den Rand geschoben werden können und einen großzügigen Kirchenraum eröffnen. Der unebene und stolperträchtige Steinfußboden wurde entfernt und durch Fliesen ersetzt.

Überwindung kostete dem Kirchenvorstand die Entscheidung, den alten steinernen Altar durch einen mobilen aus Holz zu ersetzen. „Nur so ist der Altarraum auch für Konzerte nutzbar“, erklärt Hanske. Der alte Altar wird künftig im Kirchgarten stehen und dort bei Gottesdiensten im Freien eingesetzt. Beinahe hätten die Bründerser auch noch eine Mini-Küchenzeile in der Kirche eingebaut, denn auch das gemeinsame Essen und Trinken soll künftig größeren Stellenwert haben. Die Kirche soll auch für Menschen offen sein, die aus der Kirche ausgetreten sind. Selbst Beerdigungen und Hochzeiten von Nicht-Kirchenmitgliedern sind möglich.

Bei den Umbaumaßnahmen ist Kreativität angesagt, weil das Geld knapp ist. 95 000 Euro kostet das Projekt, das zum Großteil vom Kirchenkreis finanziert wird. 20 000 Euro müssen die Bründerser selbst aufbringen. Deshalb sollen demnächst in Eigenleistung die Wände gereinigt und gestrichen werden. Pfarrer Hanske rechnet damit, dass die Kirche im Frühling wieder genutzt werden kann. 

Alternative zum Gemeindehaus

In Bründersen gibt es kein Gemeindehaus. Durch das neue Raumkonzept können nun nach der Sanierung auch andere Veranstaltungen in der Kirche stattfinden. Perspektivisch würden die Bründerser gern den Chorraum mit einer verschiebbaren Glaswand ausstatten, damit dort Chorproben und Sitzungen stattfinden können, ohne das die komplette Kirche geheizt werden muss. Dafür hatte das Geld nicht mehr gereicht.

Minigolf in der Kathedrale

Kirchen multifunktional zu nutzen wie künftig in Bründersen ist keine neue Idee. Manche Kirchenverwaltungen motivieren sogar zu solchen Konzepten.

So schreibt die Evangelische Kirche von Westfalen in einem Ratgeber: „Grundsätzlich kann alles in einem Kirchraum stattfinden, was auch im alltäglichen Leben vor Gott verantwortet werden kann.

Unter dieser Voraussetzung kann ein weiter Bereich der Lebenskultur in ein Kirchengebäude einbezogen werden und seine Nutzung mitbestimmen: bildende Kunst, Theater, Tanz, Feiern, Gespräche, politische Diskussionen, Essen, Trinken, kommunikative Treffen, diakonische Aktivitäten und Kontemplation.“

Die Westfälische Kirche rät bei der Mehrfachnutzung auch zu einem Küchenbereich beziehungsweise die Einrichtung eines Cafés und schlägt vor, die Kirche auch für nichtkirchliche Konzerte, wie etwa Vorträge und Ausstellungen oder zu öffentliche Zwecken wie Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen, Umwelt- und Arbeitsloseninitiativen zu öffnen.

Bei einem Kongress in Hannover ging es darum, wie sich Kirche in Zukunft mitten im Lebensumfeld der Menschen entwickeln kann. Zum Beispiel als Kletterkirche, Caféthrale, Escape-Room oder Aktionen wie Kirche im Tattoostudio.

Noch abenteuerlicher und kurioser ging es in England zu. Anglikanische Gemeinden boten schon einen Minigolf-Parcours und eine Jahrmarktrutsche an und stellten ein Dinosaurier-Skelett im Altarraum aus, um Menschen in die Kirchen zu locken. Allerdings sorgte der Minigolf-Parcours, der über den Sommer in der Kathedrale von Rochester aufgebaut war, für Kritik und Diskussionen.

Die Idee der Initiatoren dahinter: „Die Menschen sollen, während sie Minigolf spielen, über die Brücken nachdenken, die in ihrem eigenen Leben und in unserer heutigen Welt gebaut werden müssen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.