137 Jahre altes Protokollbuch 

Kleiner Schatz im alten Tresor: Erste Darlehenskasse in Oberelsungen 

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Stolz auf Vergangenheit und Gegenwart: Die beiden Vorstände der Raiffeisenbank HessenNord, Martin Thöne und Frank Möller (von links), präsentieren in der Wolfhager Zentrale das Oberelsunger Protokollbuch vor dem Oberelsunger Tresor aus dem Jahr 1798. 

Wolfhagen. Wohlstand war auch in den Städten und Dörfern des Wolfhager Landes in der Mitte des 19. Jahrhunderts nur wenigen vergönnt.

Verbreitet in der Landbevölkerung war dagegen Armut und Not. Hier setzte der am 30. März 1818 in Hamm geborene Friedrich Wilhelm Raiffeisen mit seinem Genossenschaftsmodell zur Unterstützung der meist mittellosen Landwirte an. Die von Raiffeisen initiierten Spar- und Darlehenskassen setzten sich im späten 19. Jahrhundert auch zunehmend im Wolfhager Land durch. Ein solcher Verein nach den Vorschlägen Raiffeisens schien eine gute Möglichkeit zu sein, die Not zu lindern.

Der erste Darlehenskassen-Verein zwischen Warme und kleiner Elbe wurde in Oberelsungen gegründet. Nach dem Motto: „Was einer nicht schafft, das schaffen viele“, ergriff Bürgermeister Friedrich Gerhardt die Initiative. 1881 entstand der „Oberelsunger Darlehn-Kassen-Verein“. 

Mit vier weiteren Vereinsvorstehern und neun Verwaltungsratsmitgliedern fand am 8. Februar 1881 die erste Generalversammlung statt.

Diese Sitzung ist, wie viele folgende auch, bestens dokumentiert, denn als die Raiffeisengeschäftsstelle in Oberelsungen 2008 geräumt wurde, fand man das seit der ersten Versammlung geführte „Protocoll-Buch“.

137 Jahre alt: Das Oberelsunger Protokollbuch dokumentiert den Beginn der Raiffeisen-Kassen im Wolfhager Land. Foto:  Raiffeisenbank HessenNord

 Frank Möller, Vorstand der inzwischen als Raiffeisenbank HessenNord firmierenden Genossenschaft mit Sitz in Wolfhagen, kann sich noch gut erinnern, wie das Buch gefunden wurde. In der alten Geschäftsstelle befand sich auch noch ein Tresor aus dem Jahr 1798. 

Ein Schmuckstück, das man ungern zurücklassen wollte. Als Ausstellungsstück sollte er nach Wolfhagen wechseln. 

Hinter der schweren Tür lag das Protokollbuch, die Buchdeckel schon etwas lose, die Blätter an den Rändern ein wenig abgegriffen. Aber die handschriftlich verfassten Texte aller Sitzungen bis zum Jahr 1962 sind noch bestens zu lesen.

Das Buch wird heute gemeinsam mit weiteren Erinnerungsstücken aus der langen Geschichte der Raiffeisenbank in der Region in der Vorstandsetage der Wolfhager Zentrale aufbewahrt.

 In Wolfhagen selbst gründete sich ein Darlehenskassenverein erst 1897, ein Jahr später wurde er aber schon wieder liquidiert, ehe im Januar 1920 dann eine erneute Gründung erfolgte. 

In den Dörfern der Umgebung war man wesentlich schneller. Im März 1881 war beispielsweise Ehlen an der Reihe, 1889 folgten Bründersen, Dörnberg, Martinhagen, Niederelsungen, Nothfelden und Ippinghausen.

 Ab den 1960er-Jahren taten sich immer mehr Darlehenskassen in der Nachbarschaft zusammen, verschmolzen und gingen letztlich in der Raiffeisenbank Wolfhagen auf, die wiederum 2016 mit der Raiffeisenbank Calden zur Raiffeisenbank HessenNord fusionierte.

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