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Klosterspiele Merxhausen feiern Premiere mit Michel aus Lönneberga

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Von: Ursula Neubauer

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Zwei Generationen von Michel-Darstellern: Holger Deutsch (Mitte) präsentiert Daniel Minkel (links) als derzeitigen Michel und Sascha Merkel (rechts) als Michel vor 29 Jahren.
Zwei Generationen von Michel-Darstellern: Holger Deutsch (Mitte) präsentiert Daniel Minkel (links) als derzeitigen Michel und Sascha Merkel (rechts) als Michel vor 29 Jahren. © Ursula Neubauer

Theaterstück nach an der Vorlage von Astrid Lindgren.

Merxhausen – Dass es in den Michel-Geschichten der schwedischen Autorin Astrid Lindgren nicht nur um Streiche eines kleinen Jungen geht, machte Holger Deutsch, stellvertretender Vorsitzender der Klosterspiele Merxhausen, gleich bei der Begrüßung des Publikums bei der Premiere des Stückes „Michel in der Suppenschüssel“ klar. Michel sei zwar ein Lausebengel, habe aber mit seinen Streichen nie anderen schaden wollen, man solle nur genau hinschauen, vor allem die Eltern, meinte Holger Deutsch.

Nach den Grußworten der Schirmherrin der Klosterspiele, Susanne Selbert, und des Bad Emstaler Bürgermeisters Stefan Frankfurth bot sich den kleinen und großen Zuschauern auf der Freilichtbühne das Bild einer Dorfidylle in Schweden Ende des 19. Jahrhunderts.

Die erweiterte Familie Svensson auf dem Hof Katthult in Lönneberga sitzt beim Mittagessen: Krösa Maja sorgt sich um die Kobolde oder Außerirdischen, Magd Lina um die Verlobung mit Knecht Alfred, Vater Anton um die Kosten, Klein-Ida um einen Jahrmarktsbesuch, Michel um sein Spielzeuggewehr und Mutter Alma um das Essen. Eine ganz normale Familie, die jedoch gleich durch Michels ersten Streich aufgeschreckt wird. Nur weil er noch Hunger hat, stülpt er sich die Suppenschüssel über den Kopf und die bleibt stecken.

Die Szene ist so bekannt, dass schon viele Zuschauer vorher aufstöhnen oder lachen. Die Regie (Lars Früchtenicht und Ehefrau Stefanie) hat sich überhaupt sehr an die Vorlage von Astrid Lindgren gehalten. Dadurch entsteht bei manchen Szenen mehr Spannung, weil die meisten Zuschauer ein Vorwissen haben und erwartungsvoll auf die Szene warten. Als weiteres dramaturgisches Mittel setzten sie eine Erzählerin ein.

Andrea Fink als Krösa Maja gibt jeweils zu Beginn der drei Akte eine Vorschau, während die Darsteller auf der Bühne hinter ihr sozusagen „einfrieren“. Dabei steht sie außerhalb des eigentlichen Geschehens und gibt auch Kommentare zu Michel ab: „Er hat nur Flausen im Kopf, aber er meint es nicht böse!“ Dieser Satz zieht sich durch das ganze Stück.

Michels Streiche entstehen durch Neugier, Unkenntnis oder falsche Einschätzungen oder weil er anderen einen Gefallen tun wollte. Doch zum Schluss ist Michel der strahlende Held, der mit Köpfchen und Einsatz den Dieb überlistet hat.

Daniel Minkel spielt den Michel mit überzeugender Unbekümmertheit. Überhaupt sind alle Rollen gut besetzt. Wenn man bedenkt, dass das Team nur neun Wochen Vorbereitungszeit hatte und mit vielen coronabedingten Ausfällen zu kämpfen hatte, dann ist der Premiere-Abend sehr gut gelungen.

Am professionellsten wirkt Werner Schwager in seiner Rolle als Vater Anton. Das Tempo wird von Akt zu Akt gesteigert und entlädt sich bei der Jahrmarktszene zum Showdown im letzten Akt. Plötzlich geht alles Schlag auf Schlag: Sprechen, Singen, Tanzen, Raufen und das mit allen Facetten der Gefühle herüberbringen. Den dreiundzwanzig Darstellern auf der Bühne wird einiges abverlangt und sie schlagen sich bis auf einige Versprecher und Mikroausfälle tapfer. Und es sind auch hier wieder die Kinder, diesmal bei den Zuschauern, die mitgehen und am liebsten auf die Bühne gesprungen wären. Ein großes Kompliment für alle Laiendarsteller, Handwerker, Techniker und andere Helfer für eine lebendige, lustige und sehr liebenswerte Aufführung eines Familienstückes aus einer anderen Welt. (Ursula Neubauer)

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