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Kölner Teller zum Entschleunigen in Naumburg

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Von: Norbert Müller

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Mathematisches Rätsel? Die Beschilderung vor den Bremsschwellern hinter der Kurve mit der Bezeichnung „2 x mal“ regt unbeabsichtigt zum Nachdenken an.
Mathematisches Rätsel? Die Beschilderung vor den Bremsschwellern hinter der Kurve mit der Bezeichnung „2 x mal“ regt unbeabsichtigt zum Nachdenken an. © Müller, Norbert

Stadt Naumburg klebt auf illegale Abkürzungsstrecke Hindernisse.

Naumburg – Das Verkehrsschild kann einen schon zum Grübeln bringen: „2 x mal“ steht da auf einer schmalen Tafel in Naumburg im Bereich der Straße Auf dem Lehgen zwischen dem dreieckigen Hinweis, dass es gleich auf der Piste uneben wird und dem runden Schild, dass eine Geschwindigkeit von maximal 20 km/h vorgibt. Ein Schreibfehler kann es kaum sein, keine 50 Meter weiter findet sich die gleiche Schilderkombination für den Gegenverkehr mit derselben Aufschrift.

In diesem Bereich gehe es ganz klar um mehr Sicherheit für die Anwohner, um eine Reduzierung auf dem unteren Abschnitt für Naumburgs beliebte Abkürzung zwischen der Netzer Straße und dem südlichen Ortseingang Naumburgs, erklärt Hauptamtsleiter Thomas Fingerling.

Der Mann der Stadtverwaltung sagt, man habe vor und nach der Maßnahme zum Entschleunigen des Durchgangsverkehrs, der die gut 900 Meter lange Asphaltstrecke eigentlich gar nicht benutzen dürfte, mit den Anwohnern gesprochen, aus deren Reihen übrigens die Bitte für die Beruhigung gekommen sei.

„Wir haben nur Zufriedenheit gehört“, sagt Fingerling, der dann aber auch auf den wesentlichen Grund für das rapide gesunkene Tempo auf den letzten Metern vor der Einmündung in die Fritzlarer Straße hinweist: Die zwischen den Schilderbäumen auf der Straße angebrachten Kölner Teller.

Bei besagtem Kölner Teller handelt es sich nicht um eine kulinarische Spezialität, sondern um ein erwiesen wirksames Mittel zur Verkehrsberuhigung aus Aluminiumguss mit genoppter Oberfläche. 30 Zentimeter Durchmesser hat ein solcher Teller, sechs Zentimeter ist er an der Spitze der Wölbung hoch und zweieinhalb Kilo ist ein solches Ding schwer. Versetzt und in Zweierreihe sind jeweils neun der Teller mit dem Asphalt verbunden. Mitarbeiter des Bauhofs haben die Teile mit dem dazugehörigen Spezialkleber unverrückbar mit der Piste verbunden. Selbst wer mit den erlaubten 20 km/h über die Silberlinge hoppelt, wird es kein zweites Mal so schnell tun, sofern ihm am Fahrwerk seines Vehikels etwas liegt. Zum Wegesrand ist genügend Platz gelassen worden, damit Radler, Rollstuhlfahrer und Kinderwagenschieber die Stelle mit den kreisrunden Bremsschwellen ohne Rumpeln passieren können.

Als „recht krass“ beschreibt Tim Heitmann die Situation vor der Montage der Alu-Beulen. Der 31-Jährige wohnt mit seiner Frau und den beiden eineinhalb und sechs Jahre alten Kindern direkt auf Höhe einer der beiden geklebten Doppelreihen. Von der Haustür bis zur Straße sind es gerade mal drei Meter. Am Wochenende und in den Ferien gehe es hier verkehrsmäßig so richtig zur Sache. Dann locke der Edersee, der über die Netzer Straße angefahren wird.

Die erreicht man vorschriftsmäßig, indem man die mit 2,1 Kilometer deutlich längere Schleife durch die Innenstadt macht und dann noch den steilen Anstieg über die Burgstraße nimmt.

Beliebter bei den vom südlichen Ortseingang anreisenden Kraftfahrern beziehungsweise jenen, die von Netze kommend in der Gegenrichtung unterwegs sind, ist aber der asphaltierte Feldweg, der nur für Landwirtschaft und Anlieger freigegeben ist. Eine defensive Fahrweise, die wegen der geringen Breite der Straße und auch der beiden Kurven im Bereich der Wohnhäuser angebracht wäre, sei in der Vergangenheit überhaupt nicht angesagt gewesen, sagt Tim Heitmann. Bis die Teller kamen.

„Den Unterschied merkt man deutlich“, lautet die erste Bilanz von Heitmann. „Wir sind zufrieden“, sagt der junge Familienvater. „Wir hatten uns gar nicht dafür eingesetzt und profitieren jetzt am meisten.“ Hauptamtsleiter Fingerling gönnt das den Heitmanns, denn auch die übrigen Anwohner kämen ja in den Genuss der Beruhigung. Das seltsame Verkehrsschild hält er auch für nicht ganz gelungen. „2 x“ hätte ausgereicht, um anzuzeigen, dass nach dem Schild zwei Mal Reihen mit Hindernissen warten. (Norbert Müller)

Zeigen Wirkung: die Kölner Teller aus Aluguss auf dem asphaltierten Weg, der am Haus von Tim Heitmann (rechts) vorbeiführt und gerne illegal und mit zu hohem Tempo als Abkürzung benutzt wird.
Zeigen Wirkung: die Kölner Teller aus Aluguss auf dem asphaltierten Weg, der am Haus von Tim Heitmann (rechts) vorbeiführt und gerne illegal und mit zu hohem Tempo als Abkürzung benutzt wird. © Norbert Müller

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