Giftig, invasiv, unerwünscht

Kommunen und Behörden gehen gegen Herkulesstaude vor

Heidi Weber vom Bauamt der Gemeinde Habichtswald kümmert sich um die gefährlichen Herkulesstauden.
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 Im Juni und Juli ist Blütezeit, dann zeigt die Pflanze ihre großen, weißen Doldenblüten: Heidi Weber vom Bauamt der Gemeinde Habichtswald kümmert sich um die gefährlichen Herkulesstauden.

Man kann sie mit Fug und Recht als „Problempflanze“ bezeichnen – die Herkulesstaude. Sie breitet sich rasant an den Rändern von Straßen und Bächen im Wolfhager Land aus.

Das Gewächs, welches auch als Riesen-Bärenklau bekannt ist, ist hochgradig giftig, daher müssen Hessen Mobil und die Kommunen im Landkreis dafür sorgen, dass der Sonntagsspaziergang oder das tägliche Gassigehen nicht zur Gesundheitsgefährdung werden.

Bei der Bekämpfung gilt es, vor der Blüte gegen die Pflanzen vorzugehen. Denn wenn sich eine Dolde erst einmal geöffnet hat, setzt sie viele Tausend Samen frei. Diese schwimmen und verbreiten sich daher vor allem entlang von Gewässern und Überschwemmungsgebieten, aber auch durch Verwirbelungen an Straßen oder Bahngleisen.

Hessen Mobil kümmert sich um Stauden am Straßenrand

„Wir sind im Wolfhager Land natürlich in erster Linie dafür zuständig, dass die Straßenränder ordentlich gemäht sind, um eine gute Sicht zu garantieren“, erklärt Marco Lingemann, Sprecher von Hessen Mobil, zuständig für den Landkreis Kassel.

Die Beseitigung der Herkulesstaude sei für die Behörde kein spezieller Fall, sie würde einfach bei den üblichen Mäharbeiten den Maschinen zum Opfer fallen. „Beschwerden, oder einen expliziten Auftrag, das Gewächs zu entfernen, hatten wir in diesem Jahr noch nicht“, so Lingemann.

Wolfhagen hat Situation „gut im Griff“

Auch Stephan Schmidt, Naturschutzbeauftragter der Stadt Wolfhagen erklärt, dass er die Situation „gut im Griff“ habe. „Ich bin die bekannten Stellen zwar noch nicht abgefahren, allerdings wissen wir seit über einem Jahrzehnt von der Gefahr“, so Schmidt. Besonders auffällig seien die Orte Istha und Nothfelden. „An manchen Stellen nimmt die Population auch wieder ab, an wieder anderen taucht sie plötzlich auf“, erklärt der Naturschutzbeauftragte.

In der Gemeinde Breuna haben Bauamt und Landwirte das tückische Gewächs im Blick. Bei Sichtung kümmert sich entweder der Landwirt selbst, oder das Bauamt um die rechtzeitige Entsorgung. Ein aktueller Fall liegt der Verwaltung der Gemeinde zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht vor.

Pflanze löst Verbrennungen und Atemnot aus

Der Saft der Herkulesstaude löst auf der Haut starke Rötungen bis hin zu sehr schmerzhaften Verbrennungen mit Blasen oder schwere allergische Reaktionen aus, warnt der Naturschutzbund NABU. Kinder und Menschen mit empfindlicher Haut seien besonders gefährdet. Das Tückischste: Der Saft kann auch durch die Kleidung dringen und die Reaktion zeigt sich in der Regel nicht sofort. Auch die eingeatmeten Dämpfe des Giftes können Übelkeit und Atemnot auslösen. 

Gemeinde Habichtswald bekämpft Herkulesstaude

Die Herkules-staude ist wie in vielen Teilen Hessens auch in der Gemeinde Habichtswald auf dem Vormarsch. Der Riesen-Bärenklau, wie die Pflanze auch genannt wird, wird zwischen zwei und vier Metern hoch und birgt für Menschen gesundheitliche Gefahren. Der Pflanzensaft kann in Kombination mit Sonnenlicht zu verbrennungsähnlichen Verletzungen der Haut führen. Auch deshalb macht man sich bei der Gemeinde Gedanken, wie die Ausbreitung des im 19. Jahrhundert aus dem Kaukasus nach Europa eingeschleppten Gewächses unterbunden werden kann.

Der Bauhof ist in den vergangenen Tagen mehrfach ausgerückt, um an verschiedenen Stellen die Staude zu vernichten. Ein massives Vorkommen befindet sich im Südosten von Dörnberg. Weitere einzelne Exemplare haben die Mitarbeiter des Bauhofs bereits bei Ehlen an der Warme und am Laubach am Ortsausgang von Dörnberg gefunden, die zwischenzeitlich alle beseitigt wurden. „Bei der Warme sehen wir uns klar in der Verantwortung gegenüber den Nachbarn am Unterlauf des Baches“, sagt Heidi Weber vom Bauamt der Gemeinde Habichtswald. Denn die Samen der Pflanze behalten nicht nur für viele Jahre ihre Keimfähigkeit, sie sind auch ausgezeichnete Schwimmer. Ein Grund, weshalb der botanische Fremdling mit Vorliebe an Gewässern Fuß fasst.

Beim Versuch, dem Riesen-Bärenklau Herr zu werden, komme es zunächst darauf an, eine Ausbreitung der Samen zu verhindern, sagt Weber. Daher müssen die Blütendolden vom Stängel getrennt werden, bevor sich ihre bis zu 50 000 Samen verteilen können. Während der Arbeit, die aufgrund der photosensibiliserenden Substanzen der Pflanze an bedeckten Tagen vorgenommen werden sollten, tragen die Bauhofmitarbeiter Schutzkleidung. Nachdem sie die Blüte entfernt haben, stechen sie den Rest der Pflanze tief an der Pfahlwurzel ab. Dass die Herkulesstaude nichts für die Biotonne ist, versteht sich von selbst. „Die Dolden müssen über den Hausmüll entsorgt werden.“ Wer sich unsicher sei, solle die Bekämpfung Fachkundigen überlassen.

Landwirte beseitigen Pflanzen meist selbst

Der Riesen-Bärenklau liebt zwar Ufer und Überschwemmungsgebiete, er kommt aber auch mit anderen Lebensräumen zurecht. Erst in dieser Woche hat Weber auf der Wiese eines Bauern stattliche Stauden entdeckt. „Wir setzen uns dann mit dem Landwirt in Verbindung und bitten ihn, die Pflanzen zu beseitigen.“ Die meisten Landwirte würden da auch nicht lange zögern, sie seien sich des Problems bewusst.

Nur wenige Meter von der Wiese entfernt befindet sich eine rekultivierte Müllkippe, wo es ebenfalls ein Vorkommen gegeben hat, das von den Gemeindearbeitern vernichtet wurde. Der Bauhof setzt beim Entfernen der Herkulesstaude auf Gartenschere und Spaten. Zudem kann an Orten intensiv gemäht werden, an denen die Pflanze vorkommt. Nach Angaben von Weber würde auch ein Beweiden von Flächen mit Kühen und Ziegen zum Erfolg führen.

Kontakt: Wer Riesen-Bärenklau entdeckt, kann dies Heidi Weber im Bauamt der Gemeinde Habichtswald melden, 05606/599615, heidi.weber@habichtswald.de. Eigentümer von Privatgrundstücken können sich ebenfalls melden und sich informieren.

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