Krankenhäuser kämpfen gegen tödliche Keime

So sieht er aus: Eine Ärztin zeigt in einer Petrischale den gefährlichen Krankenhaus-Erreger MRSA. In Wolfhagen und Hofgeismar werden alle Risikopatienten darauf untersucht. Archivfoto:nh

Wolfhagen. Als erstes Krankenhaus in Hessen hat sich das Kasseler Marienkrankenhaus entschieden, künftig alle Patienten auf multiresistente Keime zu untersuchen. Ab September soll bei jeder Aufnahme eines Erkrankten ein Abstrich gemacht werden.

Dadurch erhofft sich das Marienkrankenhaus, die Ausbreitung der Erreger innerhalb der Klinik zu verhindern.

„In den Kreisklinken Hofgeismar und Wolfhagen werden die Patienten gemäß den Empfehlungen des Robert Koch Instituts (RKI) auf MRSA untersucht“, sagt Katrin Löbel, die als Fachkraft für Krankenhaushygiene für beide Häuser zuständig ist. Konkret bedeutet dies: Bei allen Patienten, bei denen einer oder mehrere vom RKI festgelegte Risikofaktoren vorliegen, wird ein Abstrich aus Nase oder Rachen (oder gegebenfalls von der Wunde) entnommen. Zu den Risikofaktoren zählen beispielsweise der vorherige Nachweis von MRSA, Kontakt zu einem MRSA-Träger, längere Krankenhausaufenthalte, Tätigkeit in der Landwirtschaft, Unterbringung in einem Pflegeheim oder das Vorliegen chronischer Wunden.

Patienten mit bekanntem MRSA oder erstmaligem Nachweis von MRSA werden während ihres Krankenhausaufenthalts räumlich getrennt von anderen Patienten untergebracht. „Für alle Patienten gelten die in Krankenhäusern vorgeschriebenen Hygienevorschriften, zudem werden die Patienten in die Händehygiene eingewiesen“, erklärt Löbel.

Zusätzlich zur Fachkraft für Krankenhaushygiene gibt es in den Kreiskliniken hygienebeauftragte Ärzte und Pflegekräfte, die speziell geschult wurden.

Die Kreiskliniken sind zudem Mitglied im regionalen MRE-Netzwerk (MRE-Netzwerk Nord- und Osthessen).

In Vorbereitung ist in den Kreiskliniken Wolfhagen und Hofgeismar derzeit ein Screening auf einen weiteren multiresistenten Erreger bei Risikopatienten: MRGN (multiresistente gramnegative Stäbchenbakterien).

MRGN gilt als noch gefährlichere Zeitbombe in stationären und ambulanten Gesundheitseinrichtungen als MRSA. Bereits zwei Drittel der Todesfälle, die in Zusammenhang mit Infektionen im Krankenhaus auftreten, sind auf MRGN zurückzuführen.

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