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Der Kreis Kassel erwartet mehr Flüchtlinge und sucht Unterkünfte

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Von: Bea Ricken

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Die größte Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises Kassel ist die Pommernanlage bei Wolfhagen. Archi
Die größte Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises Kassel ist die Pommernanlage bei Wolfhagen. (Archivbild) © Bea Ricken

Die Zahl der Geflüchteten steigt. Der Kreis ändert wegen Unterbringungsengpässen jetzt die Regeln. Ukrainer müssen sich zuerst an die Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen wenden.

Kreis Kassel – Der Landkreis Kassel rechnet mit Blick auf die aktuelle Situation in der Ukraine und auf der Balkanroute in den kommenden Wochen mit steigenden Flüchtlingszahlen. Um eine Verschärfung der Engpässe bei der Unterbringung und Betreuung der Menschen zu verhindern, hat der Kreis jetzt das Aufnahmeverfahren umgestellt: Geflüchtete aus der Ukraine, die beim Landkreis Kassel vorsprechen, werden an die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen in Gießen verwiesen. Das erklärt Vizelandrätin Silke Engler.

Über die Erstaufnahme werden die Geflüchteten nach einem bestimmten Schlüssel auf die Städte und Landkreise verteilt. Bisher konnten Kriegsgeflüchtete aus der Ukraine Tag und Nacht die Notunterkunft des Landkreises Kassel aufsuchen, um sich dort registrieren zu lassen.

Der Landkreis Kassel hat bis jetzt in Hessen die meisten Ukrainer aufgenommen

Im Landkreis Kassel wurden seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine – gemessen an den Einwohnerzahlen – deutlich mehr Ukrainer aufgenommen, als in anderen hessischen Kommunen und Landkreisen. „Wir waren der letzte Landkreis, der wohnungslose Ukraine-Geflüchtete direkt aufgenommen hat“, so Engler. Ende September 2022 waren 7454 geflüchtete Menschen im Landkreis Kassel gemeldet. Seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine wurden 4278 Geflüchtete im Landkreis Kassel registriert.

Das neue Aufnahmeverfahren habe den Vorteil, dass alle Geflüchteten vor der Zuweisung gesundheitlich untersucht worden sind. „Das ist für die Unterbringung in unseren Gemeinschaftsunterkünften wichtig, weil die Ukraine zum Beispiel zu den Hochrisikoländern für multiresistente Tuberkulose zählt“, so die Vizelandrätin.

Durch die Umstellung des Aufnahmeverfahrens wird die Registrierungsstelle in der Albert-Einstein-Straße in Fuldabrück-Bergshausen nicht mehr im vollen Umfang genutzt. Personen, die dem Landkreis Kassel über die Erstaufnahmeeinrichtung mittwochs zugewiesen wurden, werden am Donnerstagvormittag in der Albert-Einstein-Straße registriert.

Seit Februar kommen 4-mal mehr Flüchtlinge an als davor

Auch wenn das Aufnahmeverfahren für Geflüchtete beim Landkreis Kassel geändert wurde, so kommen weiter regelmäßig Geflüchtete in der Region an. „Derzeit sind es 60 Geflüchtete pro Woche, also 240 Menschen pro Monat“, erklärt Vizelandrätin Silke Engler. Zum Vergleich: Vor Beginn des russischen Angriffskriegs nahm der Landkreis Kassel etwa 60 Geflüchtete pro Monat auf.

Neben den Menschen aus der Ukraine erreichen auch wieder vermehrt Asylsuchende aus anderen Nationen den Landkreis Kassel, die meisten aus Afghanistan, Syrien und aus dem Iran – Tendenz steigend. Insgesamt sind im Landkreis Kassel rund 7500 geflüchtete Menschen registriert.

Unterkünfte für Flüchtlinge werden dringend gesucht

Angesichts der Entwicklung sucht der Landkreis Kassel jetzt dringend Immobilien, die kurzfristig als Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete genutzt werden können. „Wir suchen besonders leer stehende Hotels, Jugendherbergen, Pflegeeinrichtungen und andere geeignete Immobilien, um die Menschen, die zu uns kommen, bestmöglich unterbringen zu können“, so Engler. Der Landkreis Kassel verfügt aktuell über 2376 Plätze in Gemeinschaftsunterkünften, von denen 1906 belegt sind.

Der Bund hatte vor wenigen Tagen angekündigt, den Ländern und Kommunen weitere Bundesimmobilien zur Verfügung zu stellen. Ob der Landkreis Kassel davon profitieren wird, ist aktuell noch nicht bekannt. Er nutzt mit der ehemaligen Kaserne in Fuldatal-Rothwesten aber bereits eine Bundesimmobilie.

Neue Regeln für privates Obdach

Geflüchtete aus der Ukraine, die privat bei Freunden, Bekannten oder Verwandten untergekommen sind, müssen nicht mehr zur Registrierung in die Albert-Einstein-Straße kommen. Diese Personen sollen sich stattdessen bei den Einwohnermeldeämtern in den jeweiligen Kommunen melden, bei der Ausländerbehörde des Landkreises registrieren lassen und – falls nötig – zur Antragstellung beim Jobcenter oder Sozialamt vorsprechen. 

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