2018 erstmals zwei Paare im Altkreis Wolfhagen

13 Störche schlüpften im Landkreis Kassel

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Viel los im Horst: Wie hier im Glockenborn bei Wolfhagen schlüpften auch in den anderen Kreisteilen drei und sogar vier Jungstörche pro Horst. Aufgrund der Dürre mussten die Eltern bei der Futtersuche Schwerstarbeit leisten.

Wolfhager Land. 13 Jungstörche sind in diesem Jahr im Landkreis Kassel aufgewachsen. Erstmals gab es zwei Storchenpaare im Altkreis Wolfhagen. 

Hier brütet seit Jahren das von den HNA-Lesern getaufte Paar Hänsel und Gretel im Naturschutzgebiet Glockenborn bei Wolfhagen.

Ein zweites Paar nahm den Horst auf der Naturschutzfläche bei Wenigenhasungen an. Insgesamt zogen die beiden Paare jeweils drei Jungen auf. Ein mühseliges Geschäft: Aufgrund der Dürre war die Nahrung knapp. „Die Störche mussten weit fliegen, um Futter zu finden“, sagt Stephan Schmidt von der Stadt Wolfhagen, der das Naturschutzgebiet betreut. Zeitweise waren die Kleinen sehr dünn. Inzwischen haben sich alle Jungstörche auf den Weg Richtung Süden gemacht, nur noch die Alttiere sind da. 

Auch in Niestetal-Sandershausen sind alle Jungstörche ausgeflogen. Hier leisteten die Alttiere ebenfalls Schwerstarbeit. Erstmals zogen sie unter den widrigen Klimabedingungen vier Junge auf. Seit der Horst im Jahr 2012 das erste Mal bezogen wurde, brütete dasselbe Paar jedes Jahr. Bisher waren immer nur zwei bis drei Junge im Horst. 

Der Altkreis Hofgeismar hat in diesem Jahr eine traurige Bilanz vorzuweisen. Nur die Störche in Deisel haben nach Auskunft von Yvonne Berger (Naturschutzbund) erfolgreich gebrütet und drei Junge aufgezogen. 

Der auf den Namen Karlchen getaufte Storchenmann in Sielen hatte durch einen Unfall sein Bein verloren. Das Paar versuchte dennoch, weiter zu brüten, Karlchen konnte sich jedoch nicht mehr auf die Eier setzen und das Weibchen schaffte es nicht allein. Beide sind verschwunden. Die Horste in Wülmersen, Veckerhagen und Lippoldsberg blieben leer. In Lippoldsberg hatte sich zu Beginn der Saison ein Storchenpaar eingefunden, war aber nach Auskunft von Yvonne Berger wieder verschwunden.

Über 600 Paare brüten in der Region

Die meisten Störche in Deutschland leben in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Weißstörche fühlen sich aber auch in Hessen immer wohler. Nachdem 2017 590 Brutpaare gezählt wurden, hat der Bestand laut der Zahlen des Naturschutzbundes Hessen in diesem Jahr noch einmal um zehn Prozent zugenommen. Noch vor rund 25 Jahren galt der Weißstorch in Hessen als ausgestorben. Aus Sicht von Axel Krügener von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel hat die Zunahme der Storchenpopulation vor allem überregionale Gründe. Allerdings habe man vor Ort viel für die Verbesserung der Lebensräume mit mehr Brutplätzen und renaturierten Auen getan. In einem Naturschutzgebiet wie am Glockenborn finde der Storch außerdem genügend Nahrung.

Hänsel hat sich verletzt

Die Freude über eine erfolgreiche Brutsaison bei den Störchen im Altkreis Wolfhagen wird durch einen Unfall getrübt, den das Männchen aus dem Glockenborn in den vergangenen zwei Wochen erlitten haben muss. Der von den HNA-Lesern auf den Namen Hänsel getaufte Storchenmann hat eine Verletzung am Bein und humpelt.

Hänsel schont sein Bein: Der Storchenmann hat sich in den vergangenen zwei Wochen verletzt. Alle Storchenfreunde hoffen nun, dass dem Storch auf seinen Weg in den Süden nichts passiert.

„Wir wissen nicht, was passiert ist. Aber das Bein scheint nicht gebrochen zu sein“, meint Stephan Schmidt von der Stadt Wolfhagen, zuständig für den Glockenborn. Hänsel hält sich seitdem viel im Horst auf. „Ich denke, dass er fuchssicher sein Bein schonen will“, so Schmidt. Einen Anlass einzugreifen sieht er derzeit nicht: „Der Storch findet trotz Handicap Futter.“

Parallelen gibt es zu Karlchen aus dem Kreisteil Hofgeismar. Allerdings hat der Storch aus Sielen sein Bein gebrochen. Später fehlte der untere Teil. Auch Karlchen zeigte sich trotzdem in der Lage, nach Futter zu suchen. Allerdings konnte er sich nicht mehr hinlegen und die Eier bebrüten. Das Weibchen war überfordert, die Brut allein zu übernehmen, da sie selbst Futter suchen musste.

Das Paar hielt sich noch eine Weile in Sielen auf und war dann verschwunden. Es wird vermutet, dass auch Hänsel trotz Verletzung den Flug in den Süden wagen wird.

Das Naturschutzgebiet Glockenborn wird durch seine vielfältigen Biotope wie Teiche mit Flachwasserzonen, Bächen und Wiesen von Jahr zu Jahr interessanter und ist seit Jahren zu einer Pilgerstätte für Ornithologen, Naturfreunde und Schulklassen geworden. „Mit den Störchen sind wir noch mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt“, sagt der Naturschutzbeauftragte. Die Ansiedlung des mittlerweile zweiten Storchenpaares fördere positive Effekte für den Tourismus. Schmidt freut sich, dass in diesem Jahr auch der Horst in Wenigenhasungen angenommen wurde. Trotz der schwierigen Situation in diesem Sommer habe das Futterangebot ausgereicht, die Jungen großzuziehen. „Allerdings waren sie magerer als sonst, und die Elterntiere mussten in diesem Jahr ihren Radius bei der Nahrungssuche erweitern.“ Die Stadt plant demnächst noch die Aufstellung eines dritten Horstes bei Istha.

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