Können nicht mehr selbst entscheiden

Kreis Kassel: Knapp 4000 Menschen werden gesetzlich betreut 

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Wenn nichts mehr geht: Knapp 4000 Menschen im Landkreis Kassel brauchen eine Betreuung.

Kreis Kassel. Mehr Menschen im Landkreis Kassel müssen gesetzlich betreut werden, weil sie nicht selbst für sich entscheiden können. Im Landkreis Kassel wurden im vergangenen Jahr 3983 Menschen betreut. Die Zahl der Betreuten lag im Jahr 2016 bei 3891.

In Deutschland haben etwa 1,3 Millionen Menschen einen rechtlichen Betreuer. 

Der Betreuer übernimmt nur Aufgaben, die der Betreute selbst nicht mehr erledigen kann. Dabei geht es um Aufgaben rund ums Geld, um Gesundheitsangelegenheiten, rund ums Wohnen, zum Aufenthalt, zum Entzug der Freiheit und um Post, Telefon und E-Mails. 

Im Landkreis Kassel werden 2027 Menschen durch ehrenamtliche Betreuer betreut. Darunter fallen sowohl Familienangehörige als auch außenstehende neutrale ehrenamtliche Betreuer. 160 Menschen werden durch Vereinsbetreuer und 1796 Menschen durch Berufsbetreuer betreut. Die Pflichten eines Betreuers sind im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt. Dort heißt es: „Der Betreuer hat die Angelegenheiten des Betreuten so zu regeln, wie es dessen Wohl entspricht. Zum Wohl des Betreuten gehört auch die Möglichkeit, im Rahmen seiner Fähigkeiten sein Leben nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten. Ehe der Betreuer wichtige Angelegenheiten erledigt, bespricht er sie mit dem Betreuten.“ 

Eine Betreuung kann für Personen eingerichtet werden, die ihre Angelegenheiten auf Grund einer psychischen Krankheit oder einer geistigen, seelischen oder körperlichen Behinderung nicht mehr selbst besorgen können. Seit 1992 ersetzt die Betreuung die frühere Vormundschaft. 

Eine Betreuung kann von Amts wegen oder auf Antrag eingerichtet werden. Bei Personen, die an einer körperlichen Behinderung leiden, kann eine Betreuung nur auf eigenen Antrag eingerichtet werden.

Vorsorgevollmacht frühzeitig erteilen

Ist ein Mensch wegen Krankheit oder Behinderung auf Dauer nicht in der Lage, seine Angelegenheiten selbst zu regeln, benötigt er einen rechtlichen Betreuer, der für ihn handelt und ihn vertritt. Dies kann eine nahestehende Person sein (Ehepartner, Kind, Freund) aber auch ein ehrenamtlicher Helfer oder ein Berufsbetreuer. 

Hat die betroffene Person keine Festlegung getroffen, wer sie im Ernstfall rechtlich betreuen soll, muss das Betreuungsgericht (früher „Vormundschaftsgericht“) einen Betreuer bestimmen. Wer Angehörige selbst betreuen möchten, ohne dass dazu ein gerichtliches Betreuungsverfahren nötig wird, sollte sich rechtzeitig (das heißt im Zustand der Geschäftsfähigkeit) eine sogenannte Vorsorgevollmacht erteilen lassen.

Informationen: www.landkreiskassel.de

Betreuer sollen nicht bevormunden

Fast 4000 Menschen stehen im Landkreis Kassel unter gesetzlicher Betreuung. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu dem Thema, die uns die Betreuungsbehörde des Landkreises Kassel beantwortet hat.

Wann wird ein rechtlicher Betreuer eingesetzt?

Eine Betreuung kann für Personen eingerichtet werden, die ihre Angelegenheiten aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer geistigen, seelischen oder körperlichen Behinderung nicht mehr selbst besorgen können, sagt eine Sprecherin der Betreuungsbehörde des Landkreises Kassel. Seit 1992 ersetzt die Betreuung die frühere Vormundschaft für Volljährige.

Was ist der Unterschied zwischen Betreuung und Vormundschaft?

Vor 1992 konnte eine volljährige Person wegen Geisteskrankheit, Geistesschwäche oder Alkohol- beziehungsweise Drogensucht sowie Verschwendungssucht entmündigt werden. Die Folge der Entmündigung war, dass der Betroffene geschäftsunfähig war und damit keine Rechtsgeschäfte mehr tätigen durfte. Er bekam einen Vormund. Wer einmal entmündigt war, hatte oft kaum eine Chance, dass die Entmündigung wieder aufgehoben wurde. Die wichtigste Änderung im Betreuungsrecht ist: Die Entmündigung wurde abgeschafft, der Betreute ist nicht mehr automatisch geschäftsunfähig.

Welche Personen können Betreuer werden?

In der Regel wird vorrangig eine Privatperson durch das Gericht als Betreuer ernannt. Die Person macht die Arbeit ehrenamtlich. Sollten keine nahestehenden Personen bereit dafür sein, wird ein Vereins- oder Berufsbetreuer bestellt. Grundsätzlich muss der Betreuer eine geeignete Person sein – das heißt, diese muss in der Lage sein, die Aufgaben eines Betreuers zu überblicken und zu regeln.

Welche Rechte und Pflichten haben Betreuer?

Der Betreuer soll für den Betroffenen eine Hilfe sein und diesen nicht bevormunden. Der Betroffene soll auch weiterhin über seine Angelegenheiten selbst entscheiden, soweit dies verantwortet werden kann. Sofern er also geschäftsfähig ist, kann der Betreuer keine Entscheidungen treffen. Erst wenn durch ein fachärztliches Gutachten festgestellt wurde, dass der Betroffene nicht mehr geschäftsfähig ist, kann der Betreuer Entscheidungen in seinem Namen treffen, sagt eine Sprecherin des Landkreises Kassel

Wo beantragt man eine Betreuung?

Die Betreuungsbehörde des Landkreises Kassel ist die ermittelnde Behörde für die zuständigen Amtsgerichte und sie ist zuständig für alle Fragen rund um das Thema gesetzliche Betreuung. Zusätzlich gibt es über das „Gesundheitsamt Region Kassel“ den Sozialpsychiatrischen Dienst (SopD), der zum Beispiel in Krisenfällen tätig wird, sowie die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle (PsKB), welche Angebote für psychisch Kranke, Behinderte, etc. und deren Angehörige bereitstellt.

Alle Behörden kooperieren im Bedarfsfall miteinander. Die örtliche Zuständigkeit des Betreuungsgerichts richtet sich nach dem gewöhnlichen Aufenthalt der/des Betroffenen. In der Regel wird vorrangig eine Privatperson durch das Gericht zum Betreuer bestellt, die ehrenamtlich tätig wird. 

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