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Kriminelle Tricks: Frau aus Vellmar muss sich wegen Geldwäsche verantworten

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Von: Bea Ricken

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Hinter Jobangeboten, bei denen App-Tester gesucht werden, könnten Betrüger stecken. Eine Vellmarerin sollte eine Banking-App testen.
Hinter Jobangeboten, bei denen App-Tester gesucht werden, könnten Betrüger stecken. Eine Vellmarerin sollte eine Banking-App testen. © Zacharie Scheurer/dpa

Love-Scamming, Enkeltrick, der falsche Polizeibeamte, Internetbetrug und andere Straftaten: Wir klären in Zusammenarbeit mit der Polizei auf und geben Tipps zur Prävention.

Kreis Kassel – Eigentlich will sich die 24 Jahre alte Studentin aus Vellmar nur ein bisschen Geld nebenbei verdienen – jetzt hat sie ein Strafverfahren wegen Geldwäsche am Hals. Was ist passiert? Die junge Frau ist Opfer von Cybertätern geworden, die sich auf das Ausspionieren von sensiblen Bankdaten spezialisiert haben. Die Jobanzeige bei Ebay hört sich vielversprechend und nach leicht verdientem Geld an: Es werden Personen gesucht, die bereit sind, eine neue Banking-App zu testen.

Nichts Ungewöhnliches, dass Apps kurz vor der Veröffentlichung diese Testprozesse durchlaufen, erklärt Kriposprecher Marcel Kliem. Daher habe die Frau wohl keinen Verdacht geschöpft. Um bei den Opfern Vertrauen zu erzeugen, werden seriös wirkende Internetseiten erstellt und ein echt wirkendes Bewerbungsgespräch geführt.

Marcel Kliem, Kripobeamter
Marcel Kliem, Kripobeamter © Polizei/nh

„Die Täter sprechen gutes Deutsch und sind auf dem neuesten Stand der Technik“

Der Frau wird erklärt, dass sie nun ein Test-Konto anlegen soll, um die App testen zu können. Dabei wird sie per Livechat angeleitet. Was die Frau zu dem Zeitpunkt nicht weiß: Sie eröffnet bei dem Prozess ein echtes Bankkonto.

Junge Leute seien mit den Neuen Medien aufgewachsen. „Einigen fehlt eine gesunde Portion Misstrauen“ so Kliem. Und natürlich seien die Täter nicht auf den Kopf gefallen und würden ihre Betrugsmaschen verfeinern. „Die Täter sprechen gutes Deutsch und sind auf dem neuesten Stand der Technik.“

Während die Vellmarerin noch auf ihr Geld wartet, wird ihr neues Konto bereits benutzt, um Geldgeschäfte abzuwickeln. Dabei werden Betrugsgelder vom Konto der Frau auf Konten ins Ausland überwiesen. Über alle dafür nötigen Daten verfügen die Täter durch die gemeinsame Kontoeröffnung. Als die Geldwäsche später auffliegt, richten sich die Ermittlungen zunächst gegen die Frau. Und diese hat erhebliche Scherereien.

Betrugsmaschen häufen sich derzeit in Stadt und Landkreis Kassel

Ähnlich ergeht es einem 18-jährigen Mann aus dem Landkreis Kassel. Ihm wurde allerdings ein Job als Paketzusteller angeboten. Nachdem er ein paar Pakete per Post ins Ausland verschickt hat, fliegt auch hier der Schwindel auf. In allen Paketen war Diebesgut. Und wieder liegt der Fokus der Ermittlungen auf dem jungen Mann.

Diese Betrugsmaschen häufen sich derzeit in Stadt und Landkreis Kassel, warnt Kripobeamter Marcel Gliem. Angebote, die sich nach leicht verdientem Geld anhörten, sollten sich Jobsuchende sehr genau ansehen.

Vhs-Kurs zum Thema Cybertäter

Viele Cybertäter haben sich auf die Erbeutung sensibler Bankdaten spezialisiert. Für ihren digitalen Beutezug nutzen sie alle modernen Kommunikationsmittel: Die Täuschungsmanöver werden über E-Mail, Telefon und SMS/Messenger kombiniert. In einem Vhs-Vortrag werden die aktuellen Phänomene vorgestellt und Handlungsempfehlungen vermittelt. Die Kooperationsveranstaltung mit der Polizei Nordhessen und dem Präventionsrat Kassel ist kostenfrei. Termin ist am 3. Mai von 18 bis 20 Uhr. Es gibt einen Link vor der Veranstaltung per Mail. Anmeldung unter: zu.hna.de/vhs-kurs 

Betrüger im Internet bieten unseriöse Jobs als Finanz- und Warenagent an

Die Opfer werden mit lukrativen Provisionsversprechen dazu gebracht, dass sie ihre Konten für die Überweisung von Geldbeträgen aus kriminellen Taten zur Verfügung stellen.
Die Opfer werden mit lukrativen Provisionsversprechen dazu gebracht, dass sie ihre Konten für die Überweisung von Geldbeträgen aus kriminellen Taten zur Verfügung stellen. © Horst Ossinger/dpa

„Beste Verdienstmöglichkeit mit wenig Arbeit“ – mit solchen Jobangeboten locken Kriminelle ihre Opfer. In Jobbörsen, Internetauftritten oder per E-Mail geben sie sich als Vertreter seriöser Firmen aus. „Vor allem seit der Corona-Pandemie versuchen Kriminelle über das Internet ahnungslose Bürger zu betrügen. Aktuell locken sie Studierende mit vermeintlich lukrativen Nebenjobs“, erklärt Polizistin Aniane Emde von der Abteilung Cybercrimeprävention, die auch einen Vortrag bei der Volkshochschule zu diesem Thema hält.

Aniane Emde Polizistin Cyberkriminalität
Aniane Emde Polizistin Cyberkriminalität © Privat

Läuft die Anwerbung nur über das Internet?

Nein. Die Täter gehen mittlerweile auch dazu über, Finanzagenten persönlich zu kontaktieren. Personen werden auf der Straße oder in öffentlichen Einrichtungen angesprochen und ihnen wird ein Problem im Zusammenhang mit einer Überweisung ins Ausland geschildert. Der Angesprochene wird dann gebeten, eine Überweisung gegen eine Belohnung in Form eines Geldbetrags zu veranlassen. Besonders Personen mit Migrationshintergrund werden von Landsleuten angesprochen und gebeten, ihr Konto für den Transfer von Geldern – zum Beispiel für einen kranken Verwandten im Ausland – zur Verfügung zu stellen. Die Korrespondenz findet oft in der Muttersprache statt, wobei stets betont wird, dass man sich „unter Landsleuten“ helfe.

Was sollen die Jobsucher nach Rekrutierung tun?

Sie sollen ihr Konto für die Überweisung von Geldbeträgen zur Verfügung stellen, mit denen sie hochwertige Waren (zum Beispiel TVs, Computer, Handys) kaufen und an bestimmte Adressen, die ihnen mitgeteilt werden, gegen Provision weiter verschicken. Bei den überwiesenen Beträgen handelt es sich allerdings um Gelder aus kriminellen Taten.

Was drohen für Konsequenzen, wenn man auf die Betrüger hereingefallen ist?

Statt vermeintlich lukrativer Geschäfte drohen Freiheitsstrafen wegen leichtfertiger Geldwäsche (§ 261 Abs. 5 StGB) und Schadensersatzansprüche der Geschädigten. Daneben erwartet die Opfer ein Verfahren der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wegen des Betreibens unerlaubter Finanzdienstleistungsgeschäfte. Außerdem kündigen Banken regelmäßig das Konto eines Finanzagenten. Dem Finanzagenten droht ein Strafverfahren wegen Geldwäsche. Indem er sein Konto zur Verfügung stellt und die eingegangenen Gelder schnell weiter transferiert, hilft der Finanzagent dabei, Herkunft und Transferwege des Geldes zu verschleiern. Damit macht er sich zumindest der leichtfertigen Geldwäsche schuldig (Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe).

Wie kann man sich vor dieser Masche schützen?

Achten Sie auf seriöse Angebote. Werden Sie misstrauisch bei ungewöhnlich gut bezahlten Tätigkeiten, für die keine Vorkenntnisse oder Fähigkeiten notwendig sind. Lehnen Sie Angebote ab, bei denen Sie ihr Konto für Zahlungen zur Verfügung stellen sollen. Lassen Sie sich auch nicht von hohen Provisionen locken. Überprüfen Sie die Angaben des Arbeitgebers, zum Beispiel über eine Suchmaschine. Antworten Sie nicht auf Job-Angebote, die Sie unaufgefordert per E-Mail zugesandt bekommen.

Grundsätzlich gilt: Je verlockender ein Angebot ist, desto misstrauischer sollten Sie sein. (Bea Ricken)

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