Verlassene Villen, Heime und Kirchen

Wolfhager Fotograf hält Schönheit vergessener Orte fest

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Im Harz entdeckt: Bei dem Gebäude handelt es sich um ein früheres Schulheim. Teilweise sind die verlassenen Häuser noch eingerichtet – Liegen und Rollstuhl fand Michael Langer so vor, wie im Foto dargestellt.

Wenn sich die Zeit über einst belebte Orte gelegt hat und die Geschichte dieser Plätze immer mehr in die Vergessenheit gerät, dann ist Michael Langers Interesse geweckt. Der Wolfhager fotografiert Lost Places – also vergessene Orte.

Gemeinsam mit Jens Damme, ebenfalls aus Wolfhagen, hat Langer vor etwa einem Jahr dieses Hobby für sich entdeckt, das sich derzeit einer großen Anhängerschaft erfreut. 

Fotografiert vergessene Orte (Lost Places): der Wolfhager Michael Langer.

Auf der Suche nach starken Fotos von heruntergekommenen Fabriken, verwaisten Villen und verlassenen Kliniken reist der 45-Jährige in ganz Deutschland umher – wobei „der Osten besonders spannend ist“. Zahlreiche Orte in Thüringen hat er besucht, Motive in Halle, Leipzig und im Harz gefunden. Aber auch in Duisburg, Hannover, Bad Wildungen und Kassel hat er lohnenswerte Objekte vor die Kamera bekommen und eindrucksvoll in Szene gesetzt. 5000 Bilder füllen sein Archiv.

Chaos: So fand Michael Langer die verlassene Villa Dr. Anna L. in Bad Wildungen vor. Die ehemalige Arztpraxis ist unter den Fotografen, die sich für vergessene Orte interessieren, sehr bekannt.

Dabei gibt es für ihn klare Regeln. Er nimmt einen Ort so an, wie er ist. Gegenstände werden nicht verrückt, auch dann nicht, wenn dabei vielleicht ein schöneres Foto entstehen würde. Und: Verschlossene Türen bleiben verschlossen. „Wir hinterlassen nur unsere Fußspuren und nehmen außer unseren Fotos nichts mit“, sagt der 45-Jährige.

Altes Bahnstellwerk: In Sondershausen in Nordthüringen fotografierte Langer dieses Backsteingebäude.

Es ist die Vergänglichkeit, die Langer fasziniert. Wenn Farbe von den Wänden blättert, alte Möbel unter einer dicken Staubschicht eine vergängliche Ästhetik ausstrahlen, kann er im natürlichen Verfall Schönes entdecken. Und gleichzeitig begleitet ihn die Frage, warum sich niemand um die Gebäude kümmert und diese sich selbst überlassen bleiben. Auf seinen Touren wird er auch konfrontiert mit Vandalismus. Menschen reißen Klamotten aus Schränken, „Fenster und Türen werden kaputt getreten“.

Farbe blättert von den Wänden: die Johanniter Heilstätte in Sorge (Harz). Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Sanatorium, in dem Lungenpatienten behandelt wurden, eröffnet. Zu DDR-Zeiten nutzte die Nationale Volksarmee (NVA) die Heilstätte für Kuren, nach der Wende fand sich ein Käufer. Nach einem Brand im Jahr 2007 verfiel das Gebäude immer mehr.

Ehe Langer, der sich zusammen mit Jens Damme den Namen Lost Wolfs Urbex gegeben hat und immer wieder Bilder auf Facebook veröffentlicht, seine Kamera zücken kann, steht eine aufwendige Recherche an. Bislang haben die beiden Männer 30 Plätze besucht, weitere 100 stehen auf der Liste. Über Google Earth erkundigen sie sich im Internet nach der genauen Lage der Gebäude. Gibt es einen Eigentümer, fragen sie bei ihm nach, ob sie Bilder machen dürfen.

Nikolaikirche in Zeitz: Das Gotteshaus wurde 1891 geweiht. Der Klinkerbau steht auf sandigem Untergrund, was zu statischen Problemen führte – seit den 1970er-Jahren wird sie nicht mehr genutzt und verfällt.

Wenn nicht, kundschaften sie aus, wie sie in die zum Teil baufälligen Ruinen gelangen. Die Männer tragen festes Schuhwerk und Handschuhe, eine Atemschutzmaske schützt sie vor Schimmel, sie führen eine Taschenlampe und ein Erste Hilfe-Set mit sich. „Und wir gehen niemals allein.“

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