Ein Abend voller Stresssituationen 

Unter der Gürtellinie und politisch inkorrekt: Kurt Krömer drehte im Wolfhager Kulturzelt auf

+
Bei seinem Auftritt verschlug es dem ein oder anderen die Sprache:  Kurt Krömer war am Sonntag mit seinem Programm „Stresssituationen“ im Wolfhager Kulturzelt. 

Kaum betritt Kurt Krömer die Bühne des Wolfhager Kulturzeltes, bricht das Publikum in Lachen aus und applaudiert. Die Besucher wissen, was sie an diesem Abend erwartet – und Krömer liefert ab. Fast zwei Stunden aufeinanderfolgende Gags – unter der Gürtellinie, politisch inkorrekt, aber auch mit mitschwingender Gesellschaftskritik.

Traditionell beginnt Krömer sein Programm „Stresssituationen“ damit, das Publikum in der ersten Reihe zu beleidigen. Wer dort sitzt, weiß, was auf ihn zukommt – auch in Wolfhagen bleibt niemand verschont. Keiner ist beleidigt, wenn Krömer sagt: „Das muss man erst mal hinkriegen, dass die Hässlichsten alle in der ersten Reihe sitzen.“

Zu Beginn der Show dreht der Comedian richtig auf, die Pointen sitzen. Man merkt, dass er schon eine ganze Weile mit seinem Programm durch Deutschland tourt. Krömer spielt mit Tabus und bricht diese mit großer Freude, immer wieder rutscht er dabei auch ins Grenzwertige ab. Zum Beispiel, wenn er einer imaginären Roswita unter seinem Tisch sagt, sie dürfe jetzt aufhören und ihr ein Taschentuch reicht, um sich den Mund abwischen zu können. Oder wenn er einen Mann aus dem Publikum auf die Bühne bittet und diesen zum Dank abknuscht und ableckt.

Er kann auch ernste Gesellschaftskritik 

Mehr als einmal stockt dem Publikum kurz der Atem. Man fragt sich: Hat er das gerade wirklich gemacht? Auf solche Schockmomente folgt dann so etwas wie eine Erklärung. Der Comedian wechselt immer mal wieder auf eine Metaebene, erklärt dem Publikum, dass Kurt Krömer eine Kunstfigur ist, und erzählt kurz von sich – Alexander Bojcan. 

Vor allem im zweiten Teil seines Programms zeigt Krömer, dass er mehr kann als Provokation. Er widmet sich gesellschaftlichen Themen, zum Beispiel der Situation auf dem Mittelmeer. Dafür wählt er einen ungewöhnlichen Einstieg: die Liebe der Deutschen zu Haustieren. Die Pointe überrascht und sitzt: „Wir sind so tierlieb, wir nehmen Hunde und Katzen aus Marokko auf. Nur nicht die Herrchen, die lassen wir im Mittelmeer ertrinken“, so Krömer.

"Ein fürchterlich guter Typ"

Zum Abschluss zeigt der Neuköllner dann noch einmal vollen Körpereinsatz. Zur Freude des Publikums räkelt und verrenkt sich Krömer auf der Bühne, um zu demonstrieren, wie er in einer kleinen Badewanne seine Haare wäscht. Und reinigt sein Gebiss so schwungvoll in einem Wasserglas, dass die erste Reihe einige Spritzer abbekommt.

Mit versöhnlichen Worten, Poesie und zwei Zugaben endet das Programm im Wolfhager Kulturzelt.

 „Ein fürchterlich guter Typ“ fasst ein Besucher beim Hinausgehen den Abend mit Kurt Krömer zusammen.

Am Dienstagabend im Kulturzelt: 

Konstantin Wecker - Solo zu zweit mit Jo Barnikel, 20 Uhr, Karten an der Abendkasse 42 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.