1. Startseite
  2. Lokales
  3. Wolfhagen

Landkreis soll bunt, vielfältig und selbstbewusst sein

Erstellt:

Von: Sascha Hoffmann

Kommentare

Gemeinsam für mehr Vielfalt: Katharina Knackstedt (von links) und Ilka Proksch von der Wolfhager Kinder- und Jugendarbeit, Lukas Wiederhold, Torsten Fiege und Martina Kratz von der evangelischen Jugendarbeit und Vize-Landrätin Silke Engler.
Gemeinsam für mehr Vielfalt: Katharina Knackstedt (von links) und Ilka Proksch von der Wolfhager Kinder- und Jugendarbeit, Lukas Wiederhold, Torsten Fiege und Martina Kratz von der evangelischen Jugendarbeit und Vize-Landrätin Silke Engler. © Sascha Hoffmann

Das erste Queere Winterfest setzt ein Zeichen gegen Ausgrenzung von LGBTQI*-Menschen. Vize-Landrätin Silke Engler und die Kirche unterstützen dabei.

Wolfhagen - Die vielen kleinen Flaggen des Memories sind kunterbunt, haben verschiedene Bedeutungen und mausern sich am Sonntagnachmittag im Nu zum heimlichen Mittelpunkt des ersten Queeren Winterfestes. Was im Wolfhager Kulturladen auf den ersten Blick lediglich ein nettes Spiel ist, liefert schnell die Erklärung, warum es in einer modernen Gesellschaft überhaupt noch abgegrenzt-queere Veranstaltungen braucht.

Wer keine oder kaum Berührungspunkte mit der Szene hat, schafft meist gerade mal, die bekannte Regenbogenfahne ihrer Bedeutung zuzuordnen. Die ist seit jeher als Symbol für Vielfalt, Toleranz sowie Offenheit bekannt und setzt ein Zeichen gegen Diskriminierung von LGBTQI*-Menschen. Die Abkürzung steht für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transgender, Queer und Intersexuell, die Regenbogenflagge als Symbol für unterschiedliche Lebens- und Liebesformen der queeren Gemeinschaft.

Queer bezeichnet nicht-heterosexuelle und transsexuelle Menschen

„Queer ist der Oberbegriff für alle Menschen, deren sexuelle Orientierung nicht heterosexuell ist und/oder deren Geschlecht nicht dem der Geburt entspricht“, erklärt Lukas Wiederhold, der die Idee zum Winterfest hatte. In Naumburg aufgewachsen, weiß der 29-Jährige, wie schwer es sein kann, auf dem Land zu leben, wenn man „anders“ ist. Selbst mit transsexuellem Hintergrund, hat es Wiederhold in die Großstadt gezogen.

In Frankfurt, wo er seit einigen Jahren lebt, sei das Leben für queere Menschen deutlich entspannter, jede Menge zu tun gebe es vor allem in ländlichen Gegenden, und das habe er sich nun zur Aufgabe gemacht. Dass er allein wenig ausrichten kann, war ihm dabei schnell klar, und so suchte er sich Unterstützung in der alten Heimat. „Ich habe einfach bei der Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Wolfhagen angerufen und erfreulicherweise offene Türen eingerannt“, freut sich Lukas, der bei seinem Bestreben, etwas für die Community vor Ort zu tun, zudem von der evangelischen Kirche, der LBST*IQ-Netzwerkstelle Nordhessen und auch dem Landkreis unterstützt wird.

Vize-Landrätin ist gegen Ausgrenzung von Menschen

Vize-Landrätin Silke Engler ist das Thema eine Herzensangelegenheit und hat es sich deshalb auch nicht nehmen lassen, persönlich vorbeizuschauen. „Ich glaube ganz fest, dass auch wir auf dem Land deutliche Zeichen setzen müssen, dass ein jeder, egal, woher er kommt, egal, wie er sich fühlt und egal, wie er sich definiert, bei uns im Landkreis zuhause sein soll“, so Engler, die sich viel Zeit nimmt, um mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen. Ihr Fazit: „So wollen wir unseren Landkreis haben – bunt, vielfältig und sehr selbstbewusst.“

Neben Worten hat sie auch einen Förderbescheid mitgebracht, um zu zeigen, „dass der Landrat und ich sehr für das Thema einstehen, Vielfalt in seiner ganzen Breite zu ermöglichen.“ Ihr Rat an Organisatoren und Besucher: „Seid laut, deutlich und einfach da, damit andere, die sich noch nicht trauen, ein Stück weit stärker und selbstbewusster werden.“ Es müsse weitergehen, sagt sie und freut sich, dass genau das in Wolfhagen geschieht. Am 20. Januar schon soll ab 17.30 Uhr der erste queere Treff im Jugendzentrum stattfinden, und da gibt es bei Bedarf sicher auch noch jede Menge Informationen zu all den Themen, die sich hinter den vielen, kunterbunten Memorykarten verbergen.

Auch interessant

Kommentare