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Letzte-Hilfe-Kurs hilft im Umgang mit Schwer- oder Todkranken

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Von: Ursula Neubauer

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Letzte-Hilfe-Kurs: Im Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Oberlistingen fand der Letzte Hilfe Kurs mit den Koordinatorinnen Petra Moser (links) vom Hospizdienst Wolfhagen und Corinna Schwolow vom Hospizdienst Bad Arolsen mit Kursteilnehmern aus dem Altkreis Wolfhagen und dem Altkreis Hofgeismar statt.
Letzte-Hilfe-Kurs: Im Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Oberlistingen fand der Letzte Hilfe Kurs mit den Koordinatorinnen Petra Moser (links) vom Hospizdienst Wolfhagen und Corinna Schwolow vom Hospizdienst Bad Arolsen mit Kursteilnehmern aus dem Altkreis Wolfhagen und dem Altkreis Hofgeismar statt. © Ursula Neubauer

Die Emotionen zuzulassen ist im Hospizdienst wichtig. Ein Kurs in Breuna vermittelte jedem Teilnehmer Grundwissen zum Sterben und dem Tod.

Oberlistingen – Der Tod ist immer noch ein heikles Thema in unserer Gesellschaft und wird gerne verdrängt. Um so wichtiger sind die Letzte-Hilfe-Kurse der Hospizdienste, die allen Menschen ein Basiswissen zum Thema Sterben und Tod vermitteln wollen.

Die Koordinatorinnen Corinna Schwolow vom Hospizdienst Bad Arolsen und Petra Moser vom Hospizdienst Wolfhagen boten einen Letzte-Hilfe-Kurs im Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Oberlistingen an. Eine schön gestaltete Mitte mit Kerzen, Fotos, Ansichtskarten, Tüchern und Aromadüften im Hintergrund verbreitete eine angenehme Atmosphäre für die sechs Kursteilnehmer im Alter zwischen 24 und 72 Jahren aus dem Altkreis Wolhagen und dem Altkreis Hofgeismar. Und dass allen das Thema sehr nahe geht, zeigte sich schon bei dem Vorstellungsgespräch der Gruppe. Die ersten Tränen flossen, als die Kursteilnehmer von ihren Erfahrungen mit dem Tod oder der Pflege eines schwerkranken Menschen zuhause erzählten. Anlass genug für Corinna Schwolow, der Gruppe mitzuteilen, dass es wichtig sei, Emotionen und Kommunikation zuzulassen, um mit diesen sensiblen Themen umgehen zu können.

Praktische Hilfsgeräte: Petra Moser (links) und Corinna Schwolow zeigen das Smooth Food Gerät, mit dem Instantpulver aufgeschäumt werden kann. Es ist speziell für Patienten, die nicht schlucken können, geeignet.
Praktische Hilfsgeräte: Petra Moser (links) und Corinna Schwolow zeigen das Smooth Food Gerät, mit dem Instantpulver aufgeschäumt werden kann. Es ist speziell für Patienten, die nicht schlucken können, geeignet. © Neubauer, Ursula

Petra Moser wies auf die Anfänge der Letzten Hilfe hin, die immer im Zusammenhang mit der Ersten Hilfe gesehen werden sollte. In der Ersten Hilfe ginge es ums Überleben und bei der Letzten Hilfe um die Linderung von Leid und Erhaltung der Lebensqualität. Das Konzept der Letzten Hilfe Kurse beinhaltet die Module: Sterben als Teil des Lebens, Vorsorgen und entscheiden, Leiden lindern und Abschied nehmen. Es folgte eine umfangreiche Information über den Krankheitsverlauf und den Sterbeprozess, die Palliativversorgung, den Hospizdienst, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, Bestattung und Trauerbewältigung.

Am interessantesten für die Kursteilnehmer war jedoch der praktische Teil des Kurses. Hier zeigten Corinna Schwolow und Petra Moser die vielfältigen Optionen zur Linderung der Beschwerden des Kranken auf. Neben den ganz konkreten Hilfsmitteln, wie Pflegebett oder Nachtstuhl, die vom Hausarzt verschrieben und von der Krankenkasse bezahlt oder bezuschusst werden, gebe es auch viele Möglichkeiten, die den Patienten helfen können, erklärt Corinna Schwolow. Sie und Petra Moser zeigten den Kursteilnehmern, wie man beispielsweise mit dem Smooth-Food-Gerät Instantpulver, vom Kaffee bis zum Bier, nach Vorliebe des Patienten, die nicht schlucken können, aufschäumen und mit einem Löffel servieren kann. Oder sie demonstrierten, wie man mit einem kleinen Sprühfläschchen Flüssigkeiten in den Mund des Patienten sprühen kann. Auch Wattestäbchen können auf vielfache Weise für Nahrungsaufnahme oder Mundpflege eingesetzt werden. Die Gruppe war ganz begeistert, zumal sie die einzelnen Angebote selber ausprobieren konnten. Die beiden Kursleiterinnen wiesen darauf hin, dass auch ein Todkranker ganzheitlich zu betrachten sei und er neben den körperlichen auch psychische, soziale und spirituelle Schmerzen haben kann. Entsprechend ist der Einsatz beispielsweise von Musik, Meditation und Aromaduftölen zu empfehlen. Ganz wichtig ist auch die Erinnerungsarbeit, in dem der Betreuende bei dem Patienten durch Gespräche und Fotos Erinnerungen an früher aufleben lassen kann. Nach über vier Stunden war der Kurs zu Ende und die Kursteilnehmer gaben alle eine positive Rückmeldung ab, zumal sie auch noch eine umfangreiche Infomappe mit nach Hause bekamen.

„Ich weiß, wo ich Hilfe bekommen kann, wenn ich es wünsche, und bin nun viel beruhigter und fühle mich sicherer im Umgang mit schwer- oder todkranken Menschen“, sagte eine der Kursteilnehmerinnen abschließend.

Kontakt: Hospizdienst Wolfhager Land, 05692 /  99 35 21, 0173  / 27 75 324, E-Mail: info@hospizdienstimwolfhagerland.de, hospizdienst-wolfhagerland.de

Der Hospizdienst im Wolfhager Land besteht seit 1999. Hauptaufgabe ist die Begleitung schwerkranker Menschen und ihrer Angehörigen. Doch der Verein leistet noch so viel mehr. In einer Serie stellen wir verschiedene Angebote vor.

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