Letzte Lebensphase gut gestalten: Seit 20 Jahren gibt es den Hospizdienst Wolfhagen

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Hospizarbeit ist nicht nur das Begleiten von Sterbenden: Petra Moser vom Hospizdienst im Wolfhager Land spricht über ihre Arbeit.

Der Tod ist ein Thema, das die meisten Menschen in ihrem Alltag bewusst vermeiden, obwohl es zu jedem Leben dazugehört.

Die Auseinandersetzung mit dem Lebensende macht vielen Angst und löst Hilflosigkeit aus.

Die Mitarbeiter des Hospizdienstes in Wolfhagen haben täglich mit dem Tod zu tun: Seit 20 Jahren betreuen sie Menschen am Ende ihres Lebens und deren Angehörige. „Es ist aber ein Irrglaube, dass die Hospizarbeit ausschließlich das Begleiten von Sterbenden ist“, sagt Petra Moser, Koordinatorin des Hospizdienstes im Wolfhager Land.

Zwar sei das häufig der Fall, vor allem in Pflegeheimen, aber die Hospizarbeit beginne eigentlich viel früher. „Teilweise begleiten wir Schwerkranke über einen Zeitraum von ein oder zwei Jahren. Für die Betroffenen ist es angenehmer, wenn sie die Begleitung nicht erst an ihren letzten Tagen kennenlernen, damit ein gewisses Vertrauensverhältnis aufgebaut werden kann“, sagt Moser, die auch selbst die Sterbebegleitung des Hospizdienstes in Anspruch nehmen will, wenn es bei ihr soweit ist.

Nicht der Tod stehe im Mittelpunkt der Begleitung, sondern, dass das Leben bis zuletzt so gut wie möglich verbracht werde. Sowohl für den Sterbenden, als auch für die Angehörigen: „In manchen Fällen begleiten wir auch ausschließlich die Familien der Sterbenden, da diese sich Unterstützung wünschen.“

Es sei vollkommen egal, ob die Leute bei einer Tasse Kaffee das Gespräch suchen, einkaufen gehen oder gemeinsam einen Ausflug in die Lieblings-Eisdiele machen möchten. Bei Patienten, die bereits kaum noch bei Bewusstsein oder sehr schwach seien, würde man vorlesen und Handmassagen geben. Manche Begleiter würden auch für die Patienten singen. Im Idealfall lese man aus Lieblingsbüchern vor und singe gern gehörte Lieder der Patienten, wenn man Informationen darüber habe.

Man rede bei der Hospizarbeit nichts schön, denn die Floskeln, dass alles schon irgendwie gut werde, hören die Menschen schon zu Genüge aus ihrem Umfeld.

Moser selbst arbeitet inzwischen nicht mehr als Sterbebegleiterin. Dafür gibt es beim Hospizdienst im Wolfhager Land 34 Ehrenamtliche, sechs davon sind bereits seit 20 Jahren dabei. „Bei uns sind alle Berufsschichten vertreten – von Ärzten, über Hausfrauen, Notaren bis hin zu Bürokaufleuten haben wir alles mit im Team.“

Dabei sei es sogar von Vorteil, wenn die Menschen keine gelernten Pflegekräfte sind. „Sie sehen viel eher die Menschen und nicht die eventuell zu leistende Pflege, für die wir nicht verantwortlich sind“, erklärt Moser. Die Trauerbegleitung der Angehörigen übernehmen dafür geschulte Kräfte.

Über das Jahr verteilt begleitet der Hospizdienst im Wolfhager Land rund 60 Menschen auf ihrem letzten Weg, parallel seien immer 20 Patienten in Betreuung. „Unser Dienst wird zum größten Teil von den Kranken- und Pflegekassen finanziert, zehn Prozent sind Spenden“, erklärt die Koordinatorin.

Die Arbeit des Hospizdienstes spielt sich nicht nur in der Begleitung von Sterbenden und Trauernden ab: „Wir leisten auch Präventivarbeit in Schulen und reden dort mit den Kindern über das Sterben und den Tod. Es ist wichtig, dass Tod und Sterben keine Tabuthemen seien und die Kinder angstfrei darüber sprechen könnten. Auch Referendare der Uni Kassel werden von uns an die Thematik herangeführt.“

Zum 20-jährigen Bestehen des Hospizdienstes im Wolfhager Land finden im November vier Veranstaltungen statt. Zu einer ist der Liedermacher Rolf Zuckowski eingeladen, der mit seiner Musik zum Thema Leben und Endlichkeit eine Ausstellung begleiten wird.

Programm: Festgottesdienst, Ausstellung, Lesung

5. November, 18 Uhr: Festgottesdienst in der Evangelischen Kirche in Istha. 

7. November, 13 Uhr: Ausstellungseröffnung „Gemeinsam unterwegs“ mit Musik von Rolf Zuckowski im Seniorenzentrum Wolfhagen, Karlstraße 8. 

12. November, 19 Uhr: Lesung mit musikalischer Begleitung in der Buchhandlung Mander, Schützenberger Str. 29 in Wolfhagen. 

14. November, 15.30 Uhr: Unterschriftensammlung für die Charta zur Betreuung von schwerstkranken und sterben Menschen, Andachtsraum des Seniorenzentrums Wolfhagen, Karlstraße 18. Petra Moser ist telefonisch zu erreichen unter 05692 / 99 35 21

Von Theresa Lippe

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