Schnee im Überfluss

Über 40 Grad minus im Winter: Wolfhager Familie lebte sechs Jahre am Polarkreis

Landschaftlich ein Traum: Maya, Marc und Melany Göllner in den Weiten der schwedischen Wälder. Foto: privat/nh

„Es war Abenteuer pur“, sagt Marc Göllner aus Nothfelden. Trotz aller Mühen denkt er gerne an die Zeit, die er mit seiner Frau Melany, Tochter Maya und 30 Schlittenhunden in Nordschweden verbrachte.

Von 2011 bis 2017 wohnte die Familie aus dem Wolfhager Stadtteil Nothfelden abgeschieden in einem kleinen Holzhaus mitten im Wald am Polarkreis. „Die ersten Jahre waren besonders hart, über 40 Grad minus im Winter, kein Wort Schwedisch und viel Heimweh“, erzählt Göllner. Doch es war der große Wunsch der Familie gewesen, mal für begrenzte Zeit auszusteigen. Und da der Nothfeldener schon in Deutschland mit Schlittenhunden gearbeitet hatte und Rennen gefahren war, lag die Wahl eines nordischen Landes nahe. Denn eine Sache gab es hier im Winter im Überfluss: Schnee. Einerseits verfluchten sie den meterhohen Schnee, denn das bedeutete viel Arbeit. Doch andererseits war er für die Schlittenhunderennen optimal.

Langsam wurde ihr Leben im neuen Land besser. Mit fortschreitenden Sprachkenntnissen bekam Marc Göllner Arbeit als gelernter Maschinenbaumeister. Seine Frau arbeitete als Krankenschwester. Tochter Maya ging in den Kindergarten und sprach bald fließend Schwedisch. Dass man dabei jeden Tag Hunderte von Kilometern fahren musste, war eben unabänderlich.

Um so ein Leben in einem fremden Land zu überstehen, waren Familienhalt und Unterstützung von Deutschland aus sehr wichtig. So kamen Marcs Eltern Karl-Heinz und Waltraud Göllner aus Nothfelden und Freunde aus Wolfhagen öfters zu Besuch.

Und in Nordschweden konnte der 45-Jährige eben seiner Leidenschaft frönen: den Schlittenhunden. Doch Aufzucht und Training der Hunde und später die Rennen selbst bedeuteten einen Vollzeitjob, sodass er seine Arbeit wieder aufgab. Hier konnte er auch zum ersten Mal ein Langstreckenrennen über 300 Kilometer mit einem Acht-Hunde-Gespann fahren. Es verlange viel Abenteuerlust und Leidenschaft für Schlittenhunde, denn reich werde man mit diesem Sport nicht, sagt Marc Göllner. Zurück nach Deutschland sind sie hauptsächlich wegen der Einschulung von Tochter Maya im vergangenen Jahr gekommen.

Begonnen hatte alles 1997 damit, dass Marc Göllner für seine große Wanderlust einen vierbeinigen Gefährten suchte. Als er seinen ersten Husky sah, war es Liebe auf den ersten Blick. Er nannte ihn Buck und damit war der Grundstein für weitere Schlittenhunde gelegt, ab dem Jahr 2000 beteiligte er sich schon an den ersten Rennen. Seine Hunde sind Alaskan Huskies, eine spezielle Züchtung für den Rennsport. „Ganz wichtig für einen Schlittenrennhund ist der „will-to-go“, der „Wille zum Laufen“, sagt Marc Göllner. Dazu komme noch eine körperliche Robustheit. Zudem müsse der Hund rudelfreundlich und menschenbezogen sein. „Das ist fast wie in der eigenen Familie“, sagt Marc Göllner und lacht.

Von Ursula Neubauer

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