Tier wurde in Zierenberg geschossen

Seltener Marderhund wandert nach Nordhessen ein

Marderhunde sind auf dem Vormarsch. Einer wurde jetzt in Zierenberg geschossen.
+
Marderhunde sind auf dem Vormarsch. Einer wurde jetzt in Zierenberg geschossen.

Möglicherweise wandert ein seltenes Tier in Nordhessen ein. Seine ursprüngliche Heimat ist Sibirien.

Zierenberg - Der seltene Marderhund, eigentlich in Sibirien zu Hause, scheint in die Region einzuwandern. In diesen Tagen wurde erstmals im Altkreis Wolfhagen seit 15 Jahren wieder ein männliches Tier bei Zierenberg geschossen. Insgesamt sind nach Auskunft des hessischen Jagdverbandes im Landkreis Kassel zwischen 2006 und 2018 elf Marderhunde geschossen worden. Im ganzen Jahr 2019 waren es allerdings schon fünf Tiere, die Statistik für dieses Jahr liegt noch nicht vor.

Der Jäger hielt den Marderhund irrtümlich für einen Waschbären

Der Jäger, der in seinem Zierenberger Revier den zwei- bis dreijährigen Rüden schoss, hatte den Marderhund irrtümlich für einen Waschbär gehalten, da sich die beiden Tiere sehr ähneln. Der Neubürger gehört jedoch zur Hundefamilie. Er war laut Markus Stifter vom Landesjagdverband Hessen wegen seines Fells in der ehemaligen Sowjetunion begehrt und auf Pelztierfarmen gezüchtet worden.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

💗🦝 Tolle Marderhund Aufnahme vom 2.5.2020 von @petra_sieber_photography 🤗 Im Aussehen ähnelt der Marderhund dem Waschbären, unterscheidet sich jedoch insbesondere in der geteilten Gesichtsmaske. Es sind Neubürger in der Schweiz 🇨🇭, sogenannte „Neozoon“. Ein Neozoon ist eine Tierart, die in einem bestimmten Gebiet vom Mensch absichtlich eingeführt oder unabsichtlich eingeschleppt wurde und sich dort etabliert hat, also ohne weitere Hilfe des Menschen über mehrere Generationen überlebt hat. Heute werden Marderhunde wegen ihres Felles auf kleinstem Raum auf Pelztierfarmen massenhaft gezüchtet, ihr Fell wird als «Billigpelz» für Winterjacken oder Bommel für Mützen gebraucht. In der Sitzung vom 19. Februar 2020 hat der Bundesrat die revidierte Pelzdeklarationsverordnung verabschiedet. Die Kennzeichnung von Pelzen und die Angabe der Gewinnungsart der Pelze wird mit der Änderung optimiert. Für die Konsumentinnen und Konsumenten sollen die Änderungen der Pelzdeklarationsverordnung mehr Transparenz bringen. Neu müssen Pelze von Tieren als «Echtpelz» gekennzeichnet werden. Die Kundschaft kann so auf einen Blick erkennen, ob es sich um einen Kunst- oder einen Echtpelz handelt, und damit eine gezieltere Wahl treffen. Die Verordnung ist seit 1. April 2020 in Kraft 🇨🇭❤️#Marderhund #NyctereutesProcyonoides #Seefuchs #Tanuki #Finnraccoon #raccoon #Pelz #Racoondog

Ein Beitrag geteilt von Tierparkverein Bern (@tierparkverein) am

Zwischen 1928 und 1950 sollen ungefähr 9000 Tiere in die freie Wildbahn entlassen worden sein. Seitdem wandere der Marderhund über die neuen Bundesländer ein. „Weil Marderhunde hierzulande keine natürlichen Feinde besitzen und das Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen können, wird die Ausbreitung des Marderhundes kritisch gesehen“, erklärt Katrin Walmanns vom Regierungspräsidium Kassel. Er könne brütende Vogelarten gefährden.

Marderhund: Abschuss-Niveau in Hessen auf relativ niedrigem Niveau

„Bisher ist allerdings noch kein wissenschaftlich zweifelsfreier Nachweis erbracht, dass bestimmte Tierarten durch ihn im Bestand bedroht sind.“ Im Jahr 2017 habe die Europäische Kommission die Aufnahme des Marderhundes in die Liste invasiver Arten aufgenommen.

Laut Jagdverband sind die gemeldeten Abschüsse von Marderhunden insgesamt in Hessen noch auf einem relativ niedrigen Niveau. Seit Beginn der Erfassung des Marderhundes 1986 wurden hessenweit 469 Tiere geschossen beziehungsweise tot gefunden. Durch die nächtliche und sehr heimliche Lebensweise seien Marderhunde schwer zu bejagen.

Der Abschuss eines Marderhundes im Altkreis sei schon etwas besonderes, sagt Wolfgang Kommallein vom Kreisjagdverein Wolfhagen. Durch die Lebensweise dieser Tiere seien Beobachtungen selten. (Bea Ricken)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.