73.000 Arbeitnehmer verlassen regelmäßig die Kreis-Grenzen

Mehr Pendler im Wolfhager Land wegen teurer Mieten

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Oft geht in den Stoßzeiten nichts mehr: Im Kreis Kassel hat die Zahl der Berufspendler im vergangenen Jahr eine neue Rekordhöhe erreicht. Die Folge sind immer längere Staus und überfüllte Züge. 

Die Zahl der Berufspendler im Landkreis Kassel hat einen neuen Höchststand erreicht: Auf dem Weg zur Arbeit verließen im vergangenen Jahr 73.000 Menschen regelmäßig den Kreis.

Das sind 19 Prozent mehr als noch im Jahr 2000.

Diese Zahl geht aus einer aktuellen Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hervor, die die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) jetzt veröffentlichte. Vor 19 Jahren zählte der Landkreis 61 000 Pendler.

Gewerkschafter Klaus Michalak spricht von einem alarmierenden Trend. Eine Hauptursache für den Pendel-Boom sei der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in Groß- und Unistädten. „Eine wachsende Zahl von Menschen kann sich die hohen Mieten und Immobilienpreise in der Stadt nicht mehr leisten. Aber genau dort sind in den letzten Jahren besonders viele Jobs entstanden“, sagt der Bezirksvorsitzende der IG BAU Nordhessen. Die Folge seien immer längere Staus und überfüllte Züge.

Pendler legen teilweise Strecken von mehr als 50 Kilometern zurück

Strecken von mehr als 50 Kilometern bis zum Arbeitsplatz seien für viele Pendler aus dem Kreis Kassel mittlerweile normal, sagt Michalak. „Dabei geht nicht nur wertvolle Zeit für Familie, Freunde und Hobbys verloren. Auch die Umwelt leidet unter der Fahrerei.“

Nach Angaben des Umweltbundesamtes geht knapp ein Fünftel aller CO2-Emmissionen in Deutschland auf das Konto des Verkehrs. Die IG BAU warnt vor einer Zunahme der Pendlerzahlen, sollte sich das Wohnen noch weiter vom Arbeiten entfernen. Nötig sei eine „drastische Wende“ in der Wohnungsbaupolitik. Es fehlten vor allem Wohnungen im sozialen und im bezahlbaren Segment.

Investitionen seien aber auch im Bereich der Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar, um die Pendler zu entlasten. „Vor allem beim Schienen-, Straßen- und Radwegenetz ist der Nachholbedarf groß“, sagt Michalak. Einen Beitrag gegen den Pendel-Frust könnten Firmen zudem leisten – indem sie es ihren Beschäftigten leichter machen, in Gleitzeit oder von zu Hause zu arbeiten.

Pendler-Problematik ist teil eines bundesweiten Trends

Die Pendler-Problematik im Landkreis Kassel ist laut des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung Teil eines bundesweiten Trends: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit pendelten im vergangenen Jahr 39 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in eine andere Stadt oder einen anderen Kreis zur Arbeit. Aus den Daten geht allerdings nicht hervor, ob es sich um Tages-, Wochenendpendler oder nur um gelegentliches Pendeln handelt.

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