Mehr Tempo für die flinken Flitzer

Wolfhager verhilft lahmenden Sport-Motoren zu neuen Pferdestärken

Auf dem Weg zum Sieg: Axel Nörenberg mit Beifahrer Marcus Kolitsch während der ADAC-Rallye Bad Emstal vor gut zwei Wochen. Foto:  zhj

Wolfhagen. Die Saison auf dem Sitz seines Rennwagens ist gelaufen, Axel Nörenberg, der Wolfhager Kraftfahrzeugmeister mit eigenem Betrieb in der Innenstadt, könnte es jetzt ruhiger angehen lassen.

Aber dafür, sagt der 39-Jährige, ist einfach nicht die Zeit.

In seiner freien Werkstatt an der Schützeberger Straße, der Firma Autoservice Ostmann, gilt es mit seinem vierköpfigen Team, die Kundschaft zu bedienen: Inspektionen, Karosserie-Reparaturen, Reifenwechsel. 70 Prozent, sagt Nörenberg, seien ganz normale Kunden, der Rest allerdings, rücke mit ihren Rallye-Flitzern aus ganz Deutschland und auch dem angrenzenden Ausland an, damit ihnen der Wolfhager ihr Sportgerät noch stärker, noch schneller macht.

Und Nörenberg weiß offensichtlich, wie es geht, schließlich hat er die Abläufe im Rennzirkus von der Pike auf gelernt und früh mit Kart-Rennen begonnen. Bei BMW in Kassel absolvierte er eine Ausbildung zum Mechaniker, arbeite zudem in einer Kasseler Rennmotoren-Schmiede. „Dort habe ich mir das nötige Know-How geholt“, sagt Nörenberg. Nach seiner Meisterprüfung machte er sich mit seiner freien Werkstatt selbstständig.

Da hatte ihn schon längst das Rallye-Virus gepackt. In einer Wolfhager Kneipe sah er sich 2001 mit seinem Kumpel und späteren Beifahrer Markus Steinfadt eine Rallye im Fernsehen an. Er habe sich dann gleich einen BMW M3 besorgt. „Den haben wir hergerichtet, lackiert, schön gemacht und gleich beim ersten Lauf kaputtgefahren“, erinnert sich Nörenberg.

Scheitern als Ansporn 

Das Scheitern war eher Ansporn. Das Auto wurde repariert, überall, wo sich die Gelegenheit bot, fuhr das Wolfhager Team mit. Bis jetzt mögen es nach Nörenbergs Schätzung an die 150 Rallyes gewesen sein. Den ersten Gesamtsieg holte sich das Wolfhager Gespann 2006 bei der ADAC-Rallye.

Schlüssel zum Erfolg: Der Motor muss Kraft haben und halten. Auf unserem Foto präsentiert Axel Nörenberg einen überarbeiteten Zylinderkopf für einen Sechszylinder-Motor von BMW. Foto:  Norbert Müller

Erfolge sprechen sich rum. „Ist man schnell, dann kommen die Leute und fragen, wo kommt der her?“, sagt Nörenberg. „Dann wollen sie von dir das Auto schneller gemacht haben.“ Und das können die Kunden gerne kriegen. Nörenberg hilft lahmenden BMW-Rennern auf die Sprünge. Sein stärkstes Tuning: Ein Kunde stellte ihm einen BMW Z 8 mit bereits satten 400 PS in die Werkstatt und fuhr mit 780 PS nach Hause.

Gesamtpaket für die Kunden 

Nörenberg liefert seinen Sportkunden aber auch das Gesamtpaket mit Rennmotor, Getriebe, Fahrwerk, Bremsanlage. „Es kommt halt darauf an, wie viel Geld der Kunde hat“. Und billig, sagt der Wolfhager Tüftler, sei dieses Hobby nun nicht gerade.

Wie gut, dass er an seinem gut 400 PS starken BMW M3 CSL selbst die Arbeiten erledigen kann. „Das Schrauben macht Spaß - das Verändern am Auto.“ Und er hat über die Winterpause ein Ziel: „Im nächsten Jahr will man auf gleicher Strecke schneller sein.“

Das klappt allerdings nicht immer: „In diesem Jahr sind wir vier Rallyes gefahren. Drei Mal sind wir ausgefallen, die letzte haben wir gewonnen.“ Ausgerechnet das Heimrennen, die ADAC-Rallye Bad Emstal vor gut zwei Wochen mit Beifahrer Marcus Kolitsch.

Nörenbergs Rennprogramm in diesem Jahr war etwas reduziert. Aus gutem Grund: Er ist erstmals Vater geworden. Die Familie soll bei aller Begeisterung für den Rennsport nicht zu kurz kommen. Und das gilt letztlich ja auch für die ganz normale Kundschaft.

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