Radweg zwischen Hümme und Bad Karlshafen wird erneuert

Millionen für den Ausbau der Radfernweges R4

R4 bei Ippinghausen mit Blick auf die Weidelsburg.
+
Genussradeln auf dem R4: Schön, wenn die Route – wie hier bei Ippinghausen mit Blick auf die Weidelsburg – auf Wirtschaftswegen durch die Felder führt. Allerdings gibt es auch viele Passagen, auf denen sich Radfahrer auf Straßen den Platz mit Autos und Lastwagen teilen müssen.

2,9 Millionen Euro – so viel Geld hat der Landkreis Kassel noch nie für einen Radweg locker gemacht. Doch diese Summe soll ab 2021 in den Ausbau des Radfernweges R4 zwischen Hümme und Bad Karlshafen fließen. Der Kreistag hat die Mittel bereits freigegeben. Im Anschluss soll vorbehaltlich der Zustimmung durch den Kreistag der Abschnitt zwischen Niedermeiser und Zierenberg in Angriff genommen werden.

„Wir warten für das elf Kilometer lange Teilstück ab Hümme auf den Förderbescheid aus Wiesbaden“, sagt Karsten Krohne vom Servicezentrum Regionalentwicklung beim Landkreis Kassel. Das Land wird 70 Prozent der Kosten übernehmen, den Rest trägt der Kreis Kassel. Grundsätzlich fallen die Hessischen Radfernwege komplett in den Zuständigkeitsbereich des Landes.

Doch das kommt mit den Arbeiten nicht nach. Deshalb habe der Landkreis seine Strategie gewechselt: Statt abzuwarten, bis die dringend sanierungsbedürftigen Abschnitte des R4 in den Altkreisen Wolfhagen und Hofgeismar an der Reihe sind, ist der Kreis selbst aktiv geworden.

Wie Krohne sagt, sei der Landkreis in die Planung eingestiegen. Er beteiligt sich mit 30 Prozent an den Kosten. Zudem übernehmen nach Übergabe der Teilstücke die Kommunen deren Unterhaltung. Das sei für Kreis und Kommunen zwar teurer, dafür müsse man mit dem Ausbau aber nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten.

Decke muss aus Asphalt, Beton oder Pflaster bestehen

Im Jahr 2017 war der ADFC Kreisverband Kassel Stadt und Land in seinem Radverkehrskonzept für die in beiden Altkreisen verlaufenden Abschnitte des R4 zu einem vernichtenden Urteil gekommen. Der 87 Kilometer lange Abschnitt erfülle nicht durchgehend die an radtouristische Routen anzulegenden Qualitätskriterien.

Nur auf wenigen isolierten Abschnitten verdiene er das Attribut „familientauglich“. Der Radverkehr auf dem R4 werde außerorts über weite Strecken ungesichert auf Hauptverkehrsstraßen geführt. Dies ist auch im Warmetal der Fall.

Auf dem Teilstück zwischen Hümme und Bad Karlshafen seien nach Angaben von Krohne knapp 90 Prozent des Weges zu erneuern. Nach der Fünf-Sterne-Klassifikation des ADFC müsse die Decke aus Asphalt, Beton oder Pflaster bestehen. Insbesondere für die touristische Vermarktung sei das wichtig. In Bad Karlshafen können Radler vom R4 auf den Weserradweg wechseln, eine der beliebtesten Routen in Deutschland.

Ausbau soll ein halbes Jahr dauern

Für Anfang August rechnet man beim Landkreis Kassel mit dem Förderbescheid aus Wiesbaden. Sobald der Bescheid vorliegt, können die Arbeiten für den grundhaften Ausbau des Radweges R4 zwischen Bad Karlshafen und Hümme ausgeschrieben werden.

Karsten Krohne, der für den Landkreis Kassel in das Projekt eingebunden ist, geht davon aus, dass der Ausbau etwa ein halbes Jahr dauern und im kommenden Jahr beginnen wird. Mit den Kommunen Trendelburg und Bad Karlshafen seien bereits die Verträge unter Dach und Fach, die die spätere Unterhaltung der in ihren Gebieten verlaufenden Abschnitte des Radfernweges regeln. Auch Hessen Forst sei mit im Boot.

In einem nächsten Schritt soll ein Abschnitt im Warmetal aufgewertet werden. Hier geht es nicht vordergründig um die Verbesserung des Belages. Das Problem betrifft die Streckenführung an sich, sagt Krohne. Denn der R4 verläuft zwischen Niedermeiser und Zierenberg auf der Landesstraße 3211.

Abschnittsweise ist die Straße zu gefährlich

Die Straße ist sehr schmal, und für Radfahrer kann der Platz neben Autos und Lastwagen nicht nur eng, sondern auch gefährlich werden.

Das ist für diesen Abschnitt auch der Hauptkritikpunkt des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Kreisverband Kassel Stadt und Land. Der Verein schätzt die Radverkehrsführung im Warmetal, aber auch zwischen Gut Bodenhausen und Wenigenhasungen, in seinem Radverkehrskonzept als „hoch bedenklich“ ein.

„Als Qualitätsmerkmal für Radwanderrouten sollte allgemein gelten, dass Radfahrer nur ausnahmsweise und auf lediglich gering belasteten Landstraßen auf kurzen Wegabschnitten die Fahrbahn benutzen müssen“, heißt es in dem Papier.

Landkreis Kassel dem R4 einen neuen Verlauf geben

Nach Ansicht der Konzept-Autoren dürfe der Kfz-Verkehr pro Tag maximal dreistellig sein. Nach Angaben des ADFC seien auf der Landesstraße zwischen Niedermeiser und Obermeiser bis zu 3000 Fahrzeuge pro Tag mit einer Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde unterwegs.

Weil das Warmetal mit seinen Wäldern und Wiesen, durch die der Bach plätschert, ansonsten aber alles mitbringt, was es für eine touristische Vermarktung braucht, möchte der Landkreis Kassel dem R4 dort einen neuen Verlauf geben. Wie kürzlich der Radverkehrsbeauftragte des Kreises, Stefan Arend, sagte, könnte die Trasse alternativ über Wirtschaftswege geführt werden.

Das wäre dann Naturgenuss pur. Bevor dieses Vorhaben umgesetzt werden kann, müssten die politischen Kreisgremien entsprechende Beschlüsse fassen und auch die dafür erforderlichen Investitionen freigeben.

Das sagt Bürgermeister Marcus Dittrich

Sanierung ist wichtiger Anreiz

Marcus Dittrich

Die Stadt Bad Karlshafen ist froh, dass der Landkreis diese Investition zugunsten des Tourismus in der Region trägt. „Die Radwege werden immer beliebter, die Stadt profitiert enorm von dieser Gästegruppe“, sagt Bürgermeister Marcus Dittrich.

Zudem gab es in jüngsten Jahren auch hier vermehrt Kritik am Zustand der Oberfläche, gerade wegen der Befahrbarkeit mit E-Bikes oder Lastenrädern. Neben der touristischen Aufwertung (> 5 Sterne für Diemelradweg möglich) sei die Sanierung auch ein wichtiger Anreiz, bei kürzeren Strecken öfter das Auto stehen zu lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.