Naumburg und Wolfhagen bieten unschlagbare Tarife für die Früchte an städtischen Bäumen 

Ärgernis Obstdiebstahl: Trotz Schnäppchen werden Äpfel und Birnen gestohlen

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Klare Sache: Einige der Pächter in Naumburg haben ihre Bäume mit einem Schild markiert. Aber auch die Kennzeichnung bewahrt nicht immer davor, dass Kostproben vom Baum genommen werden.

Naumburg/Wolfhagen. Immer wieder wird vom Obst an kommunalen Bäumen gestohlen. Dabei können Äpfeln und Birnen in Naumburg und Wolfhagen völlig legal zum Nulltarif abgeerntet werden. 

Der nachmittägliche Ausflug der Familie B. geht nach Naumburg in die Gemarkung In den Reddern, dort, wo die Stadt Obstbäume besitzt. Knackige rote Äpfel leuchten dort an den Ästen, und an den wenigen Birnbäumen locken in diesem Jahr besonders dicke Früchte. Schnell werden mit dem mitgebrachten Obstpflücker aus den oberen Etagen der Bäume ein paar besonders üppige Exemplare gefischt und in die Körbe gelegt. Das Problem: Die Bäume sind verpachtet von der Stadt an Leute, die sich um die Bäume kümmern, die die Äste schneiden, rund um den Stamm mähen und im Gegenzug kostenlos die Früchte ernten dürfen. Wer sich hier ohne Erlaubnis bedient, begeht Diebstahl.

„Es wird in der Landschaft im unteren Bereich der Bäume stetig geklaut“, sagt Claudia Thöne von der Stadtverwaltung Naumburg. Sie ist zuständig für alles, was mit den städtischen Obstbäumen zu tun hat. „Ich kriege immer mal wieder Meldungen, dass sich Leute unerlaubt bedienen, und manchmal sehe ich es auch“, sagt die studierte Biologin.

Mehr als 1000 Obstbäume

Bei mehr als 1000 Obstbäumen im Stadtgebiet von Naumburg ist die Verlockung recht groß. Aber es gibt Möglichkeiten, in den Genuss leckeren Obstes zu kommen, ohne zum Kleinkriminellen zu werden. „Ich würde mich freuen, wenn diese Leute einen ganzen Baum nehmen würden“, sagt Thöne. Am besten natürlich als Pächter, der nicht nur erntet, sondern sich auch um das Gewächs kümmert.

Aber es gibt noch einen anderen Weg: Man setzt sich mit Claudia Thöne, die ihr Büro im Haus des Gastes hat, in Verbindung, klärt, ob der Wunschbaum frei ist. Und wenn er nicht verpachtet ist, kann man sich die Ernte für drei Euro sichern. Ein absoluter Schnäppchenpreis.

Günstiger geht es nur in Wolfhagen. Auch dort setzt man zwar auf die Baumpatenlösung, also für die Pflege gibt es die Ernte gratis, wer aber nur pflücken möchte, ohne zu zahlen, sagt Natja Krug von der Wolfhager Stadtverwaltung, kann das auch: Interessenten müssen sich dazu nur bei der Stadt melden. Dann wird abgeklärt, ob eine Patenschaft besteht. Und wenn der Wunschbaum frei ist, darf für lau geerntet werden. „Wir haben ein Interesse, dass das Obst nicht verkommt.“ Aber sie möchte gern wissen, wer pflückt. An den Bäumen sollen keine Beschädigungen entstehen.

Natja Krug erinnert sich daran, dass es in Wolfhagen einmal eine Klage über illegales Pflücken gab. „Da wurde an den unteren Ästen, wo man rankommt, etwas abgeerntet.“

Die Polizei wurde in der jüngeren Vergangenheit wegen geklautem Obst nicht eingeschaltet. Karsten Turski von der Polizeistation sagt: „Ich kann mich in den vergangenen zehn Jahren an keine Anzeige erinnern, die mit dem Diebstahl von Obst zu tun hatte.“

Die sei letztlich auch bei einer bestimmten Art der Selbstbedienung bei verpachteten Bäumen nicht nötig, sagt Claudia Thöne: „Fallobst darf für den Kleinverbrauch aufgelesen werden“, das toleriere man. Um da aber jeder kriminellen Strategie vorzubeugen, ergänzt sie schnell: „Schütteln, um Fallobst zu erzeugen, ist natürlich auch nicht erlaubt“.

Kontakt: 

Claudia Thöne, 0 56 25/79 09 73, Mail: claudia.thoene@naumburg.eu.

Natja Krug, 0 56 92/60 24 30, Mail: natja.krug@wolfhagen.de.

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