Alter Birnbaum bleibt stehen

Baum auf Kita-Baustelle in Naumburg war nicht eingeplant – Sorge wegen Wespen

Schattenspender: Der alte Birnbaum – hier mit Kita-Kind Lukas – wird nicht abgeholzt, sondern Teil der Außenanlage des neuen Naumburger Kindergartens.
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Schattenspender: Der alte Birnbaum – hier mit Kita-Kind Lukas – wird nicht abgeholzt, sondern Teil der Außenanlage des neuen Naumburger Kindergartens.

Der alte Birnbaum auf der Kita-Baustelle in Naumburg bleibt stehen.

Naumburg – Das Schicksal des alten Birnbaums auf der Baustelle der neuen Naumburger Kindertagesstätte scheint geklärt. Nachdem es noch Ende vergangener Woche so aussah, als drohe dem alten, gesunden Obstbaum, der die Bauarbeiten bislang schadlos überstanden hat, auf der Zielgeraden zur Fertigstellung der Kita die Kettensäge, sprechen sich nun alle Beteiligten für den Erhalt aus.

Den Verdacht, dass der Baum auf dem Gelände noch beseitigt werden könnte, befeuerte der Plan für die Gestaltung des Außengeländes, mit der in dieser Woche eine Firma für Garten- und Landschaftsbau begonnen hat. Im Plan kommt der Baum, der noch aus der Zeit der alten Oberförsterei stammt, die sich einst auf dem Gelände befand, nicht vor. Dazu kam, dass laut Naumburgs Hauptamtsleiter Thomas Fingerling seitens der Kita-Leitung das Thema Wespen, die durch die Früchte des Baums im Sommer angelockt und damit zum Problem für die draußen spielenden Kinder werden könnten, angesprochen worden sei.

Für die Stadt Naumburg, Bauherrin des Kindergartens, war das nun offenbar kein stichhaltiges Argument: „Die Stadt sieht hier keine Probleme in Bezug auf die Nutzbarkeit des Außengeländes insbesondere in der Zeit, in der die Früchte des Baums reif sind und dann gegebenenfalls Insekten wie Wespen anziehen. Der Umgang mit der Natur gehört auch zu den Dingen, an die die Kinder frühzeitig herangeführt werden und den sie lernen müssen“, teilt Bürgermeister Stefan Hable mit.

Allerdings räumte er auch ein, dass die Stadt zwar die neue Einrichtung für knapp vier Millionen Euro baue, für das pädagogische Konzept aber der Träger, die katholische Kirche, und die Kita-Leitung zuständig seien. Und da könnte ja auch die Gestaltung des Außenbereichs hineinspielen.

Man sei naturverbunden, habe auf dem Gelände des alten Kindergartens beispielsweise ein Hochbeet für die Kinder geschaffen, gehe in den Wald, betont Kita-Leiterin Roswitha Möller. Sie habe das Wespenthema angesprochen, bestehe aber keinesfalls darauf, dass der Baum beseitigt werden müsse.

Um für Klarheit zu sorgen und sich abzustimmen, suchte die Stadt das Gespräch mit Kita-Leitung und dem Architekten, sprach auch mit der Firma für Landschaftsbau. Hable zum Ergebnis: „Alle sind der Auffassung, dass der Baum stehen bleiben soll.“ Die Stadt selbst habe dies auch schon früher dem Träger gegenüber zum Ausdruck gebracht. Es sei besser, einen großen Baum zu erhalten, als im Zuge der Platzgestaltung junge Bäumchen ersatzweise zu pflanzen, „die nicht den Stellenwert haben wie ein alter Baum“.

Mit den Landschaftsgärtnern sei alles Weitere inzwischen geklärt und somit sichergestellt, „dass der Baum nicht beschädigt wird“, sagt Hauptamtsleiter Fingerling. Im Zuge der Ausführung der Arbeiten am Gelände, bei denen es auch darum geht zu nivellieren, werde man nun sehen müssen, wie der Baumstandort ins Geländeniveau passt.

Architekt Christian Gerlach ist zuversichtlich, dass das gelingen wird, und macht auch deutlich, dass für ihn der Erhalt eines solchen Baumes auf dem Gelände von besonderer Bedeutung ist. Wenn man schon einen derart üppigen Schattenspender vor dem Haus stehen habe, könne man sich glücklich schätzen: „Man kann mit dem Begrünen nicht früh genug anfangen“, sagt der Planer aus Fritzlar. „Und es muss nicht immer ein Sonnensegel sein.“ Er versichert: „Wenn wir die Birne mit ihrer Geschichte dort lassen können, dann lassen wir sie.“ Und irgendwie habe es sich der Baum inzwischen auch verdient: „Was da in den vergangenen Monaten um den Baum auf der Baustelle alles rumgeschleift wurde! Und nichts ist passiert. Der Baum scheint gut behütet zu sein, und so soll es bleiben.“ (Norbert Müller)

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