Altstadt Naumburg erhalten und beleben

Neue Bürgergenossenschaft: 45 Gründer wollen Fachwerkhäuser retten

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Diese Naumburger leiten die neue Bürgergenossenschaft: Jürgen Günst, Michael Feiler und Dr. Rolf-Michael Lüking (von links) sind die Aufsichtsräte, Jens Bestmann und Martin Schreiber bilden den Vorstand. 

Naumburg. Naumburg bekommt eine Lobby für die Altstadt und ihre historischen Fachwerkhäuser: Die Bürgergenossenschaft Naumburg wurde gegründet, die sich dem Erhalt alter, bedeutsamer, aber vom Abriss bedrohter Häuser widmen wird.

53 Interessierte waren erschienen, um sich zunächst über die Ziele der Bürgergenossenschaft, aber auch über die Rechte und Pflichten der Mitglieder zu informieren. Von ihnen unterzeichneten 45 eine Beitrittserklärung und wurden so zu Gründungsmitgliedern. Später zeichneten sie dann auch bereits Anteile zu je 100 Euro. So kam ein Gründungskapital in Höhe von 6700 Euro zusammen. In den Aufsichtsrat wählten die Mitglieder Jürgen Günst, er ist auch Aufsichtsratsvorsitzender, sowie Michael Feiler und Dr. Rolf-Michael Lüking. Der Aufsichtsrat bestimmte dann entsprechend der Satzung zwei Personen für den Vorstand, gewissermaßen die Geschäftsführung der Bürgergenossenschaft: Jens Bestmann und Martin Schreiber. 

Ehe mit den Unterschriften der Gründungsmitglieder die Bürgergenossenschaft (BG) Naumburg am Dienstagabend auf die Beine gestellt wurde, galt es viele Fragen zu beantworten.

Da wollte man aus den Reihen der 53 Interessierten, die zur Info-Veranstaltung mit anschließender Gründung gekommen waren, unter anderem wissen, wie viel Zeit man denn als Bürgergenosse in etwa zu investieren habe, schließlich wolle die Genossenschaft ja in den Fachwerkhäusern, die sie retten wollen, durch Eigenleistung einiges an Geld sparen.

Jens Bestmann sagte, dass das jedem selbst überlassen sei. Jeder könne sich nach eigenem Ermessen einbringen. Auch wer nur einen Anteil in Höhe von 100 Euro zeichne oder auch mehrere, ohne jedoch an der Baustelle mitzuschaffen, sei ein wertvoller Unterstützer.

In der Folge erfuhr das Publikum unter anderem auch, dass man als Bürgergenosse nur seinen Anteil zahle, der auch vererbt oder übertragen werden kann, sonst aber keine Monatsbeiträge wie in einem Verein zu entrichten habe. Und das Risiko, dass man eingehe, beschränke sich auf den eingezahlten Anteil, der aber eher durch die Sanierung der Häuser, die zuvor von der BG erworben werden, einen Wertzuwachs erfahren dürfte.

Schlange stehen: Die 45 Gründungsmitglieder erklärten ihren Beitritt mit ihrer Unterschrift unter die Satzung.

Architekt Martin Schreiber stellte Häuser vor, mit denen man sich bei der Auswahl eines Startobjekts für die Bürgergenossenschaft beschäftigt hatte. Das eine zu groß, das nächste im Inneren bei einer früheren Kernsanierung seiner Fachwerkseele beraubt. Und: Weder akut noch mittelfristig vom Abriss bedroht.

Beim Haus Graf-Volkwin-Straße 5 dagegen, ist von der Stadt der Auftrag zum Abriss schon erteilt. Und das, so Schreiber, obwohl gerade dieses Haus herausragt, wenn es um Gründe für einen Erhalt geht: Es ist sehr ursprünglich erhalten und bis auf einen maroden Anbau, der entfernt werden sollte, von gesunder Substanz. Dazu städtebaulich von besonderer Bedeutung. Vor allem passten Größe und auch der zu erwartende Sanierungsaufwand, um eine junge Bürgergenossenschaft nicht zu überfordern.

Und so soll es dann tatsächlich nach dem Willen der Gründungsmitglieder mit diesem Haus losgehen, wobei sich die BG zunächst mit der Stadt über die Kaufmodalitäten einigen muss.

Bürgermeister Stefan Hable (CDU), der am Dienstagabend ebenfalls der Bürgergenossenschaft beitrat, sagte, „die Stadt wäre verkaufsbereit und würde sich an der Stelle aus dem Abriss zurückziehen“. Man müsse „sehen, wie wir den Ausstieg hinkriegen“, es gebe „noch rechtliche Hindernisse“. 

Pate für die Bürgergenossenschaft Naumburg stand die Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt. Diese setzt seit fünf Jahren erfolgreich ihr Konzept zum Erhalt vom Verfall bedrohter Häuser in der Altstadt Hann. Mündens um. Wie in Hann. Münden kostet auch in Naumburg ein Anteil an der Genossenschaft 100 Euro. Die Anzahl der zu erwerbenden Anteile je Bürgergenosse ist nicht begrenzt. Auch wer am Dienstag nicht bei der Gründungsveranstaltung anwesend war, kann jederzeit Mitglied werden und das Projekt zum Erhalt und zur Belebung der Naumburger Altstadt unterstützen. Dazu soll es in Kürze die Möglichkeit geben, im Internet auf www.bg-naumburg.de Beitrittsformulare herunterzuladen. Entsprechende Formulare gibt es auch in der Geschäftsstelle im Haus Hattenhäuser Weg 8 (Procom Bestmann).

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