Warten auf die ersten Gäste

Campingplätze in Naumburg gesperrt -  Betreiber sorgen sich um ihre Existenz

Allein auf dem Platz: Odette Bettermann betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Sven den Campingplatz in Naumburg. Gäste sind derzeit wegen der Corona-Pandemie nicht erlaubt. Bitter für die Unternehmerin, weil im April üblicherweise bereits Hochsaison ist. Im vergangenen Jahr verzeichnete man auf dem Naumburger Campingplatz rund 8000 Übernachtungen. 
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Allein auf dem Platz: Odette Bettermann betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Sven den Campingplatz in Naumburg. Gäste sind derzeit wegen der Corona-Pandemie nicht erlaubt. Bitter für die Unternehmerin, weil im April üblicherweise bereits Hochsaison ist. Im vergangenen Jahr verzeichnete man auf dem Naumburger Campingplatz rund 8000 Übernachtungen. 

Gähnende Leere auf den drei Campingplätzen im Wolfhager Land. Üblicherweise rollt in diesen Wochen die erste große Gästewelle. Aber die Corona-Krise lässt keinen Urlaubsbetrieb zu.

Naumburg – Nichts los auf dem Platz. Dort, wo sich jetzt Camper und Wohnmobilisten bei dem schon seit Wochen traumhaften Frühlingswetter tummeln würden, herrscht gähnende Leere. Die Corona-Krise hat den Campingplatz von Odette Bettermann in Naumburg wie auch alle anderen im Lande fest im Griff.

Kurz vor Ostern, sagt die 56-Jährige mit dem feuerroten Schopf, die gemeinsam mit ihrem Mann Sven vor sieben Jahren den Platz neben dem Naumburger Freibad übernommen hat, fange die Saison an. Und auch in diesem Jahr hätten die Zeichen zunächst auf einen guten Start gestanden. 

Schon mehr als 70 Vorbuchungen waren eingegangen, erinnert sich Odette Bettermann, dann wurde die Schließung der Campingplätze ab dem 18. März angeordnet.

Mitten aus den Vorbereitungen für den erhofften Gästeansturm wurde sie herausgerissen, jetzt galt es, Absagen zu formulieren. „Bei jeder Mail, die ich geschrieben habe, liefen die Tränen“, sagt die Unternehmerin. Letztlich hat sie dann eine Erklärung für die Gäste auf die Homepage gepackt. 

Hoffnung, dass der Camping-Betrieb am 4. Mai wieder starten kann

Von „verantwortungsvollem Handeln“ ist da die Rede, und davon, dass man den Campingplatz „vorerst bis zum 3. 5. 2020 schließen“ werde.

Bei der Festsetzung des Datums, räumt Odette Bettermann ein, habe sie das Prinzip Hoffnung geleitet. Denn ob es tatsächlich ab dem 4. Mai weitergeht, steht noch in den Sternen. Zwar setze sich der Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland für eine Lockerung des Verbots ein, und forderte am Montag in einem offenen Brief an den Bundestagsausschuss für Tourismus unter anderem, „wirksame Lösungsansätze für den Tourismus durchzusetzen“. 

Ob das allerdings dazu geeignet ist, die Saison 2020 und damit auch die Existenz vieler Pächter noch zu retten?

Zwischen Ostern und Oktober nehmen die Campingplatzbetreiber das Geld ein, von dem sie dann auch in den ruhigen Wintermonaten leben. Statt Einnahmen haben die Bettermanns wie ihre Kollegen nur Ausgaben. „Die Fixkosten sind ja da und müssen bezahlt werden.“

Dazu kommen im Fall der Bettermanns Raten für Kredite, mit denen sie Investitionen in ihren 5,5 Hektar großen Platz finanziert haben. Vor der Saison habe man die Fußböden im Waschhaus erneuert, Trinkwasserleitungen neu gelegt und die Scheune, die zum Platz gehört, frisch gestrichen. „Mit dem Ausbleiben des Ostergeschäfts ist uns mega was weggebrochen“, sagt die 56-Jährige. Und stellt dann nachdenklich fest: „Eigentlich sind wir pleite.“

Camper mit Wohnmobilen könnten die ersten Gäste sein

Dass das Wasser dennoch nicht höher als bis zum Hals steht, habe man den schnell aufgelegten staatlichen Hilfsangeboten zu verdanken. „Wir haben zügig alles beantragt.“ Und man hoffe, auf eine baldige Lockerung der strikten Vorgaben für die Campingplätze. Im ersten Schritt könnte man doch die Plätze für Wohnmobilisten und Leute mit Wohnwagen freigeben. 

„Die haben alle Toilette, Dusche und Kochstelle an Bord.“ Man käme sich also nicht zu nahe. „Und wir haben die Einrichtung für die Chemieentsorgung vor Ort“, sagt Odette Bettermann, einen Extraraum mit entsprechender Waschgelegenheit und Desinfektion. „Da geht man einzeln rein, um seine Kassette zu entleeren.“

An Ideen mangelt es der quirligen Unternehmerin nicht. Aber sie hätte doch gerne eine Perspektive, wie und vor allem wann es weitergehen wird, auch, um ihre „Zukunftsangst“ in den Griff zu bekommen.

Ihre Hoffnung setzt sie auf die vielen Stammgäste. „Die kommen sicher alle wieder, die lassen uns nicht hängen.“ Und da ist ja noch die Aussicht, dass viele Deutsche ihren Urlaub – so die Voraussetzungen rechtzeitig geschaffen sind – in diesem Jahr im eigenen Land verbringen werden. 

Dann, ist sich Odette Bettermann sicher, wird auch auf ihrem Platz wieder mächtig Betrieb und die aktuelle Sorge erst mal vergessen sein.

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