Hausbesuche fallen aus

Die Auswirkungen durch das Coronavirus beeinflussen auch das Arbeiten von Naumburgs Bürgermeister Stefan Hable

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Abgesichert: Bürgermeister Stefan Hable nach Dienstschluss im Bürgerbüro, in dem das Personal durch eine große Kunststoffscheibe vom Publikum getrennt ist. 

Auch wenn das Rathaus in Naumburg geschlossen war, die Verwaltung hatte trotzdem viel zu tun. Vieles musste anders organisiert werden. Stefan Hable gibt einen Einblick.

Naumburg – Wegen Klagen über zu wenig Arbeit sind Bürgermeister in der Vergangenheit selten aufgefallen. Wie sieht es in Zeiten der Coronakrise aus? Sitzungen von Parlament, Ausschüssen und Magistrat fanden in den vergangenen Wochen kaum noch statt, der Publikumsverkehr in den Rathäusern ist stark eingeschränkt. Entspannte Zeiten also für den Chef der Verwaltung?

Anruf beim Naumburger Bürgermeister Stefan Hable. Dackel Elli gähnt vernehmlich im Hintergrund. Sitzt der 53-Jährige gerade dösend im Garten, die Beine entspannt hochgelegt und genießt die Sonne? Hable lacht. Ja, er sei gerade zuhause. 

Und das habe tatsächlich mit Corona zu tun. Denn seither hat er zusätzlich zu seinem Arbeitsplatz im Rathaus auch ein Homeoffice, also an seinem privaten Schreibtisch alle Möglichkeiten, die ihm auch der Platz im Amt bietet.

Das sei aber nicht etwa das Privileg des Bürgermeisters. Frühzeitig habe man zur Sicherung der Funktionsfähigkeit der Verwaltung alle Arbeitsbereiche mit einem Heimarbeitsplatz und mit einem Präsenzarbeitsplatz ausgestattet.

Von der Verwaltungsspitze waren abwechselnd entweder der Bürgermeister im Rathaus und Hauptamtsleiter Thomas Fingerling im Homeoffice oder umgekehrt. Die Ausquartierung, sagt Hable, „haben wir jetzt wieder zurückgefahren. Das Personal ist seit Montag wieder im Rathaus“, aber jeweils in Einzelbüros untergebracht.

Heimarbeitsplätze sollen auch in Zukunft weiter genutzt werden

Für die Führungsriege bleibe die Einrichtung wohl dauerhaft als Alternative oder besser: Ergänzung. Das habe ganz praktische Gründe, sagt Hable. Sein regelmäßiges Arbeitspensum am Wochenende könne er dann auch von zuhause aus erledigen.

Gerade jetzt sei der Zugang vom privaten Schreibtisch von großem Wert: So gelte es derzeit ja ständig, auf neue Regelungen und Vorgaben in Sachen Corona zu reagieren, die die Landesregierung meist erst nach einer öffentlichen Ankündigung am späten Nachmittag den Verwaltungen zustelle. Da könne er die nächsten Schritte für Naumburg noch am Abend – ohne noch einmal ins Amt zu fahren – vorbereiten.

Hable versichert: „Wir habend derzeit mindestens die gleiche Arbeitsbelastung wie vor der Pandemie. Unser Pensum ist nicht geringer.“ Das normale Verwaltungsgeschäft laufe ja weiter, dazu kommen aber eben „die Änderungen, die sich ständig ergeben“, beispielsweise im Zuge der gerade beschlossenen Lockerungen. „Das wird von denen unterschätzt, die glauben, dass zurzeit nichts passiert.“

Sei es nun das Beantragen von Personalausweisen, die Ausgabe von gelben Säcken oder Fragen zu Bauanträgen – „wir halten ja alle Dienstleistungen wie früher aufrecht“. Es müsse aber vieles anders organisiert werden, gerade weil man nicht notwendige direkte Kontakte zu vermeiden habe. 

Gefiltert werde telefonisch und auch an der Rathaustür, die derzeit nicht mehr zu den üblichen Zeiten für jedermann geöffnet ist.

Hausbesuche zum runden Geburtstag entfallen

Was seit Wochen allerdings ersatzlos gestrichen ist, sind die „lieb gewordenen“ Besuche des seit zwölfeinhalb Jahren amtierenden Stadtoberhauptes bei Senioren, die Geburtstag haben oder ein Ehejubiläum feiern. 

Dagegen werden sich die städtischen Gremien bald wieder versammeln. Den Auftakt macht in der kommenden Woche der Magistrat, der zuletzt im Umlaufverfahren seine Entscheidungen gefällt hat, also jedes Mitglied zuhause. Aufgrund der Hygiene- und Abstandsvorgaben wird man sich in einem abgeteilten Saal im Haus des Gastes treffen, statt wie vor Corona im Sitzungszimmer des Rathauses.

Dann wird Stefan Hable auch wieder abends vermehrt außer Haus sein. Zu einer Zeit, in der ihn seine Familie zuletzt doch auch wegen des Heimarbeitsplatzes häufiger gesehen hat, wie er einräumt, und er wegen der ausgefallenen Sitzungen tatsächlich „ein bisschen mehr Luft“ hatte – auch um mit Dackel Elli noch eine entspannte Runde zu drehen.

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