Fahrten konnten nicht stattfinden

Dampft es bald nicht mehr? Hessencourrier hat wegen Corona finanzielle Probleme

Arbeiten an der Lok 52 4544: (von links) Vorsitzender Jens Karasek, Günther Schneider und Anna Becker vom Verein Hessencourrier.
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Arbeiten an der Lok 52 4544: (von links) Vorsitzender Jens Karasek, Günther Schneider und Anna Becker vom Verein Hessencourrier.

Fahrten konnten nicht stattfinden und jetzt können wegen der Hygieneregeln deutlich weniger Passagiere mitfahren. Corona stellt den Verein Hessencourrier vor finazielle Probleme.

Kassel/Naumburg – Sie schrauben und werkeln – in den vergangenen Wochen an fast jedem Samstag. Die Radsätze der größten Dampflok des Vereins Hessencourrier – der 52 4544 – müssen aufgearbeitet werden. „Wir hatten gehofft, dass wir im neuen Jahr verkünden können, dass wir dann wieder mit der 52 fahren“, sagt Anna Becker vom Verein Hessencourrier. Diese Pläne sind durch Corona allerdings infrage gestellt worden. „Bis zum vierten Quartal ist die Finanzierung gesichert, ab dann sieht es dünn aus.“

Normalerweise fährt der Hessencourrier 12 bis 13 Mal im Jahr, hinzukommen Charterfahren. In diesem Jahr mussten die Fahrten an Ostern und im Mai und Juni wegen des Coronavirus abgesagt werden. „An Ostern hätten wir normalerweise 450 Fahrgäste gehabt, an den anderen Fahrten 350“, sagt Becker. Der Verein Hessencourrier finanziert seine Aktivitäten, also die Fahrten der historischen Dampflok, in erster Linie über die Einnahmen der Fahrtkosten. Lange vor Corona waren Reparaturaufträge in Höhe von 110 000 Euro vergeben worden. „Das Geld haben wir noch“, sagt Becker. Aber aus dem Überschuss des Fahrtgeldes deckt der Verein die laufenden Kosten wie zum Beispiel die Miete der Hallen, auch für Reparaturen war das Geld genutzt worden. Das werde zukünftig schwierig, wenn sich an der Situation nichts ändert.

Unter den verschärften Hygienebedingungen darf der Hessencourrier 150 Personen transportieren. Die Fahrgäste werden im Zug getrennt nach Haushalten gesetzt. Außerdem muss während der Fahrt ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. „Als wir Anfang Juli wieder fahren durften, hatten wir 56 Passagiere“, sagt Becker. Diese Zahl sei gerade so kostendeckend.

Mit viel Dampf unterwegs: Die Lokomotive HC 206 auf der Strecke zwischen Kassel und Naumburg.

Ende Juli fuhren 90 Personen mit – in normalen Zeiten wären es fast vier mal so viele gewesen. „Ich kann verstehen, dass eine Fahrt unter Coronabedingungen nicht ganz so viel Spaß macht“, sagt Anna Becker. „Aber es wäre die beste Möglichkeit, um den Verein in dieser Situation finanziell zu unterstützen.“

Der Verein Hessencourrier hat insgesamt 50 Fahrzeuge. Darunter vier Dampfloks. Aber auch die Wagensammlung gibt einen umfangreichen Einblick in die Eisenbahnhistorie.

Aktive Mitglieder zahlen keinen Mitgliedsbeitrag, sondern leisten stattdessen Arbeitsstunden ab. Es ist auch möglich, den Verein als passives Mitglied zu unterstützen. Dann beträgt die Mitgliedschaft 80 Euro. Anna Becker ist seit sechs Jahren dabei. „Schrauben hat mich schon immer begeistert“, erzählt sie. Aber eine Dampflok habe eine besondere Faszination.

Eine Fahrt mit dem Hessencourrier kostet für Erwachsene 25 Euro, Kinder (0 bis 12 Jahre) zahlen 22 Euro. Eine Familienkarte kostet 60 Euro. Darin enthalten sind zwei Erwachsene und ein Kind. Jedes weitere Kind zahlt 15 Euro. Die Fahrkarten können nur online bestellt werden. An den Bahnhöfen und im Zug muss man eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Durch die Abstandsregeln können maximal 150 Personen mitfahren. Die nächsten Fahrten sind am 30. August und 4. Oktober. hessencourrier.de

(Kathrin Meyer)

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