Zugmaschine des Hessencourriers wurde 1941 in Dienst gestellt

Naumburger Dampflok wird 80

Unter Volldampf Richtung Naumburg: Kurz vor dem Naturschutzgebiet Hengstwiesen vor den Toren der Stadt Naumburg unterquert die Geburtstagslok eine Brücke. Archivfotos: Norbert Müller
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Unter Volldampf Richtung Naumburg: Kurz vor dem Naturschutzgebiet Hengstwiesen vor den Toren der Stadt Naumburg unterquert die Geburtstagslok eine Brücke. Archivfotos: Norbert Müller

Am 24. Januar 1941 wurde die neue Dampflok 206 auf der Naumburger Kleinbahnstrecke in Dienst gestellt. Seit 80 Jahre ist sie - nun für den Hessencourrier - ihrer Heimatstrecke treu.

Naumburg - Für ihr Alter ist sie noch richtig flott und voller Energie: Die Lokomotive 206 des Hessencourriers wird 80. Und wenn die Corona-Pandemie nicht gerade alles auf den Kopf stellen würde, hätten die Eisenbahnfreunde den Ehrentag auch gebührend gefeiert. So aber fällt der Geburtstag in eine Zeit, in der schon die vergangene Saison fast vollständig ausfallen musste. Die fehlenden Einnahmen aus den Fahrten bereiten dem Hessencourrier ernste Sorgen. Ob in diesem Jahr – der Saisonstart ist üblicherweise an Ostern – der historische Zug wieder auf seiner Heimatstrecke zwischen Kassel und Naumburg unterwegs sein kann, das steht derzeit noch in den Sternen.

Und so wird man die Lok mit der offiziellen Bezeichnung HC 206 nur im kleinen Kreis feiern, nicht auf der Strecke, für die „das Mädchen“ oder auch „Sechserchen“, wie sie von den Hessencourrier-Leuten liebevoll genannt wird, einst speziell gebaut wurde.

Wie ihre fünf baugleichen Schwestern war sie von Krauss-Maffei in München für die gut 33 Kilometer lange Strecke der Naumburger Kleinbahn mit den engen Kurvenradien und dem steilen Anstieg bei Hoof konstruiert worden. Als letzte dieser Loks folgte sie ihren Schwestern nach Naumburg, wo sie am 24. Januar 1941 in Dienst gestellt wurde. Fast 88 000 Reichsmark kostete das 750 PS starke Kraftpaket. 64 Tonnen Gewicht bringt sie auf die Schiene und bei Vollgas wären 60 km/h möglich. Aber die sind bis heute wegen des sehr speziellen Streckenprofils nicht erlaubt.

Einfahrt in den Heimatbahnhof: die 206 mit Lokführer Jens Karasek im vergangenen Sommer in Naumburg.

Zuverlässig war die „Sechser“, wie sie von den Kleinbahnern genannt wurde, im Güter- und Personenverkehr unterwegs, bis die Naumburger Dampflokomotiven aufs Altenteil geschickt wurden. Als letzte betriebsfähige Lok wurde sie im März 1970 ausgemustert. Dass sie nicht das gleiche Schicksal ereilte wie ihre fünf Schwestern, die allesamt verschrottet wurden, hat sie der Stadt Naumburg zu verdanken. Die Kommune wollte der Eisenbahn, der die Stadt und ihre Bewohner viel zu verdanken hatten, ein Denkmal setzen. Und so hob man die Sechser von den Schienen, auf der sie 29 Jahre unterwegs war, auf einen flachen Betonsockel vor dem Bahnhofsgebäude.

Dort schlummerte sie bis Ende 1982, dann kamen die Bahnbegeisterten des Hessencourriers. Die einigten sich mit der Stadt, übernahmen die Lok und schafften sie in ihre Werkstatt. Drei Jahre schufteten die Schrauber des Hessencourriers, in dieser Zeit investierte der Verein zudem gut 150 000 Mark, dann war die Lok, die auf den Namen Naumburg getauft wurde, wieder einsatzbereit und das neue Zugpferd der nordhessischen Museumsbahn. Für die ist sie inzwischen seit 35 Jahren mit der gleichen Zuverlässigkeit wie damals, als die Züge noch täglich von Naumburg nach Kassel und zurück dampften, im Dienst.

„Zu ihrem Ehrentag hätten wir ihr ja gerne eine Party gegeben“, sagt Anna Becker vom Verein Hessencourrier, die auf der Lokomotive die Heizerausbildung absolviert hat. Der Verein hatte eine kleine exklusive Fahrt mit originalen Wagen der Kassel-Naumburger Eisenbahn für den Geburtstag geplant, der Lockdown lässt es nicht zu. „Wir hoffen, dass wir das im Laufe des Jahres nachholen können“, sagt Vereinsvorsitzender Jens Karasek. Denn so ganz sang- und klanglos wolle man den Ehrentag des Sechserchens dann doch nicht vorübergehen lassen. (Norbert Müller)

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