Traumhaus auf fahrbarem Sockel

Der Naumburger Tischler Volker Hagemann hat sich aus Holz ein Eigenheim gebaut

Bis auf die Verkleidung des Unterbaus fertig: Volker Hagemann auf der Treppe seines Holzhauses, das er nach Feierabend und an den Wochenenden selbst gebaut hat. Wenn er doch noch einmal ein großes, festes Haus bauen wird, könne er das Holzhaus verkaufen und dank der Räder problemlos abtransportieren.
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Bis auf die Verkleidung des Unterbaus fertig: Volker Hagemann auf der Treppe seines Holzhauses, das er nach Feierabend und an den Wochenenden selbst gebaut hat. Wenn er doch noch einmal ein großes, festes Haus bauen wird, könne er das Holzhaus verkaufen und dank der Räder problemlos abtransportieren.

Der Naumburger Tischler Volker Hagemann hat sich aus Holz ein Eigenheim auf Rädern gebaut.

Naumburg – Wer sich ein Haus auf Rädern baut, muss damit rechnen, dass er gefragt wird, ob er auf große Reise gehen will. Bei Volker Hagemann war es nicht anders. Auf dem Naumburger Zimmerplatz hat der 35-Jährige sich ein ganz besonderes Domizil geschaffen.

So schlecht war es ja nicht in der Naumburger Altstadt. Dort hat Volker Hagemann in einem alten Haus gewohnt, das seiner Schwester gehört. Wohnfläche auf vier Etagen, großzügig dimensioniert für einen Einzelnen. Vor vier Jahren, erinnert sich Hagemann, sei ihm dann der Gedanke durch den Kopf gegangen, „ich will mal was Anderes. Und was Eigenes“.

Wie das eigene Heim aussehen könnte, musste er sich noch erarbeiten. Klar war: Nicht so groß sollte es sein, und idealerweise sollte er es selbst bauen können. Als Tischler und Spross einer Naumburger Zimmerer-Familie ergab sich dann recht schnell eine Richtung, in die es gehen sollte. Im Internet fanden sich auch genügend Videos mit Anregungen.

Er skizzierte ein Konzept und besorgte sich einen gebrauchten Auflieger, auf dem einst schwere Baumaschinen transportiert wurden. „Das war für mich aber nicht entscheidend, dass das Haus mal rollt.“ Er brauchte den Trailer als Basis für den Aufbau. Den parkte er am Rand des familieneigenen Zimmerplatzes, in direkter Nachbarschaft zu dicken Baumstämmen, die bislang vor der Gattersäge verschont blieben.

Ehe der Handwerker mit dem bestellten Holz nach den selbst gezeichneten Plänen loslegen konnte, galt es Anträge auszufüllen, Genehmigungen einzuholen, mit einem Statiker und einem Architekten das Vorhaben abzustimmen. Denn auch wenn sein Haus auf Rädern entstehen sollte, es brauchte, wie Hagemann sagt, einen Vorlauf wie bei einem ganz normalen Neubau.

Neues Domizil: In Küche und Wohnzimmer dominieren ebenfalls Hölzer. Volker Hagemann hat auch den kompletten Innenausbau erledigt.

Kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie kam das behördliche Okay, und Volker Hagemann konnte sich an die Arbeit machen. Der Auflieger wurde an den vorgesehenen Platz gestellt, für Stromanschluss, Frischwasserleitung und Kanal wurden Fachleute engagiert, der Rest war Sache des Bauherrn. In der Zimmerei wurde das Material für die Holzständerbauweise zugeschnitten, dann montiert. Nach Feierabend und an den Wochenenden war der Tischler nun an seinem Haus im Einsatz.

„Am Anfang, als der Bau losging, war hier richtig Verkehr“, erinnert sich Hagemann. Die Leute waren neugierig, was da auf dem fahrbaren Untersatz entstehen sollte und pilgerten Richtung Zimmerplatz. Und schnell kam auch die Frage, ob er einen Wagen für den nächsten Rosenmontagszug bauen würde. Mancher Passant gab ihm auch zu verstehen, dass er ihn für verrückt hielt, weil er nicht „gleich was Richtiges“ bauen würde.

Aber der begeisterte Handwerker ließ sich nicht beirren. Die Pandemie mit ihren Einschränkungen konnte ihn nicht bremsen, im Gegenteil. „Das entwickelte sich zu meinem Corona-Projekt“, sagt er. „Man konnte sowieso nichts unternehmen, irgendwo hingehen. Alles war zu. Da habe ich hier die ganze Zeit verbracht.“ Für die Außenwände verwendete er sibirische Lärche, als Dämmung hat er Mineralwolle eingebaut. Gut 15 Zentimeter dick ist die Außenhaut. In die Wände setzte er insgesamt neun Fenster ein, die nach außen öffnen und besonders schmale Rahmen haben, um den Lichtverlust zu minimieren.

Auch den gesamten Innenausbau machte er selbst, schreinerte auch Bett und Schränke. Nach Absprache mit dem Schornsteinfeger wurde ein Hybridofen installiert, der Pellets und auch ganze Holzstücke verbrennt und übers Handy gesteuert werden kann. Er reicht aus, um die gesamte Wohnung mit Bad, Schlafzimmer und Wohnzimmer mit Küche auch in harten Wintern gut zu temperieren. Eine separate Lüftung sorgt dafür, dass es in dem als Kleinbau klassifizierten Domizil nicht zu Sauerstoffmangel kommen kann. Für das Warmwasser wird eine kleine elektrische Therme genutzt.

32 Quadratmeter Wohnfläche hat Volker Hagemann nun zur Verfügung in seinem Eigenheim, das eine maximale Breite von 2,55 Metern und eine Länge von 12,50 Metern hat. Vor wenigen Tagen ist er eingezogen. „Es war kein großer Umzug. Es ging alles in ein paar Kartons rein.“ Der Eindruck des 1,93 Meter großen Tischlers: „Als alles eingeräumt war, fand ich es größer als gedacht. Es passt. Mehr brauche ich nicht zum Leben.“ Zumindest, solange man alleinstehend ist. Mit Familie, sagt er, ginge das hier nicht.

Er sei stolz auf das Geleistete. „Für das Geld hätten sich andere ein Auto gekauft, ich habe mir ein Haus gebaut.“ Ohne seine Arbeitsleistung und auch ohne die ganzen Möglichkeiten, die ihm die alte Zimmerei mit ihren Maschinen und Werkzeugen bietet, hätte das aber wohl nicht so funktioniert, sagt Volker Hagemann.

Ein paar Kleinigkeiten fehlen noch. Ein Tisch für die Küche, eine Verkleidung für die Waschmaschine im Bad. Alles aus Holz selbstverständlich, denn „das ist mein Material.“ Vor dem Haus wird er noch eine kleine Veranda bauen, „wo man sich mit zwei, drei Leuten draufsetzen und ein Bierchen trinken kann“. Und den Unterbau mit den Rädern will der 35-Jährige noch verkleiden. „Damit man sie nicht mehr sieht.“ Dann kommen auch keine Fragen mehr, wann er denn mit seinem Selbstbau auf Reisen geht. (Norbert Müller)

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